Im Jahre 2004 gelangte Larry Fitzgerald in die NFL (kleines Foto). Nun hat e... - Bildquelle: imago images/Icon SMIIm Jahre 2004 gelangte Larry Fitzgerald in die NFL (kleines Foto). Nun hat er verkündet, dass er auch 2020 weiterhin auf dem Spielfeld stehen wird. © imago images/Icon SMI

München/Glendale - Nach der Saison begann das Grübeln. Larry Fitzgerald nahm sich die Zeit, um über seine Zukunft nachzudenken.

"Bitte komm zurück", hatte ihm Head Coach Kliff Kingsbury vorher noch mit auf den Weg gegeben.

Doch letztendlich musste der Wide Receiver in sich selbst hineinhören: Verspürt er noch immer genügend Motivation, um seine 17. NFL-Saison in Angriff zu nehmen? Hat er Lust, sich noch einmal durch die knallharte Saisonvorbereitung zu quälen?

Ist er dazu bereit, all die körperlichen Beschwerden in Kauf zu nehmen, die eine Saison in der NFL zwangsweise mit sich bringen?

Fitzgerald hat all diese Fragen mit einem Ja beantwortet. Per Twitter gab er am Mittwoch bekannt, noch ein Jahr dranzuhängen.

Die Zukunft mit den Cardinals ist vielversprechend

"Diese Saison hat mir mit am meisten Spaß gemacht", schrieb er. "Die Zukunft ist für dieses Team so vielversprechend und ich freue mich über die Gelegenheit, mit diesem talentierten jungen Kern etwas aufzubauen. In Arizona habe ich angefangen und dort wird es auch enden. 2020! Lass uns an die Arbeit gehen."

Was ihn dazu motiviert, mit 36 Jahren weiter das disziplinierte Leben eines Profisportlers zu leben? Es sind nicht die elf Millionen US-Dollar, die er laut "NFL Network" in der kommenden Saison verdienen kann.

Geld besitzt er genug. Rund 175 Millionen US-Dollar hat Fitzgerald in seiner Karriere bisher verdient.

Es sind auch nicht die Hoffnungen auf neue Rekorde sein. Mit seinen 17.083 Receiving-Yards und seinen 1378 Catches steht er in der ewigen Bestenliste jeweils auf Platz 2 hinter Jerry Rice. Und dieser ist mit seinen 22.895 Receiving-Yards und seinen 1549 Catches zumindest allein in der kommenden Spielzeit nicht zu verdrängen.

 

    

Fitzgeralds Motivation ist vielmehr die Freude, die er auf dem Footballfeld empfindet - und zwar mit allem, was dazugehört.

Der einstige Erstrunden-Pick ist keiner, der nur mit spektakulären Fängen glänzen will. Im Gegenteil: Trotz seines Alters ist er sich für keine "Drecksarbeit" zu schade, stellt sich in den Dienst der Mannschaft.

So schulte er vom Wideout auf Slot-Receiver um, als Bruce Arians 2013 neuer Head Coach der Cardinals wurde, obwohl er zu jenem Zeitpunkt zu den besten auf seiner Position zählte.

Der aktuelle Trainer Kingsbury lobt bei Fitzgerald "die kleinen Dinge." Er meint damit "das Blocken und die Härte, die er der Offensive verleiht".

Soziales Engagement statt Touchdown-Tänze

Trotz - oder gerade wegen - der Härte Fitzgeralds Körper ist wie für Football gemacht. Der 1,91 Meter große Athlet blieb in seiner langen Karriere von schweren Verletzungen verschont. In keiner einzigen Saison verpasste er mehr als drei reguläre Saisonspiele.

Beeindruckend: In 13 seiner 16 Spielzeiten hatte er alle Spiele der regulären Saison bestritten.

Fitzgerald ist nicht nur aufgrund seiner sportlichen Erfolge in Arizona eine Legende. Er ist ein Sympathieträger, weil er sich selbst nicht in den Vordergrund stellt.

Er verzichtet darauf, seine Touchdowns mit großen Tänzen zu zelebrieren. Er ist auch niemand, der in den sozialen Medien mit seinem Reichtum protzt.

Stattdessen fällt er durch seine sozialen Aktivitäten auf, setzt sich aktiv gegen Brustkrebs ein, weil seine Mutter früh daran verstarb.    

Fünf Head Coaches, 17 Quarterbacks

Fitzgerald spielte bei den Cardinals mittlerweile unter fünf unterschiedlichen Head Coaches und hat 17 verschiedene Starting-Quarterbacks erlebt.

Der Passempfänger steht für eine Treue, die es im Franchise-System der NFL kaum noch gibt. Ihm glauben Fans, Journalisten und Mitspieler, wenn er sagt: "Ich liebe diese Organisation vom ganzen Herzen."

Das Besondere: Er blieb der Franchise treu, obwohl sportlicher Erfolg eher die Ausnahme als die Regel war.

Fitzgerald gelangte zwar mit Arizona in der Saison 2008 bis in den Super Bowl, in dem er sich den Pittsburgh Steelers geschlagen geben mussten. Meist allerdings erlebte er die Playoffs vom heimischen Sofa aus.

In 16 Jahren NFL erreichte er mit den Cardinals lediglich vier Mal die Playoffs. Insgesamt bekam Arizona in diesem Zeitraum nur fünf Mal eine positive Bilanz zustande.

Doch die Freude, die Fitzgerald an seinem Sport hat, hängt nicht einzig und allein von der Anzahl der Siege ab.

Die Air Raid Offense von Kingsbury  

Bestes Beispiel war die Saison 2019: Obwohl die Arizona Cardinals mit nur fünf Saisonsiegen erneut den letzten Platz in der NFC West belegten, geriet Fitzgerald nach dem letzten Saisonspiel gegen die Los Angeles Rams regelrecht ins Schwärmen.

"Die Atmosphäre, die positive Einstellung - es gibt mehrere Gründe, warum das ein großartiges Jahr war", sagte er.

Ein Grund für seine Euphorie liegt an der Air Raid Offense, die NFL-Trainer-Neuling Kingsbury spielen lässt. Fitzgerald fühlt sich pudelwohl in dem Angriffskonzept. Denn das vom College bekannte Spielsystem ist vor allem eines: spektakulär.

Kingsburys Konzept besticht durch reichlich Bewegung, diverse Routen, interessante Formationen, einige Trickspielzüge und auch viel Mut zum Risiko. Fitzgerald kam in diesem Spielsystem auf 75 Fänge, 804 Receiving-Yards und vier Touchdowns.

Die gesamte Offense hat einen Schritt nach vorne gemacht. Bekam diese 2018 noch die wenigsten Yards aller NFL-Teams zustande, so rangierte sie 2019 immerhin auf Platz 21.

Somit ist es nicht verwunderlich, wenn Fitzgerald sagte: "Ich kann mich nicht erinnern, jemals an einer Saison mit nur fünf Siegen so viel Spaß gehabt zu haben."

Es ist genau jener Spaß, auf den er auch zukünftig nicht verzichten möchte.

Oliver Jensen

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