Quarterback-Rating: 90,6 - Bildquelle: Getty ImagesQuarterback-Rating: 90,6 © Getty Images

München - New England Patriots Quarterback Tom Brady wirkt sichtlich enttäuscht, als er das Podium betritt. Übliche Floskeln, wie: "Ja, wir müssen präziser arbeiten und trainieren" oder "wir können es besser" werden abgespult. Nach knapp zwei Minuten bedankt er sich bei den Reportern und verlässt den Raum.

 

Betrachtet man nur die Pressekonferenz, würde man denken, die "Pats" hätten die Partie gegen die Eagles zuvor verloren. Doch sie gewannen 17:10 - der neunte Sieg im zehnten Spiel. Und dennoch ist niemand bei den Patriots wirklich zufrieden. 

Defensive glänzt

Denn beim Sieg in Philadelphia geht die Defensive der Patriots, wie so oft in dieser Saison, als großer Gewinner vom Platz. Gegen die Eagles-Offensive um Quarterback Carson Wentz liefert die Defensivabteilung von Head Coach Bill Belichick erneut ab. Fünf Sacks und ein erzwungener Fumble stehen nach dem Abpfiff im Arbeitsnachweis der Abwehrreihe. 

Angetrieben von einem unnachgiebigen Pass-Rush bildet die Defensive in der aktuellen Saison den Motor für das Patriots-Team. In zahlreichen Kategorien wie Turnover, Sacks oder zugelassene Punkte, zählt sie zu den Besten der Liga. 

Baustellen in der Offensive

Auf der anderen Seite des Balles offenbaren sich gegen die Defense der Eagles aber viele Schwachstellen. Brady bringt 26 seiner 47 Pässe für 216 Yards an. Seine 14 Incompletions in der ersten Halbzeit sind ein neuer Karrierehöchstwert. Weil die Patriots nur fünf der 16 Third-Down-Versuche in einen neuen ersten Versuch ummünzen, wird der Punter acht Mal aufs Feld geschickt. 

 

Grund dafür ist auch, dass das Laufspiel mit Running Back Sony Michel nicht ins Rollen kommt. Der 24-Jährige soll als Entlastung für Brady dienen. Gegen Philadelphia erläuft er 33 Yards. Es scheint, als hätte die Defensivabteilung von Eagles Head Coach Doug Pederson es sich zur Aufgabe gemacht, die Baustellen der "Pats" offen zulegen. 

Denn Bradys Konzept sieht seit Jahren vor: Kurze Pässe auf flinke, dynamische Spieler (z.B. Receiver Julian Edelman oder Running Back James White), die mit dem Ball Yards sammeln. Im Idealfall marschieren die Patriots so das gesamte Feld, Stück für Stück, runter. 

Eagles fordern Brady 

Die Eagles antworteten mit einer kompakten Defensive, lauerten auf die kurze Pässe und hielten das Laufspiel in Schach. Das Resultat: Brady wurde "gezwungen" lange Pässe zu werfen. Der 42-Jährige gerät in dieser Saison besonders bei tiefen Pässen in Schwierigkeiten. Viele seiner langen Würfe sind ungenau und des Öfteren hatte Brady schlichtweg Glück, dass er keine Interception warf. 

Es hilft dem sechsfachen Super-Bowl-Champion sicher nicht, dass die Offensive Line schwächer ist als im letzten Jahr. Der Abgang von Right Tackle Trent Brown vor der Saison, gepaart mit den Ausfällen von Left Tackle Isaiah Wynn und Center David Andrews sorgen für mehr Druck auf Brady. 

Verbesserung in Sicht?

Für Entlastung könnten Rookie-Receiver N'Keal Harry und Wynn sorgen. Beide verletzen sich zu Beginn der Saison. Harry lief gegen die Eagles auf, fing drei Pässe für 18 Yards und bot Brady eine große, schnelle Anspielstation. Wynn sollte bei seiner Rückkehr für mehr Stabilität auf der Left-Tackle-Position sorgen. Er trainiert mittlerweile wieder und könnte im nächsten Spiel gegen die Dallas Cowboys sein Comeback feiern.

Brady zählt weiterhin zu den besseren Quarterbacks der Liga, seine Erfahrung und Spielintelligenz sind unangefochten. Bei der einzigen Saisonpleite der Patriots gegen die Baltimore Ravens zeigte sich jedoch, dass ein offener Schlagabtausch nicht mehr auf der Tagesordnung stehen sollte. 

Die "Pats" nehmen weiterhin Kurs auf die Playoffs und führen ihre Division mit einer 9-1 Bilanz an. Mit der überragenden Defensive muss Brady das Spiel leiten, Turnover vermeiden und Zeit von der Uhr nehmen. Gelingt ihm das nicht, könnte es mehr Floskeln auf zwei-minütigen Pressekonferenzen geben, dann aber auch nach Niederlagen.

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