Wurde aus dem halben Ruhestand geholt: Matt Moore. - Bildquelle: 2019 Getty ImagesWurde aus dem halben Ruhestand geholt: Matt Moore. © 2019 Getty Images

München – Matt Moore hat das alles hinter sich gelassen. Ein Jahr ist er jetzt schon raus, die NFL ist weit weg. Ein Job als Starter sowieso. Seine neue Berufung ist eine Zeitreise: Er ist Assistenztrainer an seiner alten High School. Parallel ist er Scout für die Miami Dolphins.

Den Nachwuchs im Blick

Wenn es eine bildliche Beschreibung für "die Karriere ausklingen lassen" geben müsste, es wäre wohl eine Rückkehr dorthin, wo alles begann, um dem Nachwuchs auf die Sprünge zu helfen. Nicht die große Glitzer-College-Welt, sondern die Hart High, Santa Clarita, Kalifornien. 

Quasi-Ruhestand.

 

Wohl auch deshalb hat Moore ein schlechtes Gewissen, als plötzlich die Kansas City Chiefs anrufen. Eine unverhoffte Comeback-Chance.  

Chad Henne hatte sich in der Preseason verletzt. Moore bespricht sich mit seiner Familie, sagt dann den Chiefs zu und beendet sein Engagement als Trainer per SMS.

"Warum nicht persönlich?", fragt Head Coach Mike Herrington.

"Ich hatte mir Sorgen gemacht, es dir zu sagen", sagte Moore. Dabei ist seine frühere High School Feuer und Flamme. "Er kann jederzeit zurückkommen. Ich hoffe aber, er kommt diese Saison nicht zurück", so Herrington.

Nicht in Form

Man muss dazu sagen: In Form war Moore nicht wirklich, als er zu den Chiefs ging. Sein letztes NFL-Spiel zu dem Zeitpunkt: 26. November 2017 für die Miami Dolphins, er war also fast zwei Jahre ohne Spielpraxis.

"Keine Sorge, wir bekommen dich fit", sagte Chiefs-Coach Andy Reid.

Gesagt, getan. Als sich Patrick Mahomes in Week 7 gegen die Denver Broncos im ersten Viertel am Knie verletzte, feierte Moore tatsächlich auch sein "richtiges" Comeback. 

Der 35-Jährige ist ein typischer Backup. In den elf Saisons zuvor, von 2007 bis 2017, kam er für die Carolina Panthers und die Dolphins auf 49 Spiele, 30 als Starter mit einer 15-15-Bilanz. Für Aufsehen sorgte er 2017, als er von Steelers-Linebacker Bud Dupree bei einem Mega-Hit mächtig einstecken musste. Eine Studie kam später zu dem Ergebnis, dass sein Gehirn 87,4 G ausgesetzt war, was das fast 90-fache seines Körpergewichts ist. Zum Vergleich: In Achterbahnen sind bis zu 6 G möglich. 

"Er hat einige Jahre abgeliefert", sagte Reid. "Es war immer in der Situation, in der die Leute darüber diskutierten, ob er oder ob der andere der Starter sein sollte. Man hat seine Fähigkeit gesehen, als Starter zu gewinnen."

Ordentliches Comeback

Bedenkt man die lange Pause, legte er ein sehr ordentliches Comeback hin. Er kam auf 117 Yards und einen Touchdown und ein Rating von 89.1. Er begann holprig, steigerte sich und fühlte sich mit zunehmender Spielzeit sichtlich wohler. 

Das Highlight: Ein Pass auf Tyreek Hill für einen 57-Yard-Touchdown. Hill war einer der wenigen Spieler, die schon mal Bälle von Moore gefangen haben: Als der Receiver nach seiner Verletzung an seiner Rückkehr arbeitete. Für Tight End Travis Kelce zum Beispiel war es das erste Mal mit Moore. „Wir sind rausgegangen, haben innerhalb der Regeln der Offense gespielt und ihm vertraut, dass er den Ball irgendwo hin werfen kann.

Konnte er. Kann er wahrscheinlich auch noch ein, zweimal, bis Mahomes wieder zurückkehrt. Bis jetzt haben die Chiefs keinen neuen Backup verpflichtet.

Eiswasser in den Adern

"Er hat Eiswasser in seinen Adern", sagte Reid: "Er ist nicht ängstlich. Es gibt keine Panik. Er sagt: 'Alles gut. Sag den Spielzug an und lass uns loslegen.'"

Ein bisschen Rost muss noch runter, dann sollte Moore in Week 8 mit ein bisschen mehr Training als Starter bereit sein für das Topspiel gegen die Green Bay Packers.

 

"Ich habe schon einmal in dieser Liga gespielt", sagte Moore. "Genau wie jeder hatte ich in meiner Karriere meine Höhen und Tiefen. Es war ein wildes halbes Jahr. Du musst nur nach vorne schauen."

Das macht er. Zu verlieren hat er sowieso nichts. Schließlich wartet in Santa Clarita die Hart High School. Und der Ruhestand.

Andreas Reiners

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