Mike Evans von den Tampa Bay Buccaneers fängt zukünftig die Pässe von Tom Br... - Bildquelle: imago images/ZUMA PressMike Evans von den Tampa Bay Buccaneers fängt zukünftig die Pässe von Tom Brady © imago images/ZUMA Press

München/Tampa Bay - Es liegt in der Natur von Mike Evans, sich für andere Menschen einzusetzen. Ganz gleich wie groß die Kritik an Jameis Winston in den letzten Jahren auch gewesen ist – der Passempfänger von den Tampa Bay Buccaneers stärkte seinem Quarterback öffentlich stets den Rücken. Einmal prügelte er sich sogar für ihn. 

Selbst als die Verpflichtung von Tom Brady bekanntgegeben wurde, hielt sich Evans mit Lobesbekundungen zurück. Kein Tweet über Brady, keine jubelnde Pose bei Instagram. Er hätte das vermutlich als respektlos gegenüber seinem Ex-Quarterback empfunden.

Als er das Videospiel "Fortnite" spielte und dies über die Twitch live streamte, geriet er allerdings ins Plaudern – und konnte seine Freude über den prominenten Neuzugang doch nicht mehr zurückhalten.

Evans über Brady: Es ist surreal

"Es ist surreal. Er wird nun bald mein Quarterback sein, Mann", sagte Evans. "Ich habe sechs Jahre in der NFL gespielt und war noch nicht einmal in den Playoffs. Tom Brady hat sechs Super Bowls gewonnen."

Brady wird auch in Florida nach der Vince Lombardi Trophy greifen wollen. Was er dafür braucht: einen Evans in Bestform.

Seitdem der Wide Receiver im Jahre 2014 als Nummer-7-Pick in die NFL gelangte, zählt er zu den Schlüsselspielern der Tampa Bay Buccaneers. In allen sechs Spielzeiten hatte er mehr als 1000 Receiving Yards zu verbuchen. Vergangene Saison genügten sogar 13 Spiele, um auf 1157 Receiving Yards und acht Touchdowns zu kommen.

Der Mann, der alles fängt

Seine große Stärke: Er fängt gefühlt alles. Mit seiner Größe von 1,96 Meter und seinen sicheren Händen erreicht er Bälle, denen andere Receiver lediglich bedröppelt hinterherschauen würden.

Dass er vergangene Saison von den Yards her hinter Chris Godwin "nur" die Nummer 2 der Bucs war, lag nicht zuletzt daran, dass er oftmals von zwei Verteidigern gedoppelt wurde und dadurch Freiräume für die Mitspieler schuf.

Während Godwin vor allem ein Mann für die kurzen Pässe ist, geht Evans gerne tief. Kein Team in der NFL hatte 2019 ein produktiveres Starting-Receiver-Duo als Tampa Bay mit Godwin und Evans.

Dass Evans es zum Superstar und Multi-Millionär (Jahresverdienst 2020: 16,75 Millionen US-Dollar) gebracht hat, grenzt bei seiner Vergangenheit an einem Wunder. Der gebürtige Texaner stammt aus schwierigsten Verhältnissen.

Als sein Onkel seinen Vater tötete

Als er am 21. August 1993 im texanischen Galveston zur Welt kam, war seine Mutter Heather gerade einmal 14 Jahre alt.

Eines Nachts im Jahre 2002, Evens war neun Jahre alt und schlief friedlich in seinem Bett, veränderte sich sein Leben um 180 Grad. "Die Polizei hatte mich und meine Schwester aufgeweckt und gesagt: Ihr müsst mit uns kommen", erinnert sich Evans bei "ESPN".

Erst später erfuhr er, was kurz zuvor geschehen war: Sein Vater Mickey wurde ermordet – und zwar vom Bruder seiner Mutter. Erst hatte er auf ihn geschossen und ihn dann mit einem Taschenmesser erstochen. Die Hintergründe wurden Evans erst einige Zeit danach offenbart.

Evans hatte seinen Vater verehrt. Er wusste nicht, dass dieser Mann auch eine andere Seite hatte – und zwar eine gewalttätige. Einmal schlug er seiner Freundin Heather eine Bierdose ins Gesicht, sodass sich ihre Lippe aufspaltete. Dafür kam er mit 30 Tagen Arrest davon.

Sam Kilgore, der Onkel mütterlicherseits, neigte ebenfalls zur Gewalt. Er hatte eine zehnjährige Haftstrafe wegen schweren Einbruchs verbüßt, als er wieder auf freien Fuß kam und zeitweise bei seiner Schwester lebte. So bekam er mit, dass Mickey Heather körperlich misshandelte.

Eines Tages kam es zur Eskalation: Sam provozierte einen Streit mit Mickey, welcher letztendlich mit dem Mord endete.

Der Journalist Dan Lindberg, der diese Geschichte für "ESPN" noch einmal aufrollte, erklärt: "Mike hat seinen Onkel später oft im Gefängnis besucht und viel mit ihm gesprochen. Im Laufe der Zeit hat Mike gelernt, ihm zu vergeben."

Sein Onkel sitzt noch immer im Gefängnis und wird dies bis zu seinem Lebensende tun. Im Jahre 2006 beging er seinen zweiten Mord und tötete im Gefängnis seinen Zellengenossen.

Evans spricht offen über seine Geschichte

Mike Evans geht mit seiner Familiengeschichte offen um. "Es macht mir nichts aus, darüber zu sprechen", sagte er einmal. "Das ist ein Teil von mir. Es hat mich zu dem gemacht, der ich heute bin."

Heute ist er nicht nur ein Football-Star, sondern auch ein stolzer Familienvater. Auch seine Mutter spielt im Leben von Evans weiter eine große Rolle. Auf Instagram veröffentlichte er gemeinsame Bilder, einmal mit dem Zusatz "Lieb dich, Mama."

Evans weiß seine Popularität zu nutzen, damit es anderen Kindern besser ergeht als ihm früher.

Er gründete im Dezember 2017 die Mike Evans Family Foundation, um sich für Heranwachsende aus einkommensschwachen Familien einzusetzen und sich zudem gegen häusliche Gewalt zu engagieren: "Ich bin selber in einem Haushalt mit häuslicher Gewalt aufgewachsen und weiß daher, wie schwierig das ist", sagt er.

Und es liegt nun einmal in seiner Natur, sich für andere Menschen einzusetzen.

Oliver Jensen

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