Musste als zweiter Head Coach mit Super-Bowl-Titel während einer Saison sein... - Bildquelle: imagoMusste als zweiter Head Coach mit Super-Bowl-Titel während einer Saison seine Koffer packen: Mike McCarthy wurde im Dezember von den Green Bay Packers gefeuert © imago

Green Bay/München - Vier Monate lang hat er geschwiegen. Sich aus der Öffentlichkeit weitestgehend zurückgezogen. Nun spricht Mike McCarthy im "ESPN"-Interview erstmals über seine Entlassung und die Umstände seines Abschieds von den Green Bay Packers.

Am Abend des 2. Dezember - kurz nach dem 17:20 gegen die Arizona Cardinals - war dem langjährigen Erfolgscoach der Stuhl vor die Tür gestellt worden. Obwohl McCarthy "The Pack" in 13 Jahren neunmal in die Playoffs geführt und die Saison 2010 sogar mit dem Super-Bowl-Sieg abgeschlossen hatte.

McCarthy über Gespräch mit Klubboss Murphy

Das aber half ihm an jenem Dezemberabend in Lambeau Field nicht mehr. Rückblickend sagt McCarthy über sein Aus: "Das hätte nicht schlechter gehandhabt werden können." Denn er sei nach der Pressekonferenz mit dem Kopf noch beim Spiel und den verschwindend geringen Playoff-Chancen gewesen, als ihn ein Teammitarbeiter zur Seite genommen habe.

"Mir wurde gesagt, Mike Murphy (Klub-Präsident, d. Red.) wolle mich sehen - der Nachrichtenüberbringer war sehr distanziert", erinnert sich McCarthy. Das anschließende Gespräch hängt ihm noch nach: "Mark sagte, es sei eine schlimme Niederlage gewesen und Zeit für eine Veränderung. Er sagte dann noch etwas über die Offense und die Special Teams und dass er nicht an eine Besserung glaube. Und das alles so emotionslos. Das war hart."

McCarthy über Reaktion seiner Frau und 500 Textnachrichten

Auch das Wiedersehen mit seiner Frau nach der bitteren Nachricht ist ihm noch allgegenwärtig: "Sie sagte mir: 'Versteh' mich nicht falsch, aber ich bin erleichtert.' Ich schaute sie an und sie ergänzte: 'In den vergangenen zwei oder drei Jahren warst du körperlich und mental hier nicht anwesend. (…) Ich weiß, dass du mit den Entwicklungen dort nicht glücklich warst und das alles hat dich sehr mitgenommen. Es war schwierig, das mitzuerleben.'"

Zuspruch bekam er aber auch von vielen anderen Seiten: "Als wir den Super Bowl gewannen, habe ich gut 200 Textnachrichten bekommen. In dieser Woche waren es mehr als 500. (…) Sie kamen von früheren oder aktuellen Spielern, Konkurrenten, Besitzern anderer NFL-Teams, Politikern, Medienangestellten, Jungs, mit denen ich niemals vorher gesprochen hatte. Das hat mich umgehauen und tut es noch immer."

McCarthy über den Zeitpunkt

Grundsätzlich kann McCarthy die Entscheidung der Packers nachvollziehen, getrennte Wege gehen zu wollen. Nur die Plötzlichkeit, mit der er vor die Tür gesetzt wurde, erschütterte ihn: "Hätten wir die Playoffs verpasst, hätte ich mit einer Veränderung gerechnet. Aber der Zeitpunkt hat mich total überrascht. Ich war wirklich perplex. Aber mit der Zeit habe ich das alles reflektieren können. Und mir ist mittlerweile klar geworden, dass beide Teams einen Wechsel brauchten."

McCarthy über Zusammenspiel mit Rodgers

Welche Rolle Aaron Rodgers bei McCarthys Abschied spielte, ist eine der großen Mysterien rund um das Team. Der Head Coach will aber keine dreckige Wäsche waschen: "Wenn ich über unsere Beziehung spreche, geht es um die ganzen 13 Jahre. (…) Es war ein Privileg, seine Entwicklung zu verfolgen und ihn zahlreiche großartige Dinge auf und abseits des Feldes machen zu sehen. Zu glauben, man könnte so lange zusammenarbeiten ohne dass es zu Frustrationen kommt, ist unrealistisch."

Dabei betont er aber auch, dass der Star-Quarterback in viele wichtige Entscheidungen eingebunden wurde: "Aaron war involviert, wenn wir Woche für Woche den Game-Plan erstellt oder von Jahr zu Jahr an unseren Spielzügen gefeilt haben. Ich habe ihm mehr anvertraut und ihm mehr Macht verliehen als jedem anderen Quarterback in meiner Karriere, gerade an der Line of Scrimmage."

McCarthy über seine Weiterbildung und die Zukunft

Seine Zukunft sieht McCarthy weiterhin in der NFL: "Ich konzentriere mich darauf, mich als Coach weiterzuentwickeln. Ich verfolge einen Plan, um bestens vorbereitet zu sein, sollte ich - mit Gottes Wille - nächstes Jahr wieder einsteigen können."

Aktuell bildet er sich mit Unterstützung einer Agentur weiter. Über das sogenannte "The McCarthy Project" sagt der 55-Jährige: "Das gibt mir an der Seite mehrerer Coaches die Möglichkeit, mich in die Videorecherche, die Daten und die Analysen zu vertiefen. Es geht darum, die Grundlagen zu erarbeiten, Trends zu studieren und alte Playbooks zu aktualisieren."

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