Guter Kollege, schlechter Kollege: Antonio Brown (M.) spricht im Interview a... - Bildquelle: Getty ImagesGuter Kollege, schlechter Kollege: Antonio Brown (M.) spricht im Interview auch über Ben Roethlisberger (r.) und JuJu Smith-Schuster © Getty Images

Pittsburgh/München - Es ist gerade mal ein Jahr her, dass sich Antonio Brown regelrecht von den Pittsburgh Steelers weggeekelt hat. Damals wollte der Star-Receiver das Team, das ihn 2010 in der sechsten Draft-Runde gezogen hat, um jeden Preis verlassen. Und drängte eben auf einen Trade.

Mittlerweile ist klar: "AB" ist der große Verlierer dieser Schlammschlacht samt Scheidung nach neun Jahren. Denn nachdem er im September zunächst von den Oakland Raiders und dann auch von den New England Patriots entlassen wurde, steht der Star-Receiver vor einem Scherbenhaufen.

 

Brown ist Steelers "für immer dankbar"

Nun gibt er sich in einem Interview für den Radiosender "93.7 The Fan" in Pittsburgh geläutert. Darin entschuldigt sich der siebenmalige Pro Bowler bei den Pittsburgh Steelers und explizit einigen der wichtigsten Weggefährten um Besitzer Art Rooney II: "Ich bin Mr. Rooney, Mike Tomlin, Kevin Colbert, Ben Roethlisberger für immer dankbar und stehe in ihrer Schuld."

Er habe mit der Franchise "viele wunderschöne Momente, viele positive Dinge" erlebt, sich jedoch "von meinen Emotionen leiten lassen, als sich alles schlecht entwickelt hat". So sah er nach der Saison 2018 "die Zeit gekommen, um zu gehen und etwas Positiveres zu machen. Ich war aufgelöst und frustriert."

Browns Vorwurf: Fokussierung auf das Wichtige fehlt

Zugleich kritisiert Brown die Einstellung einiger Teamkollegen - ohne diese explizit zu nennen. Ihm selbst sei wichtig gewesen, Titel zu gewinnen.

"Aber es gab zu viele Dinge, die einzelnen zu wichtig waren, also haben wir uns nicht wirklich auf die große Sache fokussiert: den Super Bowl zu gewinnen", schimpft der 31-Jährige: "Einige Jungs im Team waren nicht bereit, sich zu quälen, um das zu erreichen, was wirklich wichtig ist."

Roethlisberger sei ein "ein großartiger Quarterback"

Roethlisberger, der die Franchise bereits zu zwei Championships geführt hat, zählt er trotz der öffentlich ausgetragenen Differenzen nicht dazu. "Hasse ich Ben? Nein. Liebe ich Ben? Ja. Er ist ein großartiger Junge, eine großartige Person, ein großartiger Quarterback. Trotz all dieser Frustration hätten wir uns zusammenreißen sollen", spricht Brown ehrfurchtsvoll über "Big Ben".

Doch die Situation habe sich nun verändert: "Wir haben uns wirklich gut verstanden, aber ich denke, es ist zu viel passiert, so dass es zu spät ist." Deutlich schlechter kommt sein potenzieller Nachfolger im Steelers-Team weg.

Brown fordert Respekt von Smith-Schuster

"Ich habe nichts gegen JuJu Smith-Schuster. Warum sollte ich?", leitet "AB" die Personalie noch versöhnlich ein, spricht dann aber von oben herab über den 23-Jährigen: "Ich bin da, wo er gern hinmöchte. In der Position, die er anstrebt. Ich möchte die Leute einfach nur ermutigen und ihnen zeigen, dass es darum geht, mich zu respektieren."

Gerade die forsche Art des Second Rounder aus dem Draft 2017 missfällt Brown: "Diese jungen Leute haben niemanden, der ihnen die Wahrheit sagt. JuJu Smith-Schuster läuft hier mit seinen 500 Yards herum, und alle reden, als bedeute das die Welt."

Dabei hätten die Steelers die Playoffs erneut verpasst - worin das große Problem des Klubs liege. Was Brown, der sich selbst auch gern über Social Media an die Öffentlichkeit wendet, zu einem weiteren Seitenhieb gegen die Generation Smith-Schuster verleitet: "Wir gehen lieber auf Instagram, wo jeder versucht cool zu sein und niemand Respekt zeigt."

Brown spricht mit Therapeut

Völlig emotionslos kann der Top-Passempfänger des vergangenen Jahrzehnts die Liga offensichtlich nicht verfolgen. Und abgeschlossen hat Brown mit der NFL ohnehin noch nicht.

Aktuell gehe es nach diversen Vorfällen mit Polizeieinsatz, Anklagen und der Trennung von seinem Berater Drew Rosenhaus aber darum, wieder in die Spur zu finden. Darum scheint sich Brown zu bemühen: "Ich habe mit meinem Therapeuten gesprochen. Mit Menschen, die keine Agenda haben, die mir erlauben, meine Gefühle auszudrücken und mir zuhören ohne mir zu erzählen, was sie damit erreichen wollen."

Brown entschuldigt sich nicht für Fehler in Privatleben

Wegen seines aufsehenerregenden Privatlebens, das immer mehr Züge einer Soap annimmt, wolle er sich jedoch nicht entschuldigen: "Ich bin in einige unglückliche Situationen hineingeraten, aber jeder der da durchgeht, wächst daran."

Das will nun auch Brown beweisen. Das Interview soll der NFL wohl zeigen: Ich bin noch da. Und irgendwann auch wieder bereit, in der NFL mitzumischen. Wann das sein wird? Das steht noch in den Sternen - oder wie es der neue "Bad Boy" ausdrückt: "Ich weiß nicht, wie es weitergehen wird. Mich interessiert immer nur der aktuelle Tag."

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