Nach dem Streik zu den New York Jets: Running Back Le’Veon Bell - Bildquelle: imagoNach dem Streik zu den New York Jets: Running Back Le’Veon Bell © imago

München / New York - "Lets Gooooo" schrieb Le’Veon Bell, als er auf Instagram eine Zeichnung von sich im Trikot der New York Jets postete. Der Running Back unterschrieb laut übereinstimmenden Medienberichte einen Vier-Jahres-Vertrag über insgesamt 52,5 Millionen US-Dollar. "Das Leben ist ein Glücksspiel", schrieb der 27-Jährige dazu.

Bei keinem anderen Spieler trifft dieser Satz mehr zu als bei ihm. Mit seinem Streik in der letzten Saison bei den Pittsburgh Steelers ging Bell praktisch "All In". Hat sich das nun gelohnt oder nicht?

Ein kleiner Rückblick: Bell wurde im Jahre 2013 in der zweiten Runde von den Steelers gedraftet und entwickelte sich zu einem der effektivsten und vielseitigsten Running Backs der NFL. In fünf Spielzeiten kam er auf 5.336 Rushing-Yards und 2.660 Receiving-Yards.

Als sein Rookie-Vertrag ausgelaufen war, der ihm in vier Jahren verhältnismäßig bescheidene 3,9 Millionen Dollar eingebracht hatte, begannen die Vertrags-Streitigkeiten. Zwei Mal in Folge wurde der Running Back, der auf einen langfristigen Mega-Vertrag gehofft hatte, mit dem Franchise Tag gehalten – sehr zum Missfallen des Spielers.  

2017 bestreikte Bell die komplette Saisonvorbereitung, kehrte aber vor dem Saisonstart zur Mannschaft zurück und spielte für 12,1 Millionen Dollar. 2018 hätte er 14,5 Millionen Dollar kassiert. Wie gesagt: hätte. Weil er diesmal die komplette Saison im Streik verbrachte, ging er leer aus.

Bell forderte in Pittsburgh 17 Millionen Dollar

Es ist nicht so, dass die Pittsburgh Steelers ihrem Top-Rusher Bell keinen langfristigen Vertrag bieten wollten. Nach der Saison 2016 soll ihm ein Fünfjahresvertrag über 60 Millionen Dollar angeboten worden sein – zu wenig für Bell.

Im vergangenen Jahr wurden ihm 70 Millionen Dollar für fünf Jahre geboten – wieder zu wenig. Bell forderte mehr, laut NFL-Insider Ian Rapoport sagenhafte 17 Millionen US-Dollar im Jahr.  

Diesen Gehaltswunsch erfüllten nun selbst die New York Jets nicht. 13,25 Millionen Dollar kassiert Bell jetzt durchschnittlich pro Saison. Hätte er im vergangenen Jahr das Vertragsangebot bei den Steelers angenommen, wären es 14 Millionen gewesen.  

Damals hätte er sich noch als bestbezahlter Running Back der NFL schmücken können. Nun kassiert Todd Gurley von den Los Angeles Rams (14,375 Millionen US-Dollar) mehr.

 

Die Entwicklungen in den letzten Monaten haben Bell nicht in die Karten gespielt. Sein Ersatzmann James Conner hat ihn so gut vertreten, dass sich zwangsweise die Frage stellte, ob Bell wirklich so gut ist wie bislang angenommen. Durch den Streik wurde sein Charakter zudem als fragwürdig eingestuft.

Das Beispiel von Gurley und seine ungewisse Zukunft wegen einer eventuell schweren Knieverletzung (ran.de berichtete) war außerdem ein Warnsignal an alle Teambesitzer, nicht zu viel Geld in einen Running Back zu investieren. All das hat den Marktwert von Bell eher nach unten getrieben.

Stolze Garantiesumme für Bell

Auch, dass sein Vertrag angeblich eine Garantie-Summe von 35 Millionen US-Dollar enthält, macht ihn maximal zu einem kleinen Gewinner. Unter den Running Backs hat lediglich Gurley (45 Mio.) mehr Geld sicher, aber schon die Steelers boten ihm seinerzeit rund 33 Millionen Dollar an sicherem Gehalt - das war Bell damals aber noch zu wenig.

Vorausgesetzt Bell hat die Auszeit sportliche nicht geschadet, könnte das Geld aus Sicht der New York Jets gut angelegt sein. Dazu muss man wissen: General Manager Mike Maccagnans nimmt seit der Saison 2017 einen radikalen Umbruch vor.

2017 ist gefühlt alles abgegeben worden, was Rang und Namen hatte. 2018 wurde in Sam Darnold der Quarterback der Zukunft ausgewählt. 2019 soll nun das Jahr sein, in dem um den jungen Passgeber herum ein schlagkräftiges Team aufgebaut wird.

"Wir sind definitiv begeistert von der Idee, starke Spieler um Sam herum aufzustellen. Das wird einer unserer Schwerpunkte in dieser Offseason sein", sagte Maccagnan beim NFL-Combine.

Bell soll die Entwicklung von Sam Darnold unterstützen

Bell wird ein Schlüsselspieler sein. Der dreimalige Pro-Bowl-Spieler soll den jungen Quarterback Darnold entlasten. Alleine die Anwesenheit eines Bell könnte Play-Action-Pässe für Darnold effektiver machen. Zudem ist Bell eine gute Anspielstation.

Auch andere Mannschaftsteile wurden bereits verstärkt, die Offensive Line zum Beispiel durch Kelechi Osemele, die Passempfänger-Unit durch Jamison Crowder. Viele weitere Verpflichtungen dürften folgen. Geld ist reichlich vorhanden.

Ein Teil des Bell-Gehalts lässt sich an anderer Stelle wieder einsparen. Experten gehen davon aus, dass die Jets bis Freitag ihren derzeitigen Running Back Isaiah Crowell freistellen werden, da dieser ansonsten zwei seiner vier Millionen US-Dollar Gehalt für 2019 garantiert hätte. Mit einer Freistellung würden die Jets drei Millionen Dollar an Cap-Space sparen.

Vor einem Jahr noch über die Jets gespottet

Fragwürdig erscheint allerdings weiterhin die Mentalität von Bell. Ist er wirklich voll motiviert, mit den Jets etwas aufzubauen? Oder will er in New York einfach nur dick abkassieren?

Dazu eine kleine Anekdote: Als ihm vor einem Jahr per Twitter ein Fan spaßeshalber anbot, für 60 Millionen Dollar zu den Jets zu wechseln, antwortete Bell laut ESPN: "Das ist nicht genug, um zu den Jets zu gehen."

Nun geht er doch dorthin – und zwar für weniger Geld.

Oliver Jensen

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