Hat sich bei den Dallas Cowboys etabliert: Michael Gallup liefert im Schatte... - Bildquelle: imagoHat sich bei den Dallas Cowboys etabliert: Michael Gallup liefert im Schatten von Amari Cooper © imago

München/Dallas - Falls es eine positive Überraschung bei den Dallas Cowboys in der vergangenen Saison gab, dann war es mit Sicherheit Wide Receiver Michael Gallup. Der 24-Jährige konnte sich als feste Nummer Zwei in Dallas etablieren und kratzte sogar am Status von Amari Cooper. Eine persönliche Tragödie überschattete seine Saison.  

Die Zahlen lügen nicht

Wenn man die Statistiken der beiden Receiver in Dallas vergleicht, könnte schon die Frage aufkommen, weshalb in der kommenden Saison Amari Cooper 20 Millionen US-Dollar bekommt und Michael Gallup nur 750.000 US-Dollar. Zumal letzterer statistisch gesehen nur 13 Catches, 82 Yards und zwei Touchdowns weniger gut performte als der teuer bezahlte Cooper. 

In der Tat war Michael Gallup ein Argument der Kritiker, welche die teure Vertragsverlängerung von Cooper kritisiert haben. "Er ist nicht mal die Nummer eins in seinem Team, wie kann man ihn dann wie einen Star-Receiver bezahlen", schimpfte Rex Ryan bei "ESPN". Die Aussagen des ehemaligen des ehemaligen NFL-Coaches sind zwar diskutabel, aber alleine die Tatsache, dass Gallup hier als Vergleich herangezogen wird, unterstreicht den Impact, den er vergangene Saison bei den Cowboys hatte.

Insgesamt kam Gallup auf 66 Receptions, 1107 Yards und sechs gefangene Touchdowns - in der Tat nicht schlecht für eine "Nummer zwei". Natürlich muss man hier differenzieren, dass er als Gegenpart von Cooper auch nur vom zweiten Cornerback eines jeden Gegners gedeckt wurde. Positiv kann man ihm noch attestieren, dass er diese Zahlen in lediglich 14 Spielen und dabei nur in zwölf als Starter aufgelegt hat. 

Überragend auf dem Feld - tragisch daneben

"Ich hab gesehen, dass er jeden Tag mit sich selbst wächst", wurde Wide-Receiver-Coach Sanjay Lal nach der Saison von "Dallas Morning News" zitiert: "Er ist als Football-Spieler gereift, er beginnt das große Bild hinter dem Spiel zu erkennen." So entwickelte sich Gallup als eines der Lieblings-Targets von Dak Prescott. Doch auch neben dem Platz musste er reifen - als Mensch und als Bruder.

Gallup, der in der Umgebung von Atlanta aufwuchs, traf in seiner Rookie-Saison ausgerechnet rund um das Auswärtsspiel bei den Atlanta Falcons ein schwerer Schicksalsschlag. Einen Tag vor dem Spiel beging sein jüngerer Bruder Selbstmord. Eine seiner Schwestern erzählte ihm erst nach dem Spiel von der Tragödie und eine Welt brach für ihn zusammen. Auch seine Mutter, die beruflich auf Reisen war, erfuhr erst später über die sozialen Medien vom Suizid ihres Adoptivsohns.

Für den 24-Jährigen gab es nur einen Halt in dieser Zeit. "Es war der Football, der mir half, dies zu überstehen", berichtete Gallup mit etwas Abstand: "Ich hab meine Mutter gefragt, ob ich zurückkehren und die nächste Partie spielen soll. Für sie war es in Ordnung, solange es mir half, sollte dies mein Weg sein." Nach der Saison kehrte Gallup zu seiner Familie zurück und verbrachte mit ihr große Teile der vergangenen Offseason. 

Ein einzigartiger Weg

In der High School spielte Gallup noch auf der Position des Quarterbacks und zeigte schon damals sein Verständnis von Football als Mannschaftssport. Er passte den Ball oft zu den Receivern, die sonst von niemandem beachtet wurden.

"Er ist so einfühlsam auf diese Art", sagte seine Mutter Jenny während der College-Zeit zum "USA Network": "Er ist einfach glücklich, wenn er seine Kumpel in Szene setzen kann. Besonders diejenigen, die eher im Schatten stehen. Das ist für ihn wichtiger, als selbst im Rampenlicht zu stehen." 

Mit anderen zu teilen lernte er schon in jungen Jahren. Im Alter von drei Jahren wurde er von der Familie Gallup adoptiert, wie sechs weitere Kinder. Insgesamt hat er sieben Geschwister, nachdem sein Bruder so tragisch verstarb.

In seinem zehnten Lebensjahr ließen sich seine Adoptiveltern scheiden, er wurde zum "Mann des Hauses" und lernte so schon früh Verantwortung zu übernehmen. So stammen drei seiner Adoptivgeschwister aus Indien, zwei weitere aus Westafrika, während er in Atlanta geboren wurde. 

"Er war sehr verändert, nachdem sich unsere Eltern getrennt haben, aber dann hat er sich auch dadurch zu dem entwickelt, der er heute ist", erinnerte sich seine Schwester Lydia. Egal ob seine Familie oder seine früheren Coaches, jeder sah in ihm diesen gereiften Spieler, der er heute ist.

Der eine, der immer lacht

Wenn man sich Videos von Gallup im Training oder im Spiel anschaut, fällt einem sofort die Freude und der Einsatz auf, mit denen Gallup zu Werke geht. Nach jedem Catch oder erfolgreichen Spielzug seines Teams ist ihm das Lachen ins Gesicht geschrieben. Er kämpft um jeden Meter auf dem Feld und ist besonders bei den Yards nach dem Catch unheimlich produktiv.

Für die Cowboys entpuppte sich Gallup ein absoluter Glücksgriff, den sie in der dritten Runde des Draft 2018 an 81. Stelle ausgewählt haben. Sollte Gallup auch die nächsten beiden Saisons überzeugen, kommen die Cowboys nicht drumherum, den zweiten Wide Receiver angemessen zu bezahlen. Das Lachen von Gallup würde sicher nicht weniger werden. 

So geht Gallup als gereifter Mann in seine dritte NFL-Saison. Aus der tragischen Geschichte seines Bruders hat er gelernt: "Man weiß nie, was in einem Menschen vorgeht. Also redet miteinander, auch innerhalb der Familie." Trotzdem will er die Freude nicht vergessen, was seine Attitüde auf dem Feld leicht erklärt. "Vergewissert euch, immer gut drauf zu sein und euch auch über die kleinen Dinge im Leben zu freuen." 

Mit dieser Einstellung wird Gallup auch in der kommenden Saison seine Erfolgsgeschichte fortsetzen. Vielleicht ja sogar irgendwann als Nummer eins.

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