Patriots-Quarterback Tom Brady (links) und sein Coach Bill Belichick - Bildquelle: Getty/ran.dePatriots-Quarterback Tom Brady (links) und sein Coach Bill Belichick © Getty/ran.de

München/Foxborough - Die New England Patriots waren nach der 22:28-Niederlage bei den Houston Texans um Gelassenheit bemüht. "Ich glaube, wir werden schon okay sein", sagte Wide Receiver Julian Edelman nach dem Spiel. "Ich habe ein Team gesehen, das bis zum Ende gekämpft hat, darauf können wir aufbauen. Wir haben nicht so gespielt, wie wir es wollten, aber Houston hat auch super gespielt", führte der Super-Bowl-MVP weiter aus.

 

Star-Quarterback Tom Brady stieß ins gleiche Horn: "Wir versuchen unser Bestes. Hoffentlich können wir das nächste mal genug Plays machen", sagte der 42-Jährige. Doch was, wenn das Beste der Patriots nicht gut genug ist, um Brady und Head Coach Bill Belichick ihren siebten gemeinsamen Championship-Ring zu bescheren? Das Ergebnis lässt auf ein enges Spiel zwischen zwei Top-Teams schließen, bei dem die Texans ein, zwei bessere Spielzüge und vielleicht auch das Glück auf ihrer Seite hatten.

Wird Tom Brady doch vom Alter eingeholt?

Doch das Resultat trügt: Die Texans waren an diesem Abend über den gesamten Spielverlauf gesehen das klar bessere Team. Vor allem die Offense sollte den Patriots Sorgen bereiten. In den ersten drei Vierteln brachten Brady und Co. nur neun Punkte zustande. In Halbzeit eins brachte er nur 7 seiner 19 Passversuche an den Mann - für 82 Yards Raumgewinn. Laut "ESPN" war es die schlechteste Completion Percentage in einer ersten Halbzeit in Bradys Karriere. 

Und das gegen eine Defense, die im Schnitt 374 Yards Raumgewinn pro Spiel zulässt - nur fünf Teams sind NFL-weit schlechter. Das Aufbäumen im vierten Viertel, in dem die Belichick-Mannschaft 13 Punkte erzielte, kam viel zu spät.

Wird Tom Brady jetzt also doch "alt"? Der 42-Jährige verriss vereinzelt Würfe und traf einige schlechte Entscheidungen, die man von ihm so nicht gewohnt ist. Laut den "NFL Next Gen Stats" warf er in den letzten zwei Spielen 29 Prozent seiner Bälle in enge Deckung - zum Beispiel bei seiner Interception, als er den Ball zu Rookie N'Keal Harry warf, der eng gedeckt war. In den ersten zehn Spielen waren es im Schnitt nur zwölf Prozent.

Dem Passpiel der Patriots fehlen echte Waffen

Doch die Probleme nur am Quarterback festzumachen, wäre zu kurz gegriffen. Die Offensive Line hat in dieser Spielzeit immer wieder mit Verletzungen zu kämpfen und präsentiert sich dementsprechend inkonstant. Gegen Houston machten die Brady-Beschützer ihre Sache eigentlich gut. Laut den "NFL Next Gen Stats" hatte Brady durchschnittlich 3,4 Sekunden, um den Ball loszuwerden - so viel Zeit hatte er in den letzten drei Jahren noch nie.

Doch ein weiteres, bekanntes Problem der Patriots trat wieder zu Tage. Es fehlt an Waffen auf den Receiver-Positionen. Mit Ausnahme von Bradys Lieblingsziel Edelman und Running Back James White, konnten sich die Patriots-Passempfänger kaum von ihren Verteidigern lösen und sich Freiraum verschaffen. Nimmt man Whites 79 Rushing Yards dazu, dann zeichnete sich das Duo Edelman-White verantwortlich für 283 der 458 Yards der Offense verantwortlich. Diese Abhängigkeit macht Brady und Co. ausrechenbar.

Die Frustration des sechsmaligen Champions mit seinen Teamkollegen war klar ersichtlich. Immer wieder schimpfte er mit seinen Receivern, wenn diese seine Anweisung nicht befolgt hatten. Es ist kein Zufall, dass gerade jetzt die Gerüchte um ein Comeback von Antonio Brown lauter werden.

Sind mobile Quarterbacks das Kryptonit der Patriots-Defense? 

Und selbst bei der Defense, dem Prunkstück der aktuellen Patriots-Saison, gibt es Anlass zur Sorge. Nur zwei Quarterbacks konnten in dieser Saison Siege gegen New England einfahren - Lamar Jackson und eben Deshaun Watson. Was haben beide gemeinsam? Beide sind athletische, moderne Quarterbacks, die sehr mobil in der Pocket sind und auch mal für einen langen Lauf ausbrechen können. Kann der gegnerische Spielmacher dem Pass Rush entgehen und sich Zeit erkaufen, bekommt auch die Secondary um Star-Cornerback Stephon Gilmore Probleme.

 

In den ersten elf Spielen ließ der Titelverteidiger nur vier Passing Touchdowns zu, so viele erzielte Watson in einem Spiel. Jackson thront mit den Ravens an der Spitze der AFC, die Texans führen ihre Division an -  ein Wiedersehen in den Playoffs, zumindest mit einem der beiden Quarterbacks, ist gut möglich.

Die Bills sind in der AFC East in Lauerstellung

Aktuell ist sogar der Division-Titel in Gefahr: Die Buffalo Bills haben nur einen Sieg weniger auf dem Konto als New England - und kommen in Woche 16 zum Gastspiel nach Foxborough. Eine Saison, an deren Ende nicht die Patriots an der Spitze der AFC East stehen - für viele Fans kaum vorstellbar. Zuletz gab es das 2008.

Wenn die Patriots im Februar in Miami doch wieder die Vince Lombardy Trophy in den Nachthimmel recken, wäre wohl niemand wirklich überrascht. Kaum einer versteht es besser, Playoff-Spiele vorzubereiten und auch zu gewinnen, als das Duo Brady-Belichick. 

Noch haben die Patriots genug Zeit, an ihren Schwächen zu arbeiten. Doch der Motor stockt schon eine ganze Weile und Besserung ist derzeit nicht wirklich in Sicht. Aber es wäre ja nicht das erste Mal, dass "totgesagte" Patriots am Ende dann doch wieder besser sind als alle anderen 31 NFL-Teams.   

Julian Huter

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