Mekhi Becton wurde von den New York Jets im Draft an elfter Stelle ausgewähl... - Bildquelle: 2020 Getty ImagesMekhi Becton wurde von den New York Jets im Draft an elfter Stelle ausgewählt. © 2020 Getty Images

München/New York - Der mächtige Eindruck reichte dann doch nicht. Die NFL-Teams haben darauf verzichtet, Jerome Becton zu verpflichten. 

Schade eigentlich.

Denn er hatte beim Draft imponiert, die Schlagzeilen bestimmt. "Vergesst Mekhi Becton, kann jemand seinen Vater draften? Der Kerl ist ein Gerät", hieß es auf Twitter: "Kann sich jemand vorstellen so groß wie Mekhi zu sein und trotzdem zu wissen, dass dein Vater dir den Hintern versohlen kann?"

Natürlich alles mit einem Augenzwinkern. Jerome Becton ist eine imposante Erscheinung, was etwas heißt, wenn der Sohn mit im Raum ist.

Nicht nur Masse, sondern Power

Man hat also sofort gesehen, von wem Becton Junior sein Volumen hat. Der Offensive Tackle bringt bei zwei Metern Körpergröße 165 Kilogramm auf die Waage. Nicht nur Masse, sondern geballte Power, wie er beim Combine bewies, als er beim 40 Yard Dash in einer Zeit von 5,10 Sekunden die Anwesenden schockte. 

 

Es war freilich nicht das einzige Argument, warum ihn die New York Jets an elfter Stelle ausgewählt haben. Becton hat sich auf dem College zu einem Spieler entwickelt, bei dem alle Experten davon ausgehen, dass er sich auf Anhieb den Starter-Job sichert. 

Er bietet den Jets alle Optionen, ob nun bei der Pass Protection oder als Run Blocker. Coaches lecken sich in der Regel die Finger danach, mit solchen Rohdiamanten zu arbeiten und sie auf den nächsten Schritt vorzubereiten. 

Dabei hatte Becton wie im Grunde alle Talente mit den Holprigkeiten einer jungen Karriere zu kämpfen. Bei Becton war es auf der High School zum Beispiel die Sorge, seinen Gegner durch seine pure Kraft zu verletzen, sein Spitzname damals: der weiche Riese.

"Das hatte er immer im Hinterkopf", erinnert sich sein Vater. Irgendwann machte es Klick, und Becton lernte, wie er seine körperlichen Vorzüge effektiv einsetzte. 

Er lernte auch auf die harte Tour, mit Niederlagen umzugehen. Nach einer starken Freshman-Saison 2017 war die Saison bei den Louisville Cardinals – das College, das er aus 31 Angeboten auswählte – ein Desaster. Die 2-10-Bilanz machte Becton zu schaffen, vor allem, weil er mit zwei State Championships auf der High School erfolgsverwöhnt war.

Erst ein Stück Kohle

"Ich sagte: 'Wenn du in die Liga gehst, hast du vielleicht eine Mannschaft, die 0-16 abschneidet. Was wirst du dann tun? Du musst es hinnehmen und weitermachen. Ich sage ihm immer, dass ein Diamant zuerst ein Stück Kohle ist", erzählt sein Vater, der als Halbprofi in der Arena Football League gespielt hat.

"Ich war wirklich gestresst und musste nur lernen, mich nicht davon abhalten zu lassen", sagte Becton.

Wer ihm ebenfalls hilft: Seine vor zehn Jahren verstorbene Oma. Ihr hatte er versprochen, es in die NFL zu schaffen. "Jedes Mal, wenn ich das Gefühl habe, aufhören oder müde werden zu wollen, denke ich nur an sie und es sorgt dafür, dass ich noch härter arbeite", sagte Becton. 

Auch bei Entscheidungen, dass er auf sein Senior-Jahr verzichtet und in den Draft geht, denkt er an seine Großmutter.

Sam Darnold weiß noch nicht so viel über seinen neuen Leibwächter, über den Mann, der sich um seine "Blindside" kümmern soll. Klar: Durch die Coronavirus-Pandemie dauert es noch etwas, bis er Becton näher kennenlernen kann.

Wobei: Eine Sache ist auch bis zum Quarterback der New York Jets durchgedrungen.

Klar: Der Papa.

Darnold ist glücklich

"Ich bin sehr, sehr glücklich mit dem Pick. Ich weiß, dass viele Leute sehen wollen, dass sein Vater für uns auch als Defensive Tackle spielt, das hat Schlagzeilen gemacht", scherzte Darnold: "Im Ernst, ich bin sehr glücklich, dass wir ihn im Kader haben."

Becton kann es nicht erwarten, loszulegen. "Ich möchte als Rookie Starter werden und die Playoffs erreichen", sagte der 21-Jährige.

Vergleichsweise bescheiden. Das erste Ziel sollte er problemlos erreichen, die Playoffs werden schon schwieriger mit einer Franchise, die seit 2011 regelmäßig die Postseason verpasst. 

 

Er gehört zu den Hoffnungsträgern, dass es 2020 endlich wieder klappt. Auch wenn Corona und die aktuellen Maßnahmen dafür sorgen, dass es die Rookies in diesem Jahr schwerer haben werden, sich einzugewöhnen, an die ganzen Abläufe, das Umfeld, die NFL-Welt. Denn viel hängt bei Offensive Linemen von der Chemie ab, vom Vertrauen, dass man zusammenpasst, dass alles reibungslos funktioniert.

Zeit ist das, was NFL-Neulinge am meisten benötigen. Zeit ist aber auch das, was sie wegen des Virus nicht in dem Maße haben werden wie sonst.

Becton verspürt aber "überhaupt keinen Druck. Ich werde den Quarterback beschützen müssen, egal wer da steht. Aber es wird Spaß machen. Ich kann es kaum erwarten, ihn zu beschützen."

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