N'Keal Harry beim nicht gegebenen Touchdown für die New England Patriots. - Bildquelle: gettyN'Keal Harry beim nicht gegebenen Touchdown für die New England Patriots. © getty

Foxborough - Es ist die Szene, über die nach der Partie jeder spricht.

N'Keal Harry fängt den Pass von Tom Brady, läuft an der Außenlinie entlang und springt Richtung Endzone. Der Wide Receiver berührt mit dem Ball die Innenseite der Pylone der Endzone - Touchdown.

Doch die Referees sehen es anders, urteilen, dass Harry mit dem Fuß auf die Außenlinie tritt. "Der Schiedsrichter an der Seitenlinie hatte durch einen Verteidiger keine Sicht auf die Szene und der Schiedsrichter aus der Endzone sah N'Keal Harry im Aus", beschreibt Referee Jerome Boger die Szene.

Statt sieben Punkten für die Patriots nur neuer erster Versuch an der Drei-Yard-Linie.

Belichick hat keine Challenge mehr

Das Problem von Head Coach Bill Belichick: Er hat seine zwei Challenges aufgebraucht, kann den Spielzug nicht überprüfen lassen. Und so flucht er nur an der Außenlinie, ist aber machtlos.

Vier Plays später steht nur ein Field Goal für New England zu Buche. 16:23 statt des möglichen 20:23.

Vier Angriffsserien später beenden die Kansas City Chiefs mit Abknien die Partie. 16:23 heißt es aus Sicht der New England Patriots gegen die Kansas City Chiefs.

Erstmals seit Oktober 2017 verliert der Titelverteidiger wieder zu Hause, nach 21 Siegen in Folge die erste Heimniederlage.

"So ist nun mal Football. Letztes Play abhaken und ans nächste denken. Eine Schiedsrichterentscheidung darfst du gar nicht an dich ranlassen", beschreibt Offensive Lineman Joe Thuney im Gespräch mit ran die Gemütslage.

Patriots nicht mehr die Patriots der vergangenen Jahre

Aber es sind nicht nur die vermeintlichen Fehlentscheidungen der Referees, die für die Niederlage der Patriots verantwortlich sind. Eigene Fehler und ausbleibendes Ausnützen von Fehlern der Gegner machen deutlich: Die Patriots sind lang nicht mehr die Patriots der vergangenen Jahre.

Die Patriots der vergangenen Jahre hätten 59 Sekunden vor der Halbzeitpause die Strafe der Chiefs, die sie an die eigene 41-Yard-Linie beim Kickoff-Return brachte, genutzt, um Punkte auf das Scoreboard zu bringen.

 

Die Patriots der vergangenen Jahre hätten nicht so viele Bälle fallen lassen wie beispielsweise Matt LaCosse in der Endzone oder Jakobi Meyers.

Die Patriots der vergangenen Jahre hätten im zweiten Viertel im Passangriff wahrlich mehr als nur 26 Yards Raumgewinn zustande gebracht.

Die Patriots der vergangenen Jahre hätten nicht auf einen Returner beim Punt verzichtet. Der Ball trudelte nach dem ersten Aufkommen noch etliche Yards in Richtung eigene Endzone, ehe er auf der 20-Yard-Linie von den Chiefs aufgenommen wurde.

Und das Ganze nach der umstrittenen Schiedsrichterentscheidung und dem Three and Out der Chiefs.

Referees pfeifen Gilmore beim Fumble-Return zurück

Und die Patriots der vergangenen Jahre hätten wohl auch nicht so viele Entscheidungen der Schiedsrichter gegen sich gehabt.

Denn neben des nicht gegebenen Touchdowns gab es noch weitere äußerst umstrittene Urteile der Referees.

So verlor Belichick seine erste Challenge, als er einen First Down von Sammy Watkins überprüfen ließ, bei dessen Anblick die TV-Bilder erkennen ließen, dass Devin McCourtey Watkins vor den zu überbrückenden vier Yards gestoppt hatte.

 

So pfiffen die Referees Stephon Gilmore zurück, nachdem der Cornerback einen Fumble von Travis Kelce aufgenommen hatte.

Zwar wäre Gilmore wohl rund 20 Yards vor der gegnerischen Endzone noch gestoppt worden, aber Belichick musste seine zweite Challenge verwenden, damit die Unparteiischen ihre Entscheidung von unvollständigem Pass auf Ballverust der Chiefs revidierten.

Damit waren die Einspruchsmöglichkeiten Belichicks aufgebraucht - und fehlten beim Play, über das am Ende jeder sprach.

Keine Pass Interference gegen Dorsett

Und dann war noch die über die Fernsehkameras ersichtliche Pass Interference gegen Phillip Dorsett, die die Referees nicht ahndeten. Weiterhin keine Möglichkeit für Belichick, diese überprüfen zu lassen. Statt Ballbesitz kurz vor der Endzone vierter Versuch und sechs Yards zu überbrücken.

"Ich bin mir zu 99 Prozent sicher, dass das eine PI war", sagte Dorsett, "aber wir dürfen das nicht an den Referees festmachen, wir hatten noch genügend Zeit, das Spiel zu drehen."

Zwar gelang dies den Patriots nicht mehr, aber immerhin wandelte sich die Stimmung im Stadion.

Aus Buh-Rufen zur Pause wurde "Referees, you suck" nach den vermeintlichen Fehlentscheidungen. Und kurz vor Schluss hallte "Brady, Brady"-Anfeuerung durch das Gillette Stadium - nur um dann doch wieder zu verschwinden.

Denn dann war der nicht gegebene Touchdown Thema bei Fans und den von Pressevertretern darauf angesprochenen Spielern.

Aus Foxborough berichtet Rainer Nachtwey

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