Kasim Edebali weiß: "Für Leute wie mich ist das Special Team wichtig" - Bildquelle: imago images / ZUMA PressKasim Edebali weiß: "Für Leute wie mich ist das Special Team wichtig" © imago images / ZUMA Press

Jacksonville - In der Umkleide der Philadelphia Eagles herrscht nach dem 24:10-Auswärtssieg bei den Jacksonville Jaguars Hektik und Durcheinander. Überall stehen riesige Sporttaschen, liegen Trikots, Socken, Hosen. Spieler kommen aus der Dusche oder sind auf dem Weg dorthin. Nur Kasim Edebali steht ganz entspannt vor seinem Spind und spricht im exklusiven Interview mit ran.de über eine neue Chance, seine Zeit als "Journeyman" und was er sich als berufliche Option vorstellen könnte.

 

 
ran.de: Kasim Edebali, nach New Orleans, Denver, Detroit, den L.A. Rams, erneut New Orleans und Cincinnati tragen Sie seit vergangener Woche das Trikot der Philadelphia Eagles. Wie kam der Kontakt zustande?
 
Kasim Edebali: "In der NFL läuft es so: jemand verletzt sich und Teams haben immer eine Liste von Jungs, die sie dann sofort holen, wenn etwas schiefgeht. Bei den Eagles hatte sich einer verletzt (Defensive End Joe Ostman zog sich im Training einen Kreuzbandriss zu/Anm. d. Red.), dann haben sie auf die Liste von Veteranen geguckt - ich bin ja jetzt auch schon in meinem sechsten Jahr - und dann haben sie gesagt, 'ruf den Kasim Edebali an und bring’ ihn ins Camp'."

 
ran.de: Mussten Sie noch vorspielen?
 
Edebali: "Nein, das ging dann ganz schnell. Ich bin Montagabend angekommen, habe Dienstagmorgen schon mit trainiert und am Mittwoch hieß es dann: 'Kannst du das Playbook auswendig? Ja, kann ich.' Und dann ging’s gleich weiter. Am Donnerstag habe ich dann bereits gespielt und meine ersten Tackles gehabt."
 
ran.de: Hatten Sie noch andere Anfragen oder waren die Eagles der einzige Klub?
 
Edebali: "Die Eagles waren der einzige Klub. Aber es kommt halt immer darauf an, was die Teams brauchen. Mal brauchen sie einen Defensive Back oder einen Quarterback. Und die Eagles brauchten halt einen Defensive End - und da bin ich dann eingesprungen."
 
ran.de: Und wie sehen Sie Ihre Chancen?
 
Edebali: "Viele sagen immer, 'ach, der hat keine Chance oder der hat eine gute Chance'. Für einen Spieler wie mich kommt es immer auf das Special Team an. Denn die Starter sind die Starter - und die werden auch spielen, denn sie sind die Superstars. Aber für Leute wie mich ist das Special Team wichtig. Kick-Off, Kick-Return, Punt, Punt-Return. Und die vergangenen beiden Spiele ging das gut los. Das heißt, da ist immer eine Chance vorhanden, hier zu spielen."

 

 
ran.de: Die Eagles sind ihr siebtes Team seit März 2017. Wie haben Sie diese Zeit als "Journeyman" erlebt?
 
Edebali: "Ich bin nicht der Einzige, der auf so viele Vereine kommt. Jede Mannschaft hat Leute, die kommen und gehen. Vor allem, Leute wie mich, im Special Team. Das habe ich schon in meinen ersten drei Jahren in New Orleans gesehen. Da waren Spieler jede Woche woanders. Und jetzt ist es für mich halt so. Die Hauptsache ist, weiterzuspielen und immer mein Bestes zu geben."
 
ran.de: Wie gehen Sie, Ihre Frau und Ihre beiden Töchter mit diesem ständigen Hin und Her um?
 
Edebali: "Meine Frau ist ein bisschen mehr gestresst als ich, aber sie ist auch schon ein kompletter Profi. Sie weiß, dass es ab und zu halt nicht so stabil ist. Und wenn ich ihr sage, 'ich bin schon wieder woanders', meint sie immer nur: 'alles klar, Schatz. Hau’ sie alle kaputt und mach’ dein Ding'. Und meine Töchter (eins und fünf Jahre/Anm. d. Red.) sind einfach meine größten Fans, meine Cheerleader - egal, was passiert. Ich habe eben nach dem Spiel schon mit ihnen telefoniert. Und da meinte die Älteste stolz: 'Papa, ich hab’ dich im Fernsehen gesehen'."
 
ran.de: Wie oft haben Sie schon daran gedacht, Ihre Karriere zu beenden?
 
Edebali: "Überhaupt nicht. Ganz ehrlich, es ist schon schön, zu Hause mit der Familie zu sein, mit unseren Töchtern (Edebali lebt in Phoenix/Anm. d. Red.). Und ich kann mir echt vorstellen, dass das nach dem Football sehr spaßig wird und ich das sehr genießen werde. Aber ich spiele jetzt schon seit 20 Jahren Football. Und wenn mir jemand ein Angebot macht und fragt, ob ich Bock habe, zu spielen, spiele ich immer."

 
ran.de: Welche beruflichen Optionen hätten Sie?
 
Edebali: "Patrick Esume, wenn du einen Assistenten brauchst, ich bin immer dabei. Und ansonsten hätte ich Lust, im deutschen Fernsehen etwas zu machen. Aber dazu müsste ich mein Deutsch etwas aufpolieren. Und Björn Werner macht ja viele Sachen mit internationalen Football-Spielern. Da könnte ich ihm ein bisschen aushelfen. Das macht Spaß, neue Talente zu fördern und nach Amerika zu bringen."
 
ran.de: Haben Sie die Eagles-Fans schon so richtig erlebt? Die haben ja keinen so guten Ruf.
 
Edebali: "Ich habe die Eagles-Fans als gegnerischer Spieler erlebt. Ich weiß noch ganz genau, da hatte ich nach einem Spielzug einen Krampf und musste mich deshalb auf dem Feld hinsetzen. Und dann haben zehntausende Eagles-Fans gebrüllt: 'Du Lügner, was machst du?' Also die Eagles-Fans sind schon etwas anders. Aber es ist schön, dass die jetzt auf meiner Seite sind."
 
ran.de: Können Sie schon "Fly, Eagles, fly" singen?
 
Edebali: "Da muss ich noch etwas üben, glaube ich." (lacht)
 
Interview: Heiko Oldörp

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