Wie geht es mit Kareem Hunt weiter? - Bildquelle: imago images/Icon SMIWie geht es mit Kareem Hunt weiter? © imago images/Icon SMI

München – Es ist ein schmaler Grat. Jedes Mal. Immer wieder aufs Neue. Und kompliziert. Denn die Balance zwischen genereller Glaubwürdigkeit und unbedingter Unterstützung kann bisweilen problematisch werden. 

Wie viele Chancen kann ich als NFL-Klub bei einem Problem-Profi vertreten? Wann muss ich reagieren? Wann ist es unmöglich, weitere Fehltritte zu akzeptieren?

Ein komplizierter Fall

Fragen, die sich bei Kareem Hunt mal wieder ein NFL-Klub stellt. Stellen muss. Denn der Running Back ist ein komplizierter Fall. 

Sportlich ein Gewinn, ohne Frage. 24 Jahre alt. Ein Mega-Talent. Drei Jahre in der NFL, 35 Spiele, 2330 Running- und 1118 Receiving Yards, insgesamt 28 Touchdowns. Ausgestattet mit magischen Händen, denen bis heute nur zwei Fumbles unterlaufen sind. Explosiv.

Leider auch im Privatleben. 

Denn immer wieder sorgt Hunt für Skandale, bringt sich in die Bredouille. Torpediert seine aussichtsreiche Karriere. In der vergangenen Saison wurde er für acht Spiele gesperrt und von den Kansas City Chiefs entlassen, ein Video zeigte, wie er in einem Hotel eine Frau misshandelte. 

 

Bei den Cleveland Browns bekam er eine zweite Chance, die er zu nutzen schien. Die Liga erlaubte ihm nach einer Leistenoperation im Oktober die Wiederaufnahme des Trainings, sein Comeback gab er am zehnten Spieltag gegen die Buffalo Bills.

Er war die Nummer zwei hinter Nick Chubb, kam in acht Spielen auf 179 Running- und 285 Receiving Yards sowie drei Touchdowns.

Doch der Fehltritt hatte offenbar Spuren hinterlassen. Ende Januar wurde er von der Polizei wegen zu schnellen Fahrens angehalten, dabei fanden die Beamten außerdem eine kleine Menge Marihuana und eine fast leere Flasche Wodka auf dem Rücksitz. 

"Der schlimmste Mensch der Welt"

Ein Video tauchte auf, in dem Hunt im Gespräch mit den Polizisten einen Blick in sein Seelenleben gewährt. "Ich sollte im verdammten Super Bowl spielen", sagt Ex-Chief Hunt. "Es tut meiner Seele weh. Ich habe in letzter Zeit viel durchgemacht. Es tut mir bis heute weh. Ich liebe Cleveland, liebe die Browns, aber ihr versteht das nicht. Ich bin einfach nur der schlimmste Mensch der Welt."

Wieder ein Fehltritt. Wieder auf Video.

Und wieder eine neue Chance. Denn die Browns lassen Hunt offensichtlich nicht fallen. Die Verantwortlichen ließen zwar durchblicken, wie wenig sie davon hielten, sind aber gewillt, mit ihm weiterzuarbeiten.

"Ich habe mit Kareem gesprochen und ihm klar und deutlich gesagt, was wir in Zukunft von ihm erwarten", sagte der neue GM Andrew Berry. "Wir brauchen hier Typen, die stark, clever, vor allem aber verlässlich sind - und das sowohl auf als auch neben dem Platz. Kareem versteht das und wir erwarten nun von ihm, dass er sich eingliedert und mit uns gemeinsam etwas Großes entwickelt."

Stefanski euphorisch

Gemeinsam mit dem neuen Head Coach Kevin Stefanski, der angesichts zweier Top-Running-Backs und den offensiven Möglichkeiten ins Schwärmen gerät und andeutet, dass man auch ein System mit zwei Backs spielen kann. Stefanski ist sowieso dafür bekannt, auf das Laufspiel zu setzen.

"Das ist kein Problem für uns. Das ist ein gutes Problem, wenn es überhaupt ein Problem ist", sagte Stefanski. "Es ist unsere Aufgabe, sicherzustellen, dass wir all diese guten Spieler haben. Lasst uns sie einsetzen. Lasst sie uns sie richtig einsetzen."

Der neue Offensive Coordinator Alex Van Pelt erklärte zudem, dass das Duo "unglaubliche Matchups" kreieren kann.

Stellt sich nur noch eine Frage: Wie genau geht es mit Hunt weiter? Denn hier wird es wieder ein wenig komplizierter.

Restricted Free Agent

Hunt ist Restricted Free Agent. Das ergibt grundsätzlich zwei Optionen: Zum einen können die Browns den 24-Jährigen mit einen neuen, langfristigen Vertreag ausstatten. Das erscheint aufgrund der Vorgeschichte jedoch unwahrscheinlich.

Stattdessen dürften sie ihm einen Tender verpassen, wohl auch, um die Möglichkeiten eines Trades zumindest auszutesten. Ein First-Round-Tender, auf den Hunt hofft, würde ihm einen Einjahresvertrag und rund 4,5 Millionen Dollar bringen. Die Browns könnten bei jedem Angebot für Hunt mitgehen oder ihn für den entsprechenden Tender-Draft-Pick gehen lassen.

Hunt will dem Vernehmen nach gerne bleiben. Die Browns wollen offenbar auch. Ein schmaler Grat bleibt es trotzdem.

Andreas Reiners

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