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München/Green Bay - Das dominierende Thema in dieser NFL-Offseason war Aaron Rodgers. Nicht nur in Green Bay, sondern in Wisconsin, den USA und der gesamten Welt der NFL.

Dabei wurde eine Frage völlig vernachlässigt: Wie geht es dabei Jordan Love, Rodgers' designiertem Nachfolger? Der Erstrundenpick aus dem Jahr 2020 hatte sich Hoffnungen gemacht auf den Platz als Starter. Die haben sich nun für mindestens das kommende, wahrscheinlich aber sogar für zwei Jahre zerschlagen.

Vertrauen die Packers Love überhaupt?

Rodgers ist, was Qualität angeht, über jeden Zweifel erhaben. Er ist nicht völlig umsonst der amtierende MVP der Liga. Freilich, er hat den Respekt verdient, im Herbst seiner Karriere über sich selbst entscheiden zu können.

Doch über den Gemütszustand von Jordan Love spricht niemand. Die ganze Priorisierung der Packers lag in diesem Sommer auf der Personalie Rodgers. Am Ende fügten sich die Verantwortlichen den Wünschen ihres Superstars. Sportlich ist das nachvollziehbar.

Das spricht gleichzeitig nicht unbedingt dafür, dass die Organisation Backup Love, der ja offenkundig als Rodgers-Erbe gedraftet wurde, nach dessen erster Saison großes Vertrauen entgegenbringt. Stattdessen lenkt man nach dem Zoff und dem Hin und Her mit Rodgers ein.

Lobesbekundungen ohne Wert

Wo steht Love? Bei den freiwilligen Minicamps gab es für den ehemaligen Utah State-Quarterback und Teamkollegen des Deutschen Dominik Eberle eigentlich Lob von allen Seiten. Running Back Aaron Jones sagte etwa: "Ob es um die Kommunikation oder die Kommandos im Huddle geht, er hat einfach alles."

Fast schon ein Ritterschlag des Running Backs. Head Coach Matt LaFleur schlug in die gleiche Kerbe: "Er ist sehr viel reifer geworden. Nicht nur die Kraft und die Fitness, sondern auch seine Technik mit dem Ball und die Grundlagen, die so wichtig für die Position des Quarterbacks auf dem höchstmöglichen Level sind, sind besser geworden."

Schön und gut, mag sich Love denken. Aber die Fakten sprechen eine deutliche Sprache: Bei 18 Saisonspielen kam Love kein einziges Mal zum Einsatz. Keine Chance also, sich mal zu zeigen.

Parallelen zu Tom Brady

Gerne wird der Vergleich zwischen Aaron Rodgers und Tom Brady bemüht, Parallelen gibt es aber auch mit Jordan Love.

Rückblick auf 2001: Im dritten Spiel der neuen Saison gegen die New York Jets verletzte sich Drew Bledsoe, der damalige Starting Quarterback der New England Patriots, schwer. Rein kam Tom Brady, der als vierter (!) Quarterback in die vorherige Saison gegangen war.

 

Bledsoe hatte gerade erst einen Zehn-Jahresvertrag unterschrieben und war der bestbezahlte Quarterback der Liga. Doch Trainer Bill Belichick sägte Bledsoe regelrecht ab, er sollte nur noch ein Spiel für die Patriots machen. 

Im Gegensatz zu Brady damals hatte Jordan Love bislang noch keine Chance zu spielen. Sicherlich war für die Entscheidung von Bill Belichick damals auch hilfreich, dass Brady nach einem 0:3-Start die Saison mit 11:5 beendete und den Super Bowl gewann. Dennoch hat sich Quarterback-Legende Brady vor allem mit Trainingsleistungen in der Hierarchie zwei Positionen nach vorne gearbeitet.

Ohne Rücksicht auf Verluste 

Freilich, der Vergleich mit dem heutigen Bucs-Spielmacher ist nicht nur für Love unfair. Aber die bisherige Chronik der Ereignisse zeigt: Das Vertrauen in die Fähigkeiten des Youngsters ist offenbar noch deutlich begrenzt.

Der "Betroffene" hat sich übrigens noch nicht zu den Ereignissen geäußert. Rodgers jedenfalls beteuerte, dass die Querelen und Differenzen in der Facility der Packers nichts mit Love zu tun hätten, sondern einzig und allein mit den Obrigkeiten der Packers.

Wie es mit Love weitergeht, steht im Moment in den Sternen. Fest steht wohl nur, dass Aaron Rodgers bekommen hat, was er wollte: Mehr Freiheiten im Vertrag und in Randall Cobb einen neuen Receiver.

Und das ohne Rücksicht auf Verluste - oder die Gemütslage seines Nachfolgers, der im Moment nur eine Figur im großen Schachspiel der Packers mit Rodgers ist.

Kai Esser

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