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München/Green Bay - Die Köpfe hängen in Green Bay. Nach dem enttäuschenden Ausscheiden aus den NFL Playoffs 2020 gleicht das Lambeau Field der Packers einer Trauerveranstaltung. Zuvor jedoch übten sich die meisten Packers-Fans und Zuschauer vor dem Fernseher in Unverständnis. Was war passiert?

Dritter Versuch und Goal für die Packers an der 8-Yard-Linie der Tampa Bay Buccaneers, noch 2:15 Minuten zu spielen bei einem 23:31-Rückstand. Aaron Rodgers steht in der Shotgun, kriegt den Ball und wirft zu Davante Adams in die Endzone - incomplete.

Bei acht Punkten Rückstand, also einem sogenannten "One-Possession-Game" mit Touchdown und Two-Point-Conversion, schickt Green Bay-Headcoach Matt LaFleur das Field-Goal-Team auf den gefrorenen Rasen. Mason Crosby macht den Kick aus 26 Yards sicher. Doch warum spielten die Packers den vierten Versuch nicht aus?

Rodgers: "Ich habe die Entscheidung nicht getroffen"

Es kam wie es kommen musste: Die Buccaneers bekamen den Ball zurück, Tom Brady und seine Offense holten insgesamt drei neue erste Versuche und ließen die Uhr auslaufen.

Die umstrittene Entscheidung von Matt LaFleur stieß wohl in Wisconsin nirgendwo auf viel Gegenliebe, es war das beherrschende Thema nach dem Spiel.

Auf der Pressekonferenz nach dem Spiel auf jene Entscheidung angesprochen sagte Aaron Rodgers enttäuscht: "Ich habe die Entscheidung nicht getroffen. Ich verstehe den Gedanken, wir hatten noch alle Timeouts, aber es war nicht meine Entscheidung."

Die Entscheidung, die Rodgers jedoch getroffen hat, war drei Mal von der 8-Yard-Linie zu werfen, obwohl er zwei Mal genug Raum für einen Touchdown-Lauf hatte. Sind mit Rodgers da die Nerven durchgegangen, als alles auf dem Spiel stand?

LaFleur erklärt seine Entscheidung

Natürlich wurde auch bei Headcoach Matt LaFleur nachgefragt, was er sich bei dieser Entscheidung dachte und ob er sie im Nachhinein bereut. Sichtlich enttäuscht ließ er verlauten: "Jedes Mal, wenn etwas nicht klappt, bereut man es, oder?"

"Es war eine Entscheidung, die ich wegen der Umstände getroffen habe. Wir hätten acht Yards plus die Two-Point-Conversion schaffen müssen und wir hatten vorher drei unvollständige Pässe. Wir hatten noch quasi vier Timeouts inklusive des Two Minute Warning und einen Stop in der Defense brauchten wir ohnehin. Ich dachte auch, den hätten wir geschafft, aber dann kam die Pass Interference."

Jene Pass Interference von Packers-Cornerback Kevin King an Bucs-Receiver Tyler Johnson war jedoch berechtigt, auch wenn LaFleur sich auch dazu später anders äußerte: "Ich glaube, es war ein schlechter Call."

Kein Vertrauen in den designierten MVP?

Sicher, mit de facto vier Timeouts ist LaFleurs Gedankengang nachvollziehbar. Jedoch steht den Packers der designierte MVP, ein zukünftiger First Ballot Hall of Famer zur Verfügung, der bereits alles gesehen hat. Vertraut der Headcoach also weder seinem Spielmacher, noch seinem Playcalling? Es machte den Anschein.

Selbst wenn die Packers es nicht geschafft hätten, die Buccaneers wären innerhalb ihrer eigenen zehn Yard-Linie gestartet, dort hätte Green Bay auch noch Defense spielen können - zumal das Playcalling dort eingeschränkter ist als an der eigenen 17-Yard-Linie, wo die Buccaneers nach dem Field Goal starteten.

Stattdessen vertraute LaFleur seiner Defense mehr als seiner Offense, die gerade in der ersten Halbzeit mit Fehlern, blown coverages und Missverständnissen glänzte. Die Defense, die Tom Brady vor der Pause nahezu sezierte.

LaFleur wiederholte sich am Ende seines Monologs über die Entscheidung: "Ich denke, immer wenn etwas, was man sich vornimmt, nicht klappt, bereut man es später, stimmt's?"

In einer Sache sind sich LaFleur und Aaron Rodgers aber wohl einig: "Das stinkt uns gewaltig. Und es wird lange dauern, bis wir das verarbeitet haben", so LaFleur abschließend.

Kai Esser

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