Micah Kiser will bei den Rams endlich durchstarten - Bildquelle: imago/Icon SMIMicah Kiser will bei den Rams endlich durchstarten © imago/Icon SMI

München - Mit Aaron Donald und Jalen Ramsey haben die Los Angeles Rams ihre Superstars in der Defense gut aufgeteilt. Während Defensive Tackle Donald an der Line of Scrimmage auf Quarterback-Jagd geht und die halbe O-Line des Gegners im Alleingang beschäftigt, gibt Ramsey in der Secondary den Lockdown-Cornerback. 

Eine Positionsgruppe, die dabei etwas untergeht sind die Linebacker. Nach dem Free-Agency-Verlust von Corey Littleton, den es zu den Las Vegas Raiders verschlagen hat, fragten sich viele Experten zu Recht, wer diese Lücke eigentlich schließen soll. Immerhin ist der Super-Bowl-Teilnehmer von 2018 sonst nahezu überall mit szenebekannten Namen ausgestattet. 

Ein Name, den sich die NFL nun merken sollte, ist Micah Kiser. Der gefühlte Rookie kam in den ersten zwei Spieltagen zu seinen ersten Defense-Snaps in der NFL und wurde nach dem Sieg gegen die Philadelphia Eagles prompt zum "Defensive Player of the Week" der NFC gewählt. 

Micah Kiser: Erstes Jahr als Starter nach langer Verletzung

Eine bemerkenswerte Auszeichnung, wenn man bedenkt, dass er 2019 aufgrund einer langen Verletzung im Brustmuskel die komplette Spielzeit verpasste. Wurde er in seiner eigentlichen Rookie-Saison 2018 in jeder Woche nur in den Special Teams eingesetzt, hätte er eigentlich schon 2019 die Rolle neben Corey Littleton einnehmen sollen. 

 

"Es war ein einfaches Tackle im Training und plötzlich ist in der Brust alles gerissen", so Kiser vor einigen Wochen. "Ich kann es nicht wirklich erklären, aber sowas passiert. Gott hat mir diese Aufgabe auferlegt und ich habe hart gearbeitet, um sie zu bestehen." Die Rams hätten ihm dabei geholfen und nun sei er nur noch glücklich, spielen zu dürfen. 

Dabei betont er aber auch, dass er eigentlich nie weit weg vom Team gewesen ist. In seinem Kopf hätte er tausende Trainingseinheiten absolviert: "Selbst wenn man nicht spielen kann, kann man Einheiten mitmachen. Ich war immer im Gebäude, immer dabei und mein Football-IQ ist nie weg gewesen. Ich war bei allen Meetings und habe mich immer eingebracht."

Micah Kiser mit drei großen Plays in der ersten Minute gegen die Philadelphia Eagles

Gegen die Eagles dauerte es nicht lange, bis sich dieser Enthusiasmus auf dem Feld zeigte: schon innerhalb der ersten Spielminute machte Kiser mit seinen ersten zwei Tackles auf sich aufmerksam und genau nach 77 Sekunden tackelte er Miles Sanders zum Fumble, der die Rams in eine gute Feldposition brachte. 

Am Ende der Partie kam der 25-Jährige auf starke 16 Tackles, einen forcierten Fumble und einen verteidigten Pass. Mit insgesamt 23 Tackles nach den ersten zwei Wochen hat er gemeinsam mit Jaylon Smith und Eric Kendricks die drittmeisten der NFL gesammelt. 

"Es sah so aus, als würde er einen Stop nach dem anderen für uns holen", so Head Coach Sean McVay. "Du kannst seine Physis richtig spüren, er hat ein tolles Gespür dafür, was gerade auf dem Feld passiert. Er hat eine Menge Plays für uns gemacht und war stets mittendrin in der Action."

Micah Kiser mit Start-Schwierigkeiten gegen die Dallas Cowboys

Dass er ein gutes Gespür hat, musste Kiser in seinem zweiten Starting-Auftritt erst beweisen. In Woche 1 gegen die Dallas Cowboys zeigte er sein Potential zwar schon mit sieben Tackles, jedoch besagt eine Statistik von "Pro Football Reference", dass er auch sieben Tackles verpasst hätte. Mehr als jeder andere in der NFL. 

Auf einen entsprechenden Artikel von "USA Today" reagierte die Nummer 59 dünnhäutig: "Du bist ein Clown. Ich habe noch nie jemanden gesehen, der sich so sehr wünscht, dass jemand scheitert. Es ist lächerlich", so sein Antworttweet auf einen Journalisten, der die einzelnen Plays analysierte.

Auf die Entgegnung, dass niemand Kiser scheitern sehen wolle, sondern lediglich etwas Kontext zu der hohen Zahl an verpassten Tackles geliefert worden wäre, rechtfertigte sich der Profi. Es gebe keinen Kontext und man könne nicht alles von der Seitenlinie beobachten. 

"In der Hälfte der Szenen attackiere ich entweder eine Lücke oder werde von einem Lineman geblockt. Ich könnte auch einfach ohne Einsatz und den Willen, Gegenspieler zu Fall zu bringen, spielen, aber das ist nicht meine Art. Aber was auch immer. Ich bin einfach langsam und schlecht."

College-Karriere mit Parallelen zu Ex-Star-Linebacker Luke Kuechly

Auch wenn sich ein NFL-Spieler durchaus professioneller zu derartigen Artikeln äußern könnte, hat Kiser durchaus einen Punkt. In der Tat wird er häufiger dazu eingesetzt, die gegnerische Pocket bei Blitzes der Defense zu attackieren. 

Dass das durchaus zu seinen Stärken gehört, zeigte er schon am College für die Virginia Cavaliers. Dort war er mit drei Saisons in Serie mit mindestens 117 Tackles ein absoluter Star. Der einzige Spieler, dem das zuvor in der AAC gelang war Ex-Panthers-Superstar Luke Kuechly. 

"Ich versuche einfach so schnell zu spielen, wie es nur geht. Ich werde immer zum Ball rennen, immer versuchen in der Nähe des Balls zu sein und meine Gegner umzuhauen", betonte er nach dem Eagles-Spiel.

33,5 seiner College-Tackles resultierten in einem Raumverlust des Gegners. 19 Sacks kommen noch dazu. Dass es sich also lohnt, Kiser auf Quarterback-Jagd zu schicken, ist bekannt und natürlich auch für Sean McVay kein Geheimnis.

Sean McVay: "Man sieht die Instinkte"

"Micah ist jemand, der viele schöne Dinge umsetzen kann. Man sieht die Instinkte, die Antizipation. Football macht für ihn einfach Sinn und wir sind froh, dass er bei uns ist. Wir sind optimistisch, dass er in diesem Jahr viel für uns beitragen kann", sagte McVay.

Die frühen Saison-Statistiken geben dem Head Coach Recht. Hält Kiser seine Tackle-Quote über die komplette Saison, steht er im Dezember bei überragenden 184 Tackles. Davon ist zwar nicht auszugehen, jedoch würde es dem Team aus der NFC West wahrscheinlich schon reichen, wenn er nur in die Nähe dieser Zahl kommt. 

Dann hätten die Rams nämlich ihren dritten großen Defense-Playmaker gefunden und die Achse wäre vollständig. Aaron Donald an der Line of Scrimmage, Jalen Ramsey in der Secondary und in der Mitte Micah Kiser. 

Tim Althoff

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