Pure Selbstsicherheit: Lamar Jackson von den Baltimore Ravens hat in den ers... - Bildquelle: imago images / Icon SMIPure Selbstsicherheit: Lamar Jackson von den Baltimore Ravens hat in den ersten beiden Spielen überzeugt © imago images / Icon SMI

Baltimore/München - Einen Seitenhieb an die Kritiker konnte sich Lamar Jackson nicht verkneifen. "Nicht schlecht für einen Running Back", sagte er mit einem schelmischen Grinsen, nachdem er in Woche 1 die Miami Dolphins mit fünf Touchdown-Pässen auseinandergenommen hatte.

Nicht erst, seitdem er im Jahre 2018 an Position 32 von den Baltimore Ravens gedraftet wurde, ist er der scharfen Kritik vieler Experten ausgesetzt. Der Vorwurf: Er sei kein echter Quarterback, habe keinen guten Wurf und würde hauptsächlich von seiner Athletik und Schnelligkeit leben.

Ein nicht namentlich genannter College-Coach aus der ACC sagte vor dem Draft gegenüber der "Sports Illustrated": "Er wird keine Chance in der NFL haben. Er kann die Würfe nicht ausführen und keine Coverages lesen." Bill Polian, der ehemalige General Manager der Indianapolis Colts und heutige ESPN-Analyst, schlug sogar vor, Jackson solle zum Wide Receiver umfunktioniert werden.

Jackson: Ich muss zeigen, dass ich ein Quarterback bin

Jackson konnte mit solchen Ideen nur wenig anfangen. "Als die Leute mit dieser Wide-Receiver-Geschichte um die Ecke kamen, dachte ich mir, ich muss diesen Leuten zeigen, dass ich ein Quarterback bin", erzählte er später.

Jackson tat alles, um nicht nur auf seine schnellen Füße reduziert zu werden. Beim NFL Combine und Pro Day verzichtete er daher sogar auf den 40-Yard-Sprint. Die Ravens sahen in ihm das, was er sein wollte: ein potentieller Elite-Passgeber.

Jackson ging zwar als Backup von Joe Flacco in die Saison 2018, bekam aber dennoch seine Einsätze. In Woche 11 wurde er aufgrund einer Verletzung Flaccos zum Starting-Quarterback befördert. Durchweg überzeugen konnte er zunächst nicht.   

Bei seinem ersten Einsatz von Spielbeginn an verbuchte er fast so viele Rushing-Yards (119) wie Passing-Yards (150). Mobilität wird an modernen Quarterbacks zwar hoch geschätzt. Allerdings wird erwartet, dass ein Quarterback erst nach einer Wurfgelegenheit schaut und eher im Notfall selber läuft. Bei Jackson hingegen schien es teilweise so, als hätte er von Anfang an einen Lauf im Sinn.

Sage und schreibe 147 Läufe hatte er in der vergangenen Saison, Jackson kam dabei auf 695 Rushing-Yards. Ein Wert, über den sich manch ein Running Back freuen würde.

Gleichzeitig ließ die Wurfgenauigkeit aber zu wünschen übrig. Jackson brachte in der Saison 2018 nur 58,2 Prozent seiner Pässe an den Mann. In seinem zweiten Spiel als Starting-Quarterback warf er zwei Interceptions. Über die gesamte Saison brachte er nur sechs Touchdown-Pässe zustande. Die öffentliche Skepsis blieb daher an ihm haften.

Das beste Rating der NFL

Doch Jackson ließ sich davon nicht entmutigen. Vielmehr war die Kritik ein zusätzlicher Antrieb für ihn, wie Backup-Quarterback Robert Griffin III glaubt: "Ich denke, daran zeigt sich seine Wettbewerbsfähigkeit am meisten. Wenn die Leute ihm sagen, dass er etwas nicht kann, möchte er das Gegenteil beweisen."

Genau das ist ihm nun gelungen: In den ersten beiden Saisonspielen brachte er 71,9 Prozent seiner Pässe an den Mann, warf sieben Touchdown-Pässe, blieb ohne Interception und kommt auf ein Rating von 145,2 - Bestwert der NFL. Jackson ist zudem der erste Quarterback überhaupt, der im ersten Spiel einer Saison auf ein perfektes Passing-Rating kam.

Allerdings waren die Defensiven der Miami Dolphins und der Arizona Cardinals nicht zwingend ein Gradmesser. Die Kansas City Chiefs, mit denen sich die Ravens am Sonntag (ab 18 Uhr live auf ProSieben MAXX und ran.de) duellieren, sind zwar ebenfalls nicht das Nonplusultra des Defense-Footballs, auf jeden Fall aber eine größere Herausforderung.

Ezeala lobt: Lamar ist krass

Der deutsche NFL-Profi Christopher Ezeala, der im Practice Squad der Ravens steht und bereits vergangene Saison mit Jackson trainiert hat, spricht in den höchsten Tönen von seinem Spielmacher: "Lamar ist krass. Er ist ein guter Typ, ein guter Mensch. Wir wussten schon letzte Saison, dass er irgendwann spielen wird. Ich kenne keinen Athleten, der so ist wie er."

Die Mannschaft steht hinter Jackson. "Weil er ein junger Quarterback ist, brauchte er auch die Unterstützung von uns. So viele haben gesagt, dass er es nicht kann. Dadurch hatte er einen ganz anderen Druck. Aber dieses Jahr wird er richtig gut", versprach Ezeala bereits im Juli - und er behielt recht.  

Auch die lange so kritisch eingestellten Experten haben ihre Meinung korrigiert. NFL-Network-Analyst Daniel Jeremiah sagte zum Beispiel nach dem Sieg über die Dolphins: "Lamar Jackson war beeindruckend. Vor allem zwei Dinge haben mich beim Begutachten des Tapes beeindruckt: seine Genauigkeit bei Würfen außerhalb der Pocket und seine Übersicht." Zwei Aspekte also, die ihm bislang eher als Schwäche ausgelegt wurden.

Das Erfolgsgen ist dem 22-Jährigen nicht abzusprechen. Saisonübergreifend hat er als Starting-Quarterback in der regulären Saison nun eine Bilanz von acht Siegen und einer Niederlage. Laut ESPN gab es in der Ära des Super Bowls insgesamt nur 13 Quarterbacks, die maximal eines ihrer ersten neun Spiele als Starting-Quarterback verloren haben.

"Wettbewerbsfähigkeit steckt in seiner DNA", sagt Ravens Head Coach John Harbaugh. "Er beschäftigt sich nicht so sehr mit den positiven Aspekten. Er beschäftigt sich vielmehr mit den Bereichen, die sich verbessern lassen. Das wissen wir zu schätzen."

Gelingt die Revanche gegen die Chiefs?

Das einzige reguläre Saisonspiel, das Jackson vergangene Saison verlor, war das Auswärtsspiel bei den Kansas City Chiefs. Es geschah also im Arrowhead Stadium, wo er am Sonntag erneut auflaufen wird.

"Ich hasse es, zu verlieren - Punkt", sagt er. "Wir gehen das Spiel mit Zuversicht an und versuchen, mit einem Sieg wieder zurückzukommen. Das ist das Ziel."

Das Ziel eines angesehenen Quarterbacks.

Oliver Jensen

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