Viel Geld, wenig Leistung: Kirk Cousins wird den Erwartungen nicht gerecht. ... - Bildquelle: imagoViel Geld, wenig Leistung: Kirk Cousins wird den Erwartungen nicht gerecht. Ob es mit einem neuen Offensive Coordinator besser wird? © imago

Minnesota / München - Er trat nicht so auf, wie man es von einem Franchise-Quarterback erwartet. Schon gar nicht von einem Franchise-Quarterback, der 84 Millionen Dollar für drei Jahre kassiert und zwischenzeitlich der bestbezahlte Spieler der NFL war. Kirk Cousins von den Minnesota Vikings war sich dieser Tatsache bewusst.

Cousins Frust ist groß

"Ich kann gar nicht sagen, wie groß der Frust ist", sagte der Passgeber nach der 7:21 Niederlage im Monday Night Game gegen die Seattle Seahawks. Gerade einmal sieben Punkte brachte die Offense auf das Scoreboard. Und das auch erst in der "Garbage Time", zu einem Zeitpunkt also, als das Spiel längst verloren war. 

In der Woche zuvor, als die Vikings den New England Patriots unterlagen, waren es ebenso enttäuschende zehn Punkte. Cousins kam in den beiden Spielen insgesamt auf mickrige zwei Touchdown-Pässe. Sein Quarterback-Rating: 70,4 gegen die Patriots, 89,0 gegen die Seahawks.

Doch seine tatsächliche Leistung war gegen die Seahawks noch weitaus schlechter als das Rating verrät. Tief im dritten Viertel brachte er sein Team erstmals in die gegnerische Hälfte. In der ersten Hälfte des Spiels kam er auf nur 27 Passing-Yards – der schwächste Wert seiner Karriere. Immer wieder traf er falsche Entscheidungen, fabrizierte später sogar einen Fumble, der von den Seahawks zum Touchdown zurückgetragen wurde.  

Cousins wusste um seine schwache Performance. Dies tat ihm vor allem für die Verteidiger leid: "Der Hauptgrund für meine Enttäuschung ist, dass unsere Defense so gut spielt. Unsere Defense hat in den letzten paar Wochen Playoff-Football und High-Level-Football gespielt."

Wahre Worte: Die Verteidigung der Wikinger lässt im Schnitt nur 215,6 Passing-Yards und insgesamt lediglich 323,6 Yards zu – beides sind die fünftbesten Werte der Liga.  

Weil die Offense jedoch hinterherhinkt, geraten die Playoffs nun in ernste Gefahr. Gegen Seattle konnten die Vikings nur 2 von 10 Third Downs verwandeln. 21,7 erzielte Punkte pro Spiel sind Rang 20 in der NFL. Mit einem Schnitt von 354,4 Passing-Yards rangiert die Offense auf Platz 17. Das Passspiel ist extrem schwankend. Das Laufspiel liegt sogar völlig brach, kommt im Schnitt nur auf 85,4 Yards und hat somit den drittschwächsten Wert der Liga.

Offensive Coordinator entlassen

Cousins ist zwar das Gesicht der Offense-Krise, nicht aber der einzige Schuldige. Einen Tag nach der Pleite gegen die Seahawks entließen die Vikings ihren Offensive-Koordinator John DeFilippo. Es war das Ende eines großen Missverständnisses, welches im Februar begann.   

Vier Tage, nachdem DeFilippo als Quarterback Coach mit den Philadelphia Eagles den Super Bowl gewann, heuerte er in Minnesota an und sollte das Offensivspiel um Cousins in Fahrt bringen. Doch war in den letzten Tagen vermehrt festzustellen, dass Head Coach Mike Zimmer von DeFilippo abrückte. Nach der Niederlage gegen die New England Patriots in Woche 13 kritisierte der Cheftrainer öffentlich dessen Playcalling, weil der Ball zu wenig gelaufen wurde.

Die Kritik war verständlich: Schließlich haben die Vikings mit Dalvin Cook und Latavius Murray zwei durchaus ambitionierte Running Backs, die aber zu selten und vor allem schlecht eingesetzt wurden. Die Freistellung von DeFilippo war somit nur eine Frage der Zeit.

Adam Thielen: Wir haben den Rhythmus nicht gefunden

Zumal sich die Krise durch fast alle Mannschaftsteile in der Offensive zieht. Das zeigt sich auch an Star-Receiver Adam Thielen: Kam er in den ersten acht Saisonspielen immer auf über 100 Receiving-Yards, so gelang ihm das in den vergangenen fünf Partien lediglich ein einziges Mal. Mittlerweile übt selbst er sich in Durchhalteparolen. "Ich denke, wir haben eine Menge Kerle in dieser Offensive, die gewinnen und gute Plays spielen wollen. Aber wir haben den Rhythmus nicht gefunden", sagt er. "Es muss bei uns jetzt Funken. Wir brauchen einen Funken und wir brauchen ihn schnell."

 

Kevin Stefanski: Der neue Kopf der Offense

Ob es mit einem neuen Offensive Coordinator besser wird? Quarterback-Coach Kevin Stefanski wird diese Position interimsweise einnehmen und auch die Spielzüge ansagen. Der 36-Jährige hat allerdings nie zuvor als OC gearbeitet. Laut Albert Breer von "Sports Illustrated" war zwar ohnehin geplant, dass Stefanski in diese Rolle hineinwächst - allerdings wohl nicht so plötzlich.

Der Druck jedenfalls ist groß: Bei einer weiteren Niederlage würde Minnesota (Bilanz: 6-6-1) wohl aus den Playoff-Plätzen herausfallen. Die Miami Dolphins, die Detroit Lions und die Chicago Bears sind die verbleibenden Gegner. Die erste und dritte der genannten Partien finden im heimischen U.S. Bank Stadium statt. Möglicherweise ein Vorteil?

Selbst wenn die Vikings die Playoffs erreichen würden, dürfte in der aktuellen Form nach der Wild-Card-Round Schluss sein. Schließlich trifft man in der Postseason ausschließlich auf Mannschaften mit einer positiven Bilanz. Das Problem: Gegen Teams mit einer positiven Bilanz haben die Vikings in dieser Saison noch kein einziges Spiel gewonnen.

Aber wer weiß: Vielleicht tritt Cousins ja doch irgendwann so auf, wie man es von einem Franchise-Quarterback erwartet.  

Oliver Jensen

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