München/Minneapolis - Rache befreit die Seele, soll sehr süß sein und Genugtuung bringen. Sie gilt aber auch als niederträchtig, als ein schlechter Ratgeber. Rachsucht soll sich bisweilen sogar rächen. So oder so: Diese emotionale Form der Psychologie wird als Begriff im Sport oft strapaziert.

Und klar ist: Die Vorgeschichte der Minnesota Vikings und der New Orleans Saints liefert vor der Divisional Round am Sonntag (ab 22.25 Uhr live auf ProSieben und auf ran.de) eine Steilvorlage. Sie sorgt für eine Menge Würze, für Brisanz, vielleicht eben auch für einige Rachegedanken, mindestens aber zahlreiche Revanchegelüste.

Nur noch drei Spieler dabei

Auch wenn beim ersten Playoff-Treffen nach dem denkwürdigen Championship Game 2009 nicht einmal mehr eine Handvoll Spieler von damals dabei sind. An jenem 24. Januar 2010 hatten die Saints die Vikings 31:28 in der Overtime bezwungen.

Ein Thriller.

Allerdings einer, der bereits damals für erhitzte Gemüter sorgte. Viele Vikings-Spieler hatten den Saints vorgeworfen, regelrecht Jagd auf ihren Quarterback-Superstar Brett Favre gemacht zu haben. Die Saints gewannen später auch den Super Bowl.

Ermittlungen führten schließlich zum "Bountygate": Im Mittelpunkt: Die Saints. Dort war Geld in einem Topf gesammelt worden, um Prämien für besonders folgenreiche Tackles zahlen zu können. "Kopfgeld" für ein vorzeitiges Favre-Aus in erwähntem Playoff-Spiel: 10.000 Dollar.

Unter anderem für jenen Vorfall und seine Verwicklung in "Bountygate" wurde Head Coach Sean Payton für die komplette Saison 2012 gesperrt.

Er ist einer der wenigen Protagonisten des Skandal-Spiels, die auch am Sonntag noch dabei sein werden. Im Roster der beiden Teams sind es exakt drei: Brian Robison ist der einzige Viking, bei den Saints sind es Quarterback Drew Brees und Punter Thomas Morstead.

"Uns bedeutet das nichts"

"Ich höre die ganze Zeit, dass es ein 'Rachespiel' sein wird, dass wir die Chance zur Revanche erhalten. Uns bedeutet das nichts. Wir wollen nur ein Spiel gewinnen", sagt Vikings-Receiver Jarius Wright. Selbst für Robison ist 2009 "lange her". Es dürfte also vor allem auf den Tribünen heiß her gehen, viele Vikings-Fans haben das Spiel und die Nebengeräusche nicht vergessen.

Fakt ist zudem: Das Heimspiel gegen die Saints ist eines von zwei Partien, die das Team gewinnen will, um bereits vor dem großen Finale etwas Historisches zu schaffen: Als erste Franchise den Super Bowl im heimischen Stadion zu spielen.

"Die Spieler begreifen die Bedeutung dieses Spiels und wissen, dass die Saints ein verdammt starker Gegner sind", sagt Minnesotas Head Coach Mike Zimmer. Er saß 2009 als Defensive Coordinator der Cincinnati Bengals neutral auf der Tribüne.

Rache ist deshalb auch bei ihm ganz weit weg. Immerhin liefert das Spiel auch so zahlreiche Geschichten.

Viele andere Geschichten

Brees erlebt im Herbst seiner Karriere seinen x-ten Frühling, genießt in Alvin Kamara und Mark Ingram das wohl gefährlichste Running-Back-Duo der Liga. Kann die Vikings-Defense ihn stoppen? Immerhin war es die beste Defense der Regular Season.

 

Allerdings sind seine Zahlen gegen die Vikings beeindruckend. Sogar mehr als das. Aus den letzten fünf Duellen ging er vier Mal als Sieger hervor, brachte 130 seiner 179 Passversuche an den Mann, was einer Passquote von 72,6 Prozent entspricht, warf 12 Touchdowns und 1430 Yards bei keiner Interception.

Lebt Brees' Traum vom Super Bowl also weiter?

Sein Gegenüber Case Keenum hat sich bei den Vikings zum echten Anführer entwickelt. Gehört er auch zu den ganz Großen? Gewinnt Vikings-Coach Mike Zimmer sein erstes Playoff-Spiel als Head Coach oder Coordinator? Seine Bilanz von 7 Niederlagen in 7 Spielen - 0-1 als verantwortlicher Trainer der Vikings - ist niederschmetternd.

Oder: Kasim Edebali blieb bei den Saints am vergangenen Wochenende noch außen vor. Bekommt der Linebacker bei den Vikings vielleicht jetzt seine Chance?

Um nur ein paar Highlights zu nennen.

Wer braucht da noch Rache?

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