Lamar Jackson. - Bildquelle: 2021 Getty ImagesLamar Jackson. © 2021 Getty Images

München/Buffalo – Der Schmerz ist heftig. Es pocht. Brummt. Und es zieht im Kopf. Mit einer Gehirnerschütterung ist nicht zu spaßen.

Doch Lamar Jackson bekam auch noch die doppelte Dosis. 

 

Denn zu den körperlichen Beschwerden gesellte sich auch noch die mentale Malaise. Als der Quarterback der Baltimore Ravens gegen Ende des dritten Viertels in der eigenen Endzone hart mit dem Kopf aufschlug, wusste er schon längst, dass dies nicht sein Abend war.

Mit hängendem Kopf schlich er in die Kabine, wohl wissend, dass das 3:17 bei den Buffalo Bills das Aus in der Divisional Round bedeuten würde. Ein Bild, das mehr sagte als 1000 Worte. Enttäuschung und Frust in nur einem Motiv.

Zusätzliche Kopfschmerzen

Und da er das Geschäft kennt, dürften ihm auch die sich anbahnenden Diskussionen zusätzliche Kopfschmerzen bereitet haben. 

Die Frage: Was ist Lamar Jackson für ein Quarterback? Einer, der auf hohem Niveau abliefern kann, der für Spektakel steht, dem aber dann doch das gewisse Etwas fehlt? Diese finalen Fähigkeiten, um ein ganz Großer zu werden?

Das Können nämlich, ein Team in der Crunch Time einer Saison zum großen Ziel zu führen. Voranzugehen und eben nicht mit unterzugehen. Den Unterschied zu machen.

In der Wild Card Round beendete er in seinem dritten Jahr und seinen dritten Playoffs immerhin den Fluch, in der Postseason nicht gewinnen zu können. Doch was ist der Sieg bei den Tennessee Titans letztendlich wert, wenn eine Woche später dann doch wieder vorzeitig Schluss ist? Ob nun Wild Card oder Divisional Round interessiert schon am Montag niemanden mehr.

Ernüchternder Auftritt

Was vielmehr hängen bleibt: Ein erneut ernüchternder Auftritt des MVP von 2019. Er brachte 14 von 24 Pässen an den Mann für 162 Yards, hinzu kamen 34 Yards am Boden. Er steckte drei Sacks ein und warf einen mit entscheidenden Pick Six.

Mager. Mal wieder.

Neuer Vertrag?

Trotzdem wartet möglicherweise ein neuer Vertrag auf den 24-Jährigen. NFL-Insider Ian Rapoport berichtete vor dem Bills-Spiel, dass beide Seiten offen dafür sind, sich im Frühjahr oder Sommer zusammenzusetzen. Denn das Gesicht der Ravens ist Jackson schon längst, ein Schlüsselspieler. Zum unerschrockenen Anführer fehlt aber noch etwas.

Ravens-Receiver Willie Snead sagte, das Spiel gegen die Bills werde für Jackson ein "Weckruf" sein, er berichtete, dass es Jackson gut gehe, er aber frustriert sei.

Er müsse sich bei gewissen Aspekten seines Spiels verbessern, so Snead: "Beim Lesen der Zonen zum Beispiel. Er wird ein Guter, Mann, ihm sind keine Grenzen gesetzt. Ich weiß, dass er dadurch besser werden wird, wie er es immer tut. Er wird beweisen, dass die Leute falsch liegen und versuchen, den nächsten Schritt auf seiner Reise zu machen." 

Was das Laufspiel angeht, macht Jackson kein anderer Quarterback etwas vor, 2020 war seine zweite Saison in Folge mit mehr als 1.000 Yards. Er kann eine ganze Defense schwindelig laufen. 

"Problematisch" beziehungsweise ausbaufähig war hingegen schon immer sein Passspiel. Und da sprechen wir nicht von den respektlosen "Running-Back-Vorwürfen" aus seiner ersten Saison, als seine Würfe teilweise noch wild und ungenau waren, als er 58 Prozent seiner Pässe zum Mann brachte und sein Rating bei 84,5 lag.

Passspiel verbessert

Inzwischen liegt er bei 64,36 Prozent und 99,3, Jackson warf für 2.757 Yards, 26 Touchdowns und neun Interceptions. Solide also. Er hat sein Passspiel fraglos verbessert. Wohl aber nicht gut genug, um die Ravens 2020 auf ein neues Niveau zu heben, um sie zu einem ernsthaften Super-Bowl-Anwärter zu machen.  

 

Tiefe Pässe von ihm sind noch nicht konstant genug, seine Fußarbeit noch fehlerhaft. Oder um es anders zu sagen: Das Niveau, das man von einem NFL-MVP erwartet, bringt er nicht über eine ganze Saison auf den Rasen. Vor allem dann nicht, wenn es darauf ankommt.

Und das schmerzt Jackson ohne Frage mehr als jede Gehirnerschütterung.

Andreas Reiners

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