Starkes Duo: Drew Brees und Michael Thomas. - Bildquelle: 2019 Getty ImagesStarkes Duo: Drew Brees und Michael Thomas. © 2019 Getty Images

München - Den Ritterschlag gibt es sofort. Dass der dann auch noch von einem der größten Superstars kommt, zeigt, auf welcher Stufe Michael Thomas inzwischen angekommen ist.

LeBron James beglückwünsche den Wide Receiver der New Orleans Saints für seinen Receptions-Rekord, mit 145 gefangenen Pässen in dieser Saison hat er Hall of Famer Marvin Harrison (143) bereits vor dem letzten Spieltag überholt. "Den Rekord auf einer unglaublichen Route geholt, die er gelaufen ist! Böse! Man kann ihn buchstäblich nicht decken", lobte die NBA-Legende.

Das Wortspiel versandet im Deutschen leider. Denn das "nicht decken" (can't guard) spielt auf Thomas' Spitznamen an.

"Can't Guard Mike". Selten war ein Spitzname passender.

Dass er sich den Spitzenamen am College selbst gab, unterstreicht das Selbstvertrauen, mit dem er schon immer ausgestattet war. Das ist die Denkweise, die Top-Receiver haben müssen. 

 

So die Ansicht von Thomas, der als Kind ein Fan von NBA-Superstar Allen "The Answer" Iverson war. "Als Receiver hast du die Einstellung, dass dich keiner decken kann, und so willst du spielen und den Worten Taten folgen lassen", sagt Thomas.

Alles andere als geradlinig

Er lässt den Worten Taten folgen. Und das seit seinem Debüt in der NFL. Dabei verlief sein Weg alles andere als geradlinig. 

Denn Zweifler gab es irgendwie immer. An der Taft Carter High School galt er als zu klein, zu schmächtig und war deshalb zwischenzeitlich auch nur Ersatz. Er musste sich seinen Erfolg verdienen, wuchs mit der Hilfe seines Vaters oder auch seines Onkels, Keyshawn Johnson, dreimaliger Pro Bowler und Super-Bowl-Champion. Beide legten den Grundstein und bereiten Thomas bestmöglich vor.

Auch an der Ohio State University lief es nicht von Anfang an, doch auch dort setzte er sich durch und echte Akzente.  

Doch dann, beim Draft, wieder so ein Rückschlag. Die Saints schlugen 2016 in der zweiten Runde zu, an 47. Stelle. Fünf Receiver - Corey Coleman, Will Fuller, Josh Doctson, Laquon Treadwell und Sterling Shepard - wurden vor ihm ausgewählt. Die vier Saisons seitdem sind auch ein fortwährender Beweis, dass vor ihm 46 Fehler gemacht wurden.

2016 startete er mit 1137 Yards, gefolgt von 1245 und 1405. Jetzt steht er ein Spiel vor dem Ende der Regular Season bei 1688 Yards. Und all das mit einer Leichtigkeit und gleichzeitigen Entschlossenheit, die beeindruckend sind. Mit einem Selbstverständnis, das ihn immer wieder antreibt. 

Beeindruckende Zahlen

Oder mal anders ausgedrückt: Er hat mehr Catches (145) als alle Receiver der Broncos, Colts, Eagles, Raiders, Ravens und Vikings. Dazu hat er mehr Receiving Yards (1688) als alle Receiver der Eagles, Raiders und Ravens. Als Zweiter hinter Thomas rangiert Chris Godwin (Tampa Bay), mit 86 Receptions und 1333 Yards. Es gibt neben Thomas nur einen Receiver, der mehr als 100 Bälle gefangen hat: DeAndre Hopkins (Texans/104).

594 Bälle bekam Thomas in vier Jahren zugeworfen, fangen konnte er 466. Zuletzt erst endete eine unglaubliche Serie, nach 198 gefangenen Bällen in Serie ließ er Ende November mal wieder einen Pass fallen.

Drei Drops leistete er sich 2018, vier sind es in diesem Jahr. Es ist also kein Wunder, dass er mit Lamar Jackson und Russell Wilson zu den MVP-Kandidaten gehört. Er wäre der erste Receiver überhaupt, der diese Auszeichnung bekäme. 

 

Und es ist deshalb auch kein Wunder, dass die Saints den 26-Jährigen im Sommer mit einem 100-Millionen-Dollar-Vertrag zum bestbezahlten Receiver machten. 

Was sorgt denn nun genau dafür, dass man ihn nicht decken kann? Welche Eigenschaften soll man sich von Thomas nehmen, wenn man sich den perfekten Receiver bauen will?

"Meine Hände", sagt Thomas der "New York Post": "Ich weiß, wie man sich freiläuft. Und wahrscheinlich auch meine Leistungsfähigkeit. Es ist mir egal, welcher Gegner vor mir ist."

Was sagt sein Onkel? "Seine Hände und sein Fang-Radius." Das Erfolgsrezept des Neffen? "Ich denke, es ist seine Arbeitsmoral, seine Bereitschaft, nicht gedeckt zu werden, die Liebe zum Detail, all diese Dinge", sagte Johnson. Immer wieder wird die Einstellung genannt, die Hingabe, die Menge Arbeit, die Thomas in das Spiel und sich selbst steckt. 

Spezielles Verhältnis

Und klar: Am Ende ist auch die Kombination mit dem Quarterback entscheidend, das Zusammenspiel, die Chemie zwischen Spielmacher und Passempfänger. 

Die zwischen Thomas und Quarterback Drew Brees ist speziell. Zwei, die perfekt aufeinander abgestimmt sind. Die sich gesucht und gefunden haben.

Vertrauen. Blindes Verständnis. Der passende Wurf, der richtige Laufweg, und dann die "goldenen" Hände: Das Duo ist eines für den Super Bowl.

Die Saints wissen, wem sie dann einen Großteil zu verdanken hätten. Die nächsten Ritterschläge warten also schon.

Andreas Reiners

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