Damion Willis hat den Platz als Starter im Blick. - Bildquelle: imago images / Icon SMIDamion Willis hat den Platz als Starter im Blick. © imago images / Icon SMI

München – Damion Willis denkt nicht groß nach, zögert keine Sekunde. Er visiert den Ball an, springt hoch und greift fest zu. 

Catch. Wie im richtigen Leben.

Die Chance ergreifen

Denn da wartete der 22-Jährige auch nicht lange, als sich eine Chance bot. Zugreifen statt zurückweichen, nutzen statt nachdenken. 

"Last Chance U" sozusagen.

Die Netflix-Doku war tatsächlich Bestandteil der ungewöhnlichen Reise des Wide Receivers, die ihn zum Start der Regular Season zum Starter bei den Cincinnati Bengals macht. Es ist eine dieser Geschichten, die der Football in den USA schreiben kann.

 

Eine Geschichte, die 2015 auf dem East Mississippi Community College beginnt, wo die Doku damals gedreht wurde. Wer sie schon einmal gesehen hat weiß, dass sie in der Regel im Rahmen einer Staffel bestimmte Charaktere aus dem Team abbildet. Willis gehörte zum Team, spielte aber keine der Hauptrollen.

Nach zwei Saisons auf dem EMCC ging er zur Troy University. Zu dem Zeitpunkt war er bereits abgehärtet: Zweimal war ihm ein Platz auf einem höheren College vor der Nase weggeschnappt worden. "Ich war nicht weich, als ich von der High School kam, aber die Zeit hat mich härter gemacht", sagt Willis. Soll heißen: So, wie es lief, war es nicht einfach, aber für ihn richtig.

Die Rolle des Zufalls

Wer den Handlungsstrang der kleinen Heldengeschichten kennt, der weiß auch: Oft spielt der Zufall eine Rolle, das Glück.

In seinem Senior-Jahr auf der Troy fing er 56 Pässe für 876 Yards und zehn Touchdowns. 17 Mal schnappte er sich Bälle aus mindestens 30 Yards Entfernung. Auch im General Bowl lieferte er, führte die Trojans zu einem 42:32 über Buffalo.

Eine Einladung zum Combine erhielt er allerdings nicht. Beim Draft wollte ihn auch keiner.

In das Notizbuch der Bengals schaffte er es trotzdem, als Scout Mike Potts eigentlich Cornerback Blace Brown beobachtete. Als Draft-Pick kam er nicht in Frage, sollte aber als Undrafted Rookie seine Chance im Camp der Bengals bekommen.

Dabei ging es, wie es sich für einen Rookie gehört, erst einmal um den Sprung ins finale Roster.

Green-Verletzung als weitere Chance

Doch dann die nächste Chance: Starter A.J. Green verletzte sich am Knöchel. Die Receiver hinter ihm kämpften nicht mehr nur um einen Kaderplatz, sondern darum, nicht nur den nächsten, sondern auch den übernächsten Schritt gleich mit zu machen. Sie kämpften plötzlich um Spielzeit.

Willis überzeugte, kam in der Preseason auf neun Catches für 118 Yards und einen Touchdown. Warum hat ihn der neue Head Coach Zac Taylor bereits frühzeitig als Starter verkündet?

Willis zeigt die üblichen Schwankungen eines Rookies im Moment noch nicht. "Er macht die Plays, jedes Mal, wenn wir seine Nummer aufrufen", sagte Taylor, der von Anfang an beeindruckt war: "Er hat sich die ganze Zeit gezeigt."

"Der Junge ist unglaublich"

Receiver-Kollege John Ross lobt ebenfalls: "Der Junge ist unglaublich. Er hat kein Limit, das macht ihn speziell."

Der Hochgelobte kann sein Glück kaum fassen. "Das sind tolle Nachrichten. Das hat mich mein ganzes Leben angetrieben. Das einzige Ziel war, den Sprung ins Roster zu schaffen", sagte Willis: "Ich bin wirklich glücklich. Damit hätte ich nicht gerechnet."

Das weiß auch seine High School, die Southeast Lauderdale. Dort hielt er im Mai eine Rede, als gefeiert wurde, dass sein Trikot als dritter Spieler in der Geschichte der Schule nicht mehr vergeben wird.

Die Message in seiner Rede: Niemals aufgeben, egal wie weit unten man starten muss. 

Oder anders gesagt: Die Chance ergreifen, wenn sie kommt.

Andreas Reiners

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