Die Miami Dolphins wählten Tua Tagovailoa 2020 an der 6. Stelle des Drafts a... - Bildquelle: 2020 Getty ImagesDie Miami Dolphins wählten Tua Tagovailoa 2020 an der 6. Stelle des Drafts aus. © 2020 Getty Images

München/Miami - Die abgelaufene Regular Season der NFL-Saison 2020 hätte für die Miami Dolphins kaum besser laufen können: Mit einer Bilanz von 10-6 wurden die Playoffs überraschend knapp verpasst, zudem stellte die junge Mannschaft von Head Coach Brian Flores ihr Potenzial ein ums andere Mal eindrucksvoll unter Beweis.

Ein brisanter Bericht trübt nun jedoch die positive Stimmung in Miami: Einige Spieler äußern angeblich anonym ihre Zweifel an Franchise-Quarterback Tua Tagovailoa und damit auch an der Zukunft der Traditionsfranchise.

Anfängliche Leistungen ließen zu wünschen übrigen

Der Journalist Armando Salguero zitiert im "Miami Herald" drei Spieler, die schon zu Beginn der Saison erste Bedenken an den Einsatzfähigkeiten des 22 Jahre alten Jungstars hatten.

In ihrem Augen habe der kleine Hawaiianer keine außergewöhnlichen Leistungen gezeigt und sogar eher den Eindruck erweckt, dass er noch nicht für die NFL bereit sei, berichtet Salguero.

Umso deutlicher fiel ihre Reaktion aus, als Head Coach Brian Flores Tagovailoa vor dem siebten Saisonspiel völlig überraschend zum Starter erklärte und damit Routinier Ryan Fitzpatrick ins Hintertreffen geriet.

Quarterback-Wechsel überraschte Locker Room

"Wir waren vollkommen überrascht", gab einer der befragten Spieler zu Protokoll, der Fitzpatrick auf der Position des Quarterbacks für deutlich besser geeignet hielt. Der plötzliche und zugleich unerwartete Wechsel hatte nicht nur in Miami für Stirnrunzeln gesorgt, sondern in der gesamten NFL.

Die Entscheidung führte zu einer ersten Unruhe im Locker Room, schließlich hatte der 37 Jahre alte Routinier bis zu diesem Zeitpunkt drei Siege aus sechs Spielen eingefahren und die Dolphins zurück in das Playoff-Rennen gebracht.

"Für uns gilt immer 'Next Man Up', egal was auch passiert", erklärte ein anonymer Spieler aus der Dolphins-Offense. "Aber in meinen Augen war Tua der 'Next Man Up', einfach weil 'Fitz' besser war."

Chancenlos gegen Mahomes und Co.?

Neben der scheinbar fehlenden Unterstützung seiner erfahrenen Teamkollegen äußerten sich die Spieler auch über Tagovailos Qualitäten als Spielmacher, besonders im Vergleich zu seiner direkten Konkurrenz in der AFC.

Die Wurfgeschwindigkeit und -stärke, sowie die Fähigkeit des 22-Jährigen, die Spielzüge mit Hilfe seiner Athletik spontan umzugestalten, habe ihn nicht beeindruckt, wird ein Spieler aus der Dolphins-Defense zitiert.

Für ihn stelle sich daher die Frage, ob Tua in den wichtigen Spielen mit seinen direkten Kontrahenten wie Patrick Mahomes, Josh Allen und Deshaun Watson mithalten könne: "Das sind die Jungs, die du schlagen musst, oder nicht? Im Moment sieht es nach einer großen Herausforderung aus."

Flores und Grier stehen hinter Tua

Der Bericht und die darin enthaltenen Aussagen aus dem innersten Kreis der Miami Dolphins werfen ein komplett neues Licht auf eine ansonsten erfolgreiche Saison des Klubs: Nach Jahren im Mittelmaß fuhr die Mannschaft zehn Siege ein und belegte hinter den Buffalo Bills den zweiten Platz in der AFC-East.

Durch seine zuverlässigen, wenn auch nicht spektakulären, Leistungen stieg Tagovailoa aber auch zum Gesicht des neuen Aufschwungs auf und verdiente sich trotz aller Kritik den Respekt seiner direkten Vorgesetzten: Sie beschreiben ihn als "zurückhaltend", "ruhig" und als "Wettkampftypen", der als Teamkollege ein toller Mensch sei.

"Ich finde, dass Tua einen großen Schritt nach vorne gemacht und sich über das Jahr hin weiterentwickelt hat", pflichtete Flores bei. General Manager Chris Grier bestätigte in der vergangenen Woche, dass der 22-Jährige als Starting-Quarterback in die kommende Saison gehen werde. 

Antworten folgen in der neuen Saison

Es bleibt dennoch abzuwarten, in welche Richtung sich die Situation in Miami weiterentwickeln wird.

Die Stimmen der drei anonymen Spieler müssen nicht unbedingt die mehrheitliche Meinung im Locker Room repräsentieren, könnten aber den Druck auf den noch relativ unerfahrenen Spielmacher zusätzlich erhöhen.

Die entsprechenden Antworten wird Tua Tagovailoa dann auf dem Footballfeld geben müssen. Gelingt es ihm, die positiven Eindrücke seiner ersten NFL-Saison zu bestätigen oder sogar zu steigern, dürften sich die kritischen Aussagen seiner Mitspieler mit großer Wahrscheinlichkeit in Luft auflösen.  

Zu wünschen wäre es ihm und den Miami Dolphins allemal.

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