Yannik Ngakoue wechselt zu den Baltimore Ravens. - Bildquelle: gettyYannik Ngakoue wechselt zu den Baltimore Ravens. © getty

München/Minnesota - Ein Zweitrunden-Pick und ein Fünftrunden-Pick bei gewissen Bedingungen.

Diesen Preis bezahlten die Minnesota Vikings kurz vor Saisonstart für Pass Rusher Yannick Ngakoue, den der Klub aus Minneapolis von den Jacksonville Jaguars loseiste.

Der Grund für den Trade war klar: Die Vikings mussten den abgewanderten Everson Griffen ersetzen und hofften in Ngakoue eine langfristige Lösung gefunden zu haben, die gemeinsam mit Danielle Hunter in Zukunft auf Quarterback-Jagd gehen sollte. 

Damit sah Head Coach und Defensiv-Mastermind Mike Zimmer seine Verteidigung auf dem richtigen Weg: Trotz zahlreicher Abgänge in der Offseason hatten die Vikings mit Hunter, Ngakoue, den Linebackern Erik Kendricks und Anthony Barr sowie dem Safety-Duo Harrison Smith und Anthony Harris zahlreiche Stars in ihren Reihen.

Schwache Defense trotz Star-Besetzung

Keine zwei Monate später sieht das Bild völlig anders aus. Barr und Hunter verpassen die Saison verletzungsbedingt und die Vikings haben trotz ihrer individuell gut besetzten Defense eine der schwächsten Passverteidigungen der Liga.

Das spiegelt sich auch in der Bilanz nieder - mit nur einem Sieg aus sechs Spielen stehen die Chancen auf eine Playoff-Teilnahme nahe null. Mit Ngakoues Trade zu den Baltimore Ravens sehen das die Verantwortlichen in Minnesota auch ein.

Denn die Vikings schlucken durch den Deal nicht nur 6,8 Millionen Dollar an Dead Cap - sie bekommen als Gegenwert für Ngakoue nur einen Drittrunden-Pick und einen Fünftrunden-Pick, ebenfalls unter gewissen Voraussetzungen.

Vikings haben sich verpokert

Damit kostet Ngakoue die Vikings einen um etwa 50 Positionen früheren Draftpick, da der Ravens-Drittrunden-Pick dank ihrer zu erwartenden guten Bilanz wohl um Position 85-96 liegen wird, während der Zweitrunden-Pick der Vikings aktuell im 40er-Bereich liegt.

Dazu kommt der angesprochene Dead Cap und knapp sieben Millionen Dollar, die Minnesota Ngakoue bereits gezahlt hat. Ziemlich teuer für insgesamt sechs absolvierte Spiele.

Nichtsdestotrotz sehen sich die Vikings zu diesem Move gezwungen - ohne sportliche Ambitionen bekommen sie zumindest noch etwas Draft-Kapital für Ngakoue, dessen Vertrag 2021 ausgelaufen wäre. 

Nachdem Saisonaus von Hunter und Barr sowie dem Trade von Ngakoue wär Minnesota wohl nicht schlecht beraten, alles für die Zukunft auszurichten und sich mit einer schlechten Saison einen hohen Draft-Pick zu sichern.

Ravens klarer Sieger des Trades

Die Ravens gehen aus dem Deal derweil als klarer Sieger raus: Nachdem General Manager Eric DeCosta im Wettbieten um Ngakoue vor sieben Wochen die Ruhe behalten hat, bekommt Baltimore den Pass Rusher jetzt für einen günstigeren Preis - und muss nur knapp 5,2 Millionen statt 12 Millionen Dollar bezahlen.

"Wir freuen uns, dass wir Yannick Ngakoue für unser Team gewinnen konnten", teilte DeCosta kurz nachdem Trade in einem Statement mit. "Wir sind mit Yannicks Stärken vertraut, da er uns schon 2016 im Draft-Prozess begeisterte. Er ist ein aufregender Spieler, der uns sofort besser macht." 

Ravens GM DeCosta: "Sind noch nicht fertig"

Die Ravens waren nach Lamar Jacksons letztjähriger Fabel-Saison ohnehin im "Win-Now-Modus" - der Trade um Ngakoue und die Verpflichtung von Dez Bryant bestätigen diese Tatsache.

DeCosta schließt zudem weitere Transaktionen nicht aus. "Wir sind beim Bau unserer Mannschaft noch nicht fertig. Wir tun alles dafür, unser ultimatives Ziel zu erreichen."

Bryants Verpflichtung hin oder her, die Ravens sind sicherlich weiterhin auf der Suche nach Waffen für Jackson - und könnten mit Antonio Brown, der ab dem 9. Spieltag verfügbar ist, eine weitere Schwachstelle schließen.

Mit Ngakoues Verpflichtung hat Baltimore nur drei Wochen nach der bitteren Niederlage gegen die Kansas City Chiefs zumindest schon mal auf die defensiven Mängel reagiert.

Ravens reagieren auf Chiefs-Niederlage

Denn die Ravens setzten Patrick Mahomes bei 20 Passversuchen per Blitz unter Druck - Mahomes zerlegte diese Taktik allerdings gnadenlos und zeigte sein bestes Saisonspiel.

Mit der Verpflichtung von Ngakoue können die Ravens Quarterbacks, die gut gegen den Blitz spielen, vermehrt mit dem "Four-Men-Rush" attackieren. So können sich mehr Spieler in die Passverteidigung zurückfallen lassen. 

Gemeinsam mit dem in der Offseason verpflichteten Calais Campbell sollten die Ravens auch ohne den Blitz Druck ausüben - schon 2017 bildete Ngakoue mit Campbell ein explosives Duo, das Jacksonville damals in "Sacksonville" umtaufte.

Ngakoue macht die Ravens noch flexibler

Trotz der bis dato enttäuschenden Vikings-Defense spielt Ngakoue individuell noch immer auf hohem Niveau: Der Pass-Rusher steht bei vier Sacks und zwei forced Fumbles - jeweils ein Top-10-Wert in der NFL.

So bekommt Ngakoue nach seinem unrühmlichen Aus bei den Jaguars und der kurzen Zeit in Minnesota jetzt die nächste Möglichkeit, sein Können nicht nur in gute Statistiken umzumünzen, sondern seiner Mannschaft auch zu einer erfolgreichen Saison zu verhelfen.

Die Voraussetzungen dafür könnten in einer sehr gut eingestellten Defense in Baltimore kaum besser sein. Das weiß auch Ngakoue, der das nächstes Kapitel seiner Karriere kaum abwarten kann.

Raman Rooprail

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