Dolphins-Legende John Denney. - Bildquelle: imago/ZUMA PressDolphins-Legende John Denney. © imago/ZUMA Press

München/Miami - Die Aussage, dass Long Snapper in der NFL im Schatten der Superstars stehen, ist im Grunde eine glatte Untertreibung. Denn ihn nimmt eigentlich kaum ein Fan wahr, als Special Teamer ist seine Rolle wenig glamourös, die Aufgabe unspektakulär: Er befördert den Ball durch seine Beine zu einem Mitspieler.

Heißt: Ob nun Field Goals, PAT-Versuche oder Punts – die Auftritte eines Long Snappers sind auch quantitativ überschaubar. Anonym und langweilig.

John Denney ist das ziemlich egal. Er kann davon und damit ganz gut leben. Und das in seinem inzwischen 14. Jahr für die Miami Dolphins. Ein Urgestein, das außerhalb von Miami kaum jemand kennt. Eine Legende aus der zweiten, nein, eher aus der dritten Reihe.

Erstes Gehalt: 230.000 Dollar

Die dritte Reihe macht sich auch auf dem Konto bemerkbar. Sein erstes Gehalt 2005 als Undrafted Free Agent: 230.000 Dollar. Moderate Gehaltserhöhungen machen ihn erst zehn Jahre später zum Gehalts-Millionär, streicht 2015 rund 1,06 Millionen ein. 2018 sind es 1,015 Millionen.

 

In 14 Jahren Dolphins kommt er so auf knapp über zehn Millionen Dollar Gehalt. Sicher nicht übel, für die NFL aber eine eher mickrige Ausbeute. Zum Vergleich: Dolphins-Quarterback Ryan Tannehill kommt in sieben Saisons auf rund 67,5 Millionen.

Ein weiterer Nachteil, den die Position mit sich bringt: der Druck ist besonders. Man nimmt einen Long Snapper in der Regel erst dann wahr, wenn er einen Fehler macht. Er muss fokussiert sein. Akkurat. Immer. Auf den Punkt. Special Teams Coordinator Darren Rizzi kann sich aus neun Jahren Zusammenarbeit nur an einen einzigen erinnern.

"Bei einem Field Goal gab es einmal Konfusion. Holder Brandon Fields hat nicht geschaut, John hat ihn im Visier getroffen", erzählt Rizzi: "Das ich so lange darüber nachdenken muss, bis ich mich an einen Fehler erinnere, spricht nur für ihn."

Unfassbar fit

Womit Denney noch beeindruckt: Mit seiner körperlichen Verfassung, denn immerhin wird er im Dezember 40 Jahre alt. Ja, es gibt auch angenehme Nebeneffekte der Position: Die Trainingseinheiten sind, sagen wir, entspannter als beim Rest. Was aber nicht bedeutet, dass sich Denney die Sonne Floridas auf den Kopf scheinen lässt. Der Mann ist fit. Sehr fit.

"Der Kerl ist in einer unfassbaren körperlichen Verfassung. Er ist der ultimative Profi", sagt Head Coach Adam Gase. Er ist der siebte von insgesamt zwölf Head Coaches, neben Nick Saban, Cam Cameron, Tony Sparano, Todd Bowles, Joe Philbin und Dan Campbell, die Denney erlebt. Als er anfängt, ist George W. Bush noch US-Präsident.

"Es war ein Ritt"

"Es war ein Ritt, das ist mal sicher. Ich hätte damals nie gedacht, dass ich 14 Jahre später immer noch hier sein würde, am gleichen Platz. Ich habe im Lotto gewonnen", sagt Denney. Und seinen Platz in den Geschichtsbüchern der Franchise.

209 Spiele hat er inzwischen absolviert. In Serie. So viele wie kein anderer noch aktiver Spieler. So viele wie kein anderer vor ihm bei den Dolphins. Keine einzige Partie verpasst der zweimalige Pro Bowler. Setzt sich immer wieder aufs Neue gegen Konkurrenten durch, die ihm vor die Nase gesetzt werden. Der ewige Denney. Nicht nur in der Franchise, sondern auch auf dem Platz. Den Rekord auf seiner Position hält Ethan Albright mit 224 Spielen hintereinander. 15 Saisonspiele stehen noch an.

Die Denney-Serie drohte in Week 2 gegen die New York Jets wegen einer Schulterverletzung zu reißen, der Rekord wäre futsch gewesen. Doch offenbar kann der Long Snapper doch spielen.

Ein großes Thema ist das in den USA aktuell aber so oder so nicht. Denn klar: Als Long Snapper steht man eben im Schatten der Superstars.

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