Sammelte bisher 37,5 Sacks: Yannick Ngakoue - Bildquelle: Getty ImagesSammelte bisher 37,5 Sacks: Yannick Ngakoue © Getty Images

München - Vielleicht war es ein kleines Bewerbungsschreiben. Ein Vorgeschmack. Ein Exempel.

17. Spieltag: Die Indianapolis Colts sind zu Gast bei den Jacksonville Jaguars. Ein bedeutungsloses Spiel, beide Teams haben keine Chance mehr auf einen Playoff-Platz.

Yannick Ngakoue hat Quarterback Jacoby Brissett im Auge. Er jagt ihn förmlich, wie der Jäger seine Beute. Mit einem Schlusssprung wirft er Brissett zu Fall. Fumble.

Calais Campbell schnappt sich den Football und läuft in die Endzone. Touchdown Jaguars.

Vikings angeln sich Ngakoue

Es dürfte die letzte Football-Aktion sein, die den Jaguars-Fans von Ngakoue in Erinnerung bleibt. Denn footballerisch kommt nicht mehr.

Stattdessen eine Schlammschlacht, ausgetragen in den sozialen Netzwerken, über die Presse - überall nur nicht auf dem Footballfeld. Die Gegner: Ngakoue und die Jaguars-Führung.

Streit über einen neuen VertragStreit auf Twitter mit dem Sohn des Besitzers, Abstinenz beim Training Camp. Schnell ist klar, Ngakoue und die Jaguars - das wird nichts mehr. 

Seit dem Draft steht eigentlich nur die Frage im NFL-Raum: Wer tradet für Pass Rusher Ngakoue?

Die Antwort lautet nun: Minnesota Vikings. 

Für einen Zweitrunden-Pick und einen Fünftrunden-Pick, der in einen Viert- bzw. Drittrunden-Pick gewandelt wird, sollten gewisse Voraussetzungen erfüllt werden, schicken die Jaguars den 25 Jahre alten Defensive End nach Minneapolis.

Cap Space - der große Haken

Für die Vikings nimmt Ngakoue sogar eine Gehaltskürzung in Kauf. Statt der knapp 17 Millionen US-Dollar, die ihm dank des Franchise Tags zustehen, akzeptiert er rund 13 Millionen. Der Grund: Die Vikings verfügen über kaum Cap Space, laut NFL-Insidern kratzt dieser momentan an der 0. 

In der anstehenden Saison läuft Ngakoue unter dem Franchise Tag auf, danach müssen sich die Parteien auf einen langfristigen Deal einigen. Minnesotas Problem: Nach der Saison laufen auch die Verträge von Safety Anthony Harris, Running Back Dalvin Cook und Offensive Lineman Pat Elflein aus.

Aktuell stehen die Vikings allerdings mit 11 Millionen Dollar im Minus. Wollen sie Ngakoue halten, muss das Management Verträge umstrukturieren und die Zukunft von Personalien wie Kyle Rudolph oder Riley Reiff diskutieren.

Danielle Hunter und Yannick Ngakoue

Während das Management sich über die Verträge den Kopf zerbricht, erhält Head Coach Mike Zimmer das finale Puzzlestück, um die Umstrukturierung der Defensive abzuschließen. Ältere, vermeintlich satte Spieler gehören der Vergangenheit an, junge hungrige warten auf ihre Chance.

Ngakoue ist so einer der hungrigen. Er sammelte seit 2016 37,5 Sacks und 14 Forced Fumbles. Zudem setzte er den gegnerischen Quarterback satte 232 Mal unter Druck. Ein Topwert - nur zehn Spieler kommen auf mehr. Damit zählt der 25-Jährige zu den stärkeren Pass-Rushern der Liga. 

Zusammen mit Danielle Hunter stellen Ngakoue und die Vikings kommende Saison ein dynamisches Duo auf der Defensive-End-Position, mit reichlich Potenzial nach oben. Hunter ist der jüngste Spieler der NFL-Geschichte, der die 50-Sack-Marke knackte.

Hinzukommt, dass Ifeadi Odenigbo weiter aus der Rolle des Rotationsspielers agieren könnte, weniger Last tragen muss. Mit sieben Sacks lieferte er ordentliche Ergebnisse. Er kann sich in seiner Rolle entwickeln.

Zusätzliches Plus des starken Pass-Rush: Er entlastet die stark verjüngte Secondary. Mit Trae Waynes, Mackensie Alexander und Xavier Rhodes sind die etablierten Passverteidiger weg, Mike Hughes und die Rookies Cameron Danzler sowie Erstunden-Pick Jeff Gladney übernehmen.

 

 

Ngakoue - Ist er den Preis wert?

So schön sich die positiven Aspekte anhören, die Vikings gehen mit dem Trade ein Risiko ein. Denn schaffen es die Vikings nicht, Ngakoue langfristig zu binden, wäre der Preis Zweit- und Fünftrunden-Pick für eine Saison deutlich zu teuer.

Immerhin: Die Scharmützel, die Ngakoue mit den Jaguars geführt hatte, dürften bei den Vikings der Vergangenheit angehören.

Tim Rausch

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