Le'Veon Bell und die New York Jets gehen getrennte Wege - Bildquelle: imago images/ZUMA PressLe'Veon Bell und die New York Jets gehen getrennte Wege © imago images/ZUMA Press

München – Ein Like auf Twitter kann Millionen-Deals zum Einsturz bringen. So geschehen in der Nacht auf Montag, als NFL-Star Le’Veon Bell Tweets mit Herzchen bedachte, die einen Trade des Running Backs forderten.

"Ich hasse es, dass wir das auf diese Weise regeln, anstatt dass man einfach mit mir spricht, aber so wollen das die Jungs heutzutage anscheinend", ärgerte sich Head Coach Adam Gase von den New York Jets am Montag noch. Was folgte, war dann tatsächlich eine Aussprache unter Bell, Gase und General Manager Joe Douglas. Das Resultat: In der Nacht auf Mittwoch trennten sich die Jets von Bell. Nach nicht einmal der Hälfte des 2019 ausgehandelten Vierjahresvertrags über 52,5 Millionen Dollar fällt der Vorhang für das ebenso teure wie skurrile Schauspiel Le’Veon Bell in New York. Eine Zusammenarbeit, an deren Ende es nur Verlierer gibt.

 

Le'Veon Bell: Schwache Zahlen bei den New York Jets

Da wäre zum einen Bell selbst. Der inzwischen 28-Jährige hat nach seinem unrühmlichen Abgang von den Pittsburgh Steelers inklusive Streik, missglücktem Vertragspoker und der komplett ausgesessenen Saison 2018 seinen Marktwert bei den Jets weiter geschrumpft.

3,27 Yards pro Carry für die Jets sind ein Wert am unteren Ende der NFL-Rusher. Ein Carry über 20 oder mehr Yards? Fehlanzeige! In keinem einzigen Spiel knackte Bell die 100 Rushing Yards. Insgesamt stehen gerade einmal vier Touchdowns für ihn in 17 Spielen für die Jets zu Buche. Aber nicht nur die Zahlen sprechen gegen ihn.

Bells Zeit in New York lässt auch an seiner Einstellung zweifeln. "Irgendwie wurde ich in meinem Kopf zu selbstgefällig", gab Bell selbst nach seiner ersten Saison bei den Jets zu. Zudem schleppte er 2019 gut fünf Kilo zu viel mit sich über den Platz. Gift für seinen Spielstil des forcierten Tempowechsels und Abwartens der perfekten Lücke.

Dazu kommt, dass Bell zuletzt auch Verletzungssorgen plagten. In dieser Saison kam er erst auf zwei Einsätze, weil er wegen einer Oberschenkelverletzung auf der Injured Reserve List stand.

New York Jets: Bell als Sinnbild des verpatzten Rebuilds

Nun ist Bell also wieder Free Agent, und wohl nie standen seine NFL-Aktien schlechter als jetzt. Zwar dürfte sich ein neues Team für ihn finden, doch viel mehr als das im CBA vorgeschriebene Mindestgehalt dürfte zumindest in dieser Saison nicht mehr herausspringen. Immerhin: Als Trostpflaster stehen Bell noch weitere sechs Millionen Dollar garantierte Zahlungen der Jets zu.

Überhaupt, die Jets: Sie müssen Bell als gescheitertes Wagnis abschreiben. Nicht einmal ein Trade-Partner war für den dreimaligen Pro Bowler aufzutreiben. So steht Bell nicht etwa als sinnbildlicher Eckpfeiler eines Rebuilds, sondern als weiteres Beispiel eines Stars, dessen Potenzial unter Head Coach Adam Gase verpufft ist.

Wird Bell zum Stolperstein für Adam Gase?

Bells gute Hände als Passempfänger spielten in der Jets-Offense überhaupt keine Rolle. Gemeinsam mit Jamal Adams, Leonard Williams, Darron Lee und Robby Anderson steht Bell nun in einer prominent besetzten Liste von Spielern, die ihre Zukunft nicht bei Gase und seinen Jets sahen – beim Blick auf die derzeitige 0-5-Bilanz der Gang Green nicht die schlechteste Entscheidung.

Gut möglich, dass Bell so auch für Gase der eine missglückte Versuch zu viel ist. Der Druck auf den 42-Jährigen war schon vor der Trennung von seinem nächsten Superstar immens.

Bell selbst sieht sich indes weiter in der NFL und nimmt sein nächstes Ziel ins Visier – natürlich via Twitter. "Ich habe eine Menge zu beweisen. Ich bin bereit", schrieb er dort in der Nacht auf Mittwoch.

Martin Jahns

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