Jameis Winston wird am Sonntag wohl starten und möchte die Chance nutzen. - Bildquelle: 2020 Getty ImagesJameis Winston wird am Sonntag wohl starten und möchte die Chance nutzen. © 2020 Getty Images

München/New Orleans - Für Drew Brees heißt es Zuschauen. Der Quarterback der New Orleans Saints fällt mit einer Rippenverletzung mehrere Wochen aus.

Einer, der zuletzt reichlich zugesehen und Brees studiert hat, erhält deswegen am Sonntag gegen die Atlanta Falcons (ab 18 Uhr live auf ProSieben MAXX und ran.de) eine Chance: Jameis Winston.

Nachdem er Brees bereits gegen die San Francisco 49ers nach dessen Verletzung phasenweise vertreten hatte, schlägt im Divisions-Duell mit Atlanta seine große Stunde im Saints-Trikot. 

"Er hat einen guten Job gemacht", sagte Head Coach Sean Payton über Winstons Bewährungsprobe, bei der er sechs seiner zehn Pässe für 63 Yards angebracht hatte.

"Harvard-Ausbildung" für Winston

Mit diesen Zahlen wird er seinem Team zwar kaum zum Sieg gegen die Falcons verhelfen, allerdings sind von einem Starting Quarterback auch andere Zahlen zu erwarten. Und: Winston ist für seinen starken Arm bekannt.

Vergangene Saison gelangen ihm starke 5.109 Pass Yards. Damit ist er erst der fünfte Quarterback, der die historische Marke von 5.100 Yards knackte. Trotzdem blieben nach Saisonende Angebote aus. Erst im April unterschrieb er bei den Saints. Als Backup.

Auf dem ersten Blick sieht es wie ein Rückschritt aus, doch Winston spricht selbst von "einer Harvard-Ausbildung für Quarterbacks".

"Ich habe die Chance, mich zu beweisen und vom Besten zu lernen", erklärte der 26-Jährige in der "Rich Eisen Show" über das Zusammenspiel mit Brees und dem weiteren Backup Taysom Hill.

Fragen zur Entscheidungsfindung

Zur Wahrheit gehört aber auch, dass sein Ex-Team, die Tampa Bay Buccaneers, ihn aussortierten. Sein Problem war das große Risiko, das er einging und seine schwankenden Leistungen. Auf gute Würfe folgen schlechte, die häufig zu Interceptions führten.

Vergangene Saison war er mit 33 Touchdowns und 30 Interceptions der erste Quarterback, der in beiden Kategorien auf eine Anzahl von 30 oder mehr kam.

Besonders anfällig zeigte er sich dabei in Man Coverage und in Cover-3, in der es drei tiefe Zonen auf dem Feld gibt. Gegen diese Arten der Passverteidigung warf er jeweils zehn Interceptions.

Zudem ist auffällig, dass er unter Drucksituationen häufig Fehler macht. So warf er vergangene Saison 19 Interceptions, wenn er zurücklag, und 13, wenn der Gegner ihn blitzte.

"Sein größtes Problem bei den Interceptions ist, dass er Panik bekommt. Er muss den Ball schnell loswerden, obwohl er noch gar nicht bereit dafür ist", analysiert der ehemalige Quarterback der Detroit Lions, Dan Orlovsky, bei "ESPN".

Besserung in Sicht?

In der Offseason hat Winston daher an sich gearbeitet. Den Anfang machte dabei eine Laser-OP am Auge, um seine Kurzsichtigkeit zu korrigieren. Desweiteren stellte er seine Ernährung und Trainingsmethoden um. Er wiegt nun so wenig wie noch nie in seiner Profi-Karriere zuvor.

Erste Besserung deutete sich bereits an. Auf die Frage, ob Winston leichtsinnig mit dem Ball umgehen würde, antwortete Coach Payton: "Ich habe das hier noch nicht gesehen."

Dabei profitiert der Nummer-1-Pick des 2015er Drafts vom System der Saints, das im Gegenzug zur Bucs-Offense von Bruce Arians auf mehr Sicherheit und weniger tiefe Pässe setzt.

Hoffnung auf Bridgewater-Effekt

Ein Beispiel sollte sich Winston an Vorgänger Teddy Bridgewater nehmen. Bridgewater kam 2018 aus Minnesota über den Umweg New York Jets nach New Orleans und konnte sich entscheidend weiterentwickeln.

Vergangene Saison vertrat er den verletzten Brees beeindruckend, verlor kein einziges Spiel und unterschrieb diese Offseason einen Dreijahres-Vertrag als Starter über 21 Millionen Dollar pro Saison bei den Carolina Panthers.

Genau das erhofft sich auch Winston. Er will vom erfahrenen Saints-Quarterback lernen, um nächstes Jahr entweder dessen Rolle einzunehmen oder sein Glück wie Bridgewater bei einem anderen Team zu suchen.

Es liegt jetzt einzig und allein an ihm, zu beweisen, dass er ein besserer und konstanterer Spielmacher ist. Gelingt ihm das nicht, dürfte seine Zeit in der NFL zu Ende gehen.

Sebastian Mühlenhof

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