Szene aus dem Championship Game: Myles Jack (r.) im Duell mit Dion Lewis. - Bildquelle: 2018 Getty ImagesSzene aus dem Championship Game: Myles Jack (r.) im Duell mit Dion Lewis. © 2018 Getty Images

Jacksonville/München - Gründe, warum die Jacksonville Jaguars im Frühjahr nicht in den Super Bowl einzogen, gibt es mehrere.

Zum einen fehlte dem Überraschungsteam der vergangenen Saison im AFC-Championship-Game im Januar noch ein wenig die Cleverness für den ganz großen Wurf. So ließ das Team etwa bei einer 14:10-Führung 55 Sekunden vor der Halbzeit die Uhr runterticken, anstatt einen weiteren Drive zumindest mit einem Field Goal zu krönen.

Zum anderen war da Tom Brady, der angeschlagen in das Spiel ging, aber im letzten Viertel seine Playoff-Magie entfaltete und das Spiel spektakulär zum 24:20-Endstand drehte.

Und dann waren da noch die Schiedsrichter. Zumindest die Spieler und Fans der Jaguars haben die Referees als die Hauptschuldigen an der Halbfinal-Niederlage ausgemacht, was der Partie der New England Patriots in Jacksonville (So., ab 22:15 LIVE auf ProSieben MAXX und im Livestream auf ran.de) zusätzliche Brisanz verleiht.

Der Zorn der Jaguars ist auf eine bestimmte Szene zurückzuführen.

Zu Beginn des vierten Viertels klaute Myles Jack nach einem Trickspielzug der Patriots Dion Lewis den Ball, nahm den Fumble auf und war auf dem Weg in die Endzone. Es wäre die 27:10-Führung für die Franchise aus Florida gewesen, doch die Schiedsrichter pfiffen den Linebacker zurück. "Down by contact", lautete die Entscheidung. Ein Fehler, erklärten auch unabhängige Experten nach dem Spiel.

 

Myles-Jack-Plakat sogar am Wrestling-Ring

Der Satz "Myles Jack wasn’t down" wurde in Jacksonville zu einer geläufigen Redewendung und auf T-Shirts und Tassen gedruckt. Eine örtliche Brauerei braute ein Craftbeer mit diesem Namen, ein College-Absolvent erwähnte den Satz in seiner Abschlussrede und bekam viel Applaus. Bei "WWE Monday Night Raw" tauchte im Fernsehen hinter Generalmanager Kurt Angle plötzlich ein "Myles Jack wasn't down"-Plakat auf. Selbst Präsident Donald Trump wurde offenbar mit dem Phänomen konfrontiert.

Jack mag den Hype

Ziemlich sicher dürften auch am Sonntag entsprechende Plakate im Stadion zu sehen sein. Auch Myles Jack selbst hat den Vorfall noch längst nicht abgehakt und brennt auf Revanche gegen die Patriots, die ja ohnehin bei gegnerischen Fans im Verdacht stehen, hin und wieder von Schiedsrichtern und Offiziellen begünstigt zu werden.

"Es ist cool, die ganze Stadt hinter einem zu haben und die Unterstützung der Leute zu spüren. Das wird definitiv das wichtigste Spiel meines Lebens!“, sagte der 23-Jährige, dem der Hype um das zurückgepfiffene Play gefällt: "Ich hätte niemals gedacht, dass es so eine große Sache wird. Aber ich wusste sofort, dass ich nicht down war. Deshalb mag ich sehr, was die Leute machen. Ich bin dankbar dafür." 

Aber nicht nur wegen Jacks Revanche ist das Spiel am Sonntag ein ganz Besonderes. Es ist das Duell zweier Super-Bowl-Anwärter, die beide mit Siegen in die Saison gestartet sind. Es ist das Duell der jungen, wilden Jaguars-Mannschaft gegen die dominierende Franchise der letzten Jahre. Es ist das Duell einer super-aggressiven Defense gegen Tom Brady, den erfolgreichsten Quarterback der NFL-Geschichte  

"Haben das Gefühl, dass wir sie schlagen können"

"Wir fühlen uns wie ein Playoff-Team, wir wollen unseren Heimvorteil nutzen. Wir haben das Gefühl, dass wir sie schlagen können, was eine große Nummer wäre. Wie gesagt, es ist die wichtigste Woche in meinem Leben", erklärte Jack.

Auch für Brady ist die Partie etwas Besonderes. "Das Spiel wird in einem sehr emotionalen Umfeld stattfinden", sagte der Patriots-Quarterback: "Wenn man gegen die besten Teams spielt, sieht man, wo man steht. Ihre Defense wird sehr hoch eingeschätzt und ich habe gesehen, warum das so ist. Einige der Jungs sind vielleicht die besten auf ihren Positionen. Es wird ein wichtiges Spiel für uns, ein echter Gradmesser."

Beide Teams gewannen ihre Auftaktspiele in der vergangenen Woche. Für die Patriots geht es darum, einmal mehr ihre Ausnahmestellung in der Liga zu untermauern.

Die Jaguars wiederum wollen unter Beweis stellen, dass sie letztes Jahr nicht umsonst unter den letzten vier Teams standen und tatsächlich zu den heißesten Titelanwärtern gehören.

Und ganz nebenbei könnten sie den "Myles Jack wasn't down"-Jüngern Genugtuung verschaffen.

Christian Stüwe

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