Russell Wilson wünscht sich mehr Freiheiten - Bildquelle: 2020 Getty ImagesRussell Wilson wünscht sich mehr Freiheiten © 2020 Getty Images

München - Dass der 69-jährige Pete Carroll nach 36 Jahren als Coach in der NFL nochmal grundlegend seinen Coaching-Stil umstellt, ist sicherlich fraglich. Geht es allerdings nach seinem Quarterback Russell Wilson, soll die Offense der Seattle Seahawks einen neuen Anstrich bekommen. 

 

Der Superstar soll nämlich von seinem Team gefordert haben, in engen Situationen weniger auf das Laufspiel und Clock-Management zu setzen, sondern aggressiver zu sein und früher damit anzufangen, Druck auf die gegnerische Defense auszuüben. Das berichtet "NBC Sports".

Damit spricht er den Fans aus der Seele: Schon länger macht der Hashtag "Let Russ cook" die Runde. Die Seahawks sollen vermehrt auf ihren Signal-Caller vertrauen, ihm mehr Freiheiten geben und ihn sein ganzes Arm-Talent ausschöpfen lassen. 

Russell Wilson setzt Seahawks angeblich die Pistole auf die Brust

NFL-Insider Mike Florio behauptete vor dem Spiel gegen die Atlanta Falcons bei "NBC", dass Wilson seiner Franchise sogar die Pistole auf die Brust gedrückt haben soll: "Wenn die Seahawks nicht anfangen, ihn sein Ding machen zu lassen, können sie damit anfangen, seinen Abschiedskuchen zu backen." 

Und siehe da: Wilson hat seinen Willen bekommen und lieferte zum Saisonauftakt ordentlich ab: 31 seiner 35 Pass-Versuche kamen für 322 Yards und vier Touchdowns an. Das ergibt ein überragendes Passer-Rating von 143,1. 

Ein perfektes Beispiel dafür, wie die neue offensive Philosophie der Seahawks aussehen soll, lieferte "Russ" gleich mit: Anfang des dritten Viertels gingen die Seahawks ins Risiko, spielten ein viertes Down für fünf Yards aus und ließen ihren Superstar sein Ding machen. 

Der bedankte sich knapp hinter der 40-Yard-Linie mit einem tiefen Pass auf Receiver D.K. Metcalf, der das Ei fing und in die Endzone zum Touchdown trug. Die Seahawks beendeten das dritte Viertel mit 14:0 und stellten so die Weichen für den 38:25-Sieg gegen die Falcons. 

Wilson und die Fans haben also einen Punkt, wenn sie sagen, dass die Offense der Seahawks nicht immer bis ins vierte Viertel damit warten solle, die Defense des Gegners unter Druck zu setzen.

Pete Carroll will trotzdem nicht auf sein Rushing Game verzichten

Und Pete Carroll? Der zeigte sich begeistert von seinem Quarterback: "Russ hatte das Spiel großartig unter Kontrolle. Was die Würfe angeht, kann man kaum einen besseren Tag haben." 

Das gilt jedoch nicht für seine Running Backs. Durch die vielen Würfe, die Wilson nehmen durfte, kamen Carlos Hyde und Chris Carson etwas zu kurz. Zusammen kommen sie auf 13 Carries und 44 Yards. Für Carroll, trotz des Sieges, zu wenig.

"Wir hatten 20 Läufe. Wir wollen unseren Jungs generell mehr geben. Wenn bei Russ jeder Pass ankommt, lassen wir ihn weitermachen. Aber wir lieben es, mit dem Ball zu laufen, das haben wir immer schon getan und die Jungs werden wieder mehr Carries kriegen."

Es klingt also vorerst nicht so, dass Carroll auch in Zukunft vermehrt den Ball werfen will. Vielleicht schaffen es die Seahawks ja, beide Philosophien zu vereinen. Wilson darf in engen Situationen öfters in Risiko gehen und die Running Backs kriegen ihre Carries. 

Dass Pete Carroll seine Philosophie im Alter von 69 Jahren grundlegend ändert, ist nämlich vorerst nicht abzusehen. 

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