Haben die Ravens den Masterplan entdeckt, um die Patriots zu besiegen? - Bildquelle: Getty ImagesHaben die Ravens den Masterplan entdeckt, um die Patriots zu besiegen? © Getty Images

München/Baltimore - Im Sunday Night Game gingen die New England Patriots erstmals in dieser Saison als Verlierer vom Platz. Nachdem der amtierende Super Bowl Champion in den Vorwochen zu großen Teilen von seiner dominanten Defense getragen wurde, fand diese gegen die Baltimore Ravens keine Mittel und Wege.

Die Ravens verfolgten einen starken Gameplan und adressierten die Schwächen der Patriots geschickt.

 

O-Line der Patriots wackelt bedenklich

Dass Quarterback Tom Brady unter Druck nicht immer sattelfest agiert und lieber den Football im Zweifel schnell entsorgt, um Sacks zu vermeiden, ist nicht erst seit gestern bekannt. Der Blitz offenbarte den Patriots an diesem Abend aber besonders große Probleme.

Konnten die Ravens bei Spielzügen ohne Blitz laut "Next Gen Stats" in nur zwei von 26 Fällen (acht Prozent) Druck auf den Quarterback erzeugen, zeigte sich Baltimores Pass-Verteidigung in Blitz-Formationen sehr erfolgreich und konnte in neun von 21 Fällen (43 Prozent) Druck auf den Quarterback kreieren.

Laufspiel der Patriots lahmt

Und die Probleme der O-Line machen sich auch in der Rushing Offense bemerkbar, die mit durchschnittlich 92,9 Yards pro Spiel nur auf Platz 23 der Liga. Zahlreiche Verletzungen in der O-Line um Starting Center David Andrews, der die komplette Saison wegen Blutgerinnseln verpasst, wirkten sich negativ auf das Laufspiel aus.

Gerade die Inside Runs leiden unter der fehlenden Unterstützung der Offensive Line. Kam Running Back Sony Michel in der Vorsaison noch mit durchschnittlich 4,5 Yards pro Lauf auf 71,6 Yards pro Spiel, brachen die Zahlen in der laufenden Saison deutlich ein (3,3 Yards/Lauf und 53,6 Yards/Game).

Lamar Jackson nicht das Hauptproblem

Baltimores Laufspiel verzeichnete insgesamt 210 Rushing Yards und drei Touchdowns, allein Running Back Mark Ingram 115 und Jackson selbst verzeichneten 61 Rushing Yards.

Obwohl die Ravens bevorzugt auf den Lauf setzen, konnte die Lauf-Verteidigung der Patriots diesem kaum etwas entgegensetzen. Bei insgesamt zehn Drives konnten die "Pats" lediglich zwei Punts erzwingen. 23 Passspielzügen Baltimores standen 41 Läufe gegenüber.

Lamar Jackson konnte sich im Passspiel zurückhalten und gewährte den Patriots entsprechend wenige Möglichkeiten für Turnover. Trotz zweier Rushing Touchdowns war er aber nicht der Hauptdarsteller des Laufspiels. Der Quarterback wurde bei vergleichsweise moderaten 3,8 Yards pro Versuch gehalten, auch wenn er relativ leicht aus der Pocket ausbrechen konnte.

Patriots-Safety Duron Harmon legte nach der Partie den Finger in die Wunde: "Es lag nur an den Running Backs, die einen großartigen Job gemacht haben, unsere Passverteidigung in die Irre zu führen."

Patriots: Run Defense wackelt schon länger

Damit ist in erster Linie Mark Ingram gemeint, der allein mit einem einzigen Lauf 55 Yards erreichte, regelmäßig die Lücken in der Patriots-Defensive fand und zahlreiche Tackles brechen konnte. Aber auch Gus Edwards, der ebenfalls in die Endzone fand.

Die physisch starke O-Line der Ravens deckte die Schwächen im Tackling und Run Blocking New Englands schonungslos auf. Mitunter Kategorien, für die die Defensive in den vergangenen Wochen noch über den Klee gelobt wurde. Der Negativtrend kam jedoch nicht über Nacht, er hatte sich bei genauerer Betrachtung bereits angedeutet.

Bereits beim 27:13 gegen die Cleveland Browns zeigte sie eine ihrer schlechtesten Leistungen in Sachen Laufverteidigung. Im Vergleich mit der Konkurrenz zählt die Run Defense nur zum Mittelmaß der Liga (Platz zwölf).

Ingram war bereits der dritte Spieler in dieser Saison, der gegen die Patriots dreistellige Rushing Yards erzielte (Woche fünf, Frank Gore - 109 Yards und Woche acht, Nick Chubb - 131 Yards).

Bisherige Saison als Blendwerk?

Nach der Partie zeigten sich Spieler und Trainer betont zurückhaltend und einsichtig: "Wir müssen von den Grundlagen her besseren Football spielen. Das ist es, worauf es ankommt - Down für Down zu spielen", erklärte etwa D-Liner Lawrence Guy. Head Coach Bill Belichick nahm gar die Schuld auf sich und gab Fehler im Playcalling zu.

Harmon zog positive Lehren und verwies auf die Parallelen mit dem Gegner vom Sonntag: "Sie sind uns eigentlich wirklich ähnlich, da sie körperlich spielen, den Football laufen lassen und den Lauf stoppen wollen. Sie waren heute Abend das bessere Team und davor ziehen wir den Hut."

Momentaufnahme, oder kriselt es in Foxborough? In den kommenden Wochen wird sich zeigen, ob die Partie ein einmaliger Ausfall war, oder die Leistungen der Patriots mit dem bisher vergleichsweise leichten Spielplan reichlich überbewertet wurden und gegen starke Teams weit weniger dominant auftreten können.

Die kommenden Duelle mit den Philadelphia Eagles und Dallas Cowboys nach der bevorstehenden Bye Week dürfen mit Spannung erwartet werden.

Daniel Kugler

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