Jameis Winston (links) und Taysom Hill (rechts) kämpfen um die Nachfolge von...Jameis Winston (links) und Taysom Hill (rechts) kämpfen um die Nachfolge von Quarterback-Ikone Drew Brees ©

München / New Orleans - Mit 41 Jahren hat Drew Brees noch immer nicht genug. Im März unterschrieb der Quarterback einen neuen Zwei-Jahres-Vertrag über 50 Millionen US-Dollar. Dennoch könnte 2020 die letzte Spielzeit seiner langen Karriere sein.

Sein Ziel: der zweite Super-Bowl-Sieg.

Die Saints befinden sich noch immer im Titelfenster. Der ohnehin schon starke Kader wurde mit weiteren Top-Spielern wie Safety Malcolm Jenkins (zuletzt Philadelphia Eagles) oder Wide Receiver Emmanuel Sanders (San Francisco 49ers) weiter aufgewertet.

Während Brees nach der Vince Lombardi Trophy strebt, liegen die Prioritäten seiner Backups womöglich anders. Sie wollen vor allem eins: die Nachfolge von Brees antreten.

Die Voraussetzungen der Kandidaten könnten kaum unterschiedlicher sein.

Jameis Winston: Der fehleranfällige Passing-Leader

Da wäre einmal Jameis Winston - der Nummer-1-Pick aus dem Jahre 2015. Winston brannte im Dienst der Tampa Bay Buccaneers Jahr für Jahr ein Passing-Feuerwerk ab. Vergangene Spielzeit war er mit 5.109 Yards sogar der Passing-Leader der NFL.

Sein Problem: die Fehleranfälligkeit.

Allein in der vergangenen Saison warf er 30 Pässe in gegnerische Hände, ist somit der "Intereption-König" der Liga.

Taysom Hill: Die Allzweckwaffe  

Sein Kontrahent ist Taysom Hill. Ein Quarterback, der vorwiegend als Allzweckwaffe dient.

Laufen, fangen, blocken - es gibt praktisch nichts, was Hill nicht kann. Nur werfen durfte er bislang wenig. Gerade einmal sechs angekommene Pässe hatte er in seinen insgesamt drei Spielzeiten zu verbuchen.

Kurios: Winston warf durch seine Interceptions mehr Bälle zu Spielern von New Orleans als Hill dies in seinen drei Jahren bei den Saints tat - nämlich zehn. 

Trotz seiner mangelnden Erfahrung als Passgeber glaubt Hill an seine Chance.

"Ich weiß, was es braucht, um ein guter Quarterback zu sein", sagt der 29-Jährige. "Ich hatte die Gelegenheit, von Drew zu lernen. Ich denke, was einen großartigen Quarterback ausmacht, ist die Entscheidungsfindung, die Genauigkeit und die Armstärke. Ich habe die Fähigkeit, all dies auf hohem Niveau zu tun."

Hill trotzt den Vorurteilen

Die Vorurteile vieler Experten verunsichern ihn nicht: "Viele Leute kritisieren meine geringe Anzahl an Pässen oder die Abschlüsse. Aber letztendlich muss man sich nur meine Karriere anschauen: Ich habe immer mein Bestes gegeben und jede Gelegenheit genutzt."

Hill stellt klar: "Dass ich nur 13 Bälle geworfen habe, sagt nichts darüber aus, wozu ich in der Lage wäre. Ich fühle mich in diesem Spielsystem wohl und vertraue auf das System von unserem Trainer Sean Payton."

Payton unterstützt die Hoffnung von Hill, indem er sagt: "Wir sehen ihn definitiv als Quarterback."

Klar ist aber auch: Hinsichtlich der Erfahrung als Spielmacher ist Winston gegenüber Hill deutlich im Vorteil. Den sechs erfolgreichen Pässen von Hill stehen 1563 angekommene Bälle von Winston gegenüber.

Doch ist Winston dazu in der Lage, seine Fehleranfälligkeit abzustellen?

Nicht nur die Anzahl der Interceptions (88 in fünf Spielzeiten) ist erschreckend. Dass er vergangene Saison nur 60,7 Prozent seiner Pässe ans Ziel brachte, spricht ebenfalls gegen ihn.

Winston weiß, dass er an diesem Defizit arbeiten muss: "Ballsicherheit ist das Wichtigste auf dieser Position. Ich werde an allen Aspekten meines Spiels arbeiten."

Winston unterbezahlt, Hill überbezahlt?

Eines ist sicher: Aus finanziellen Gründen hat sich Winston nicht für die Saints entschieden.

Kassierte der 26-Jährige 2019 in Tampa Bay mit der 5th-Year Option noch 20,9 Millionen US-Dollar, hat er in New Orleans einen Ein-Jahres-Vertrag über 1,1 Millionen US-Dollar unterschrieben.

Damit ist er weitaus schlechter bezahlt als Hill, der beachtliche 16,3 Millionen Dollar verdient.

Winston hätte laut eigener Aussage bei anderen Teams mehr Geld kassieren können. Warum er sich trotzdem für die Saints entschied? "Wir haben in Drew Brees einen Hall of Fame-Quarterback und in Sean Payton einen zukünftigen Hall of Fame-Trainer. Das ist sehr faszinierend für einen jungen Quarterback wie mich", antwortet er.

Der als extrovertiert geltende Spielmacher weiß, dass er sich in New Orleans zunächst unterordnen muss. Er ist ein Fan von Brees, holte sich im Alter von zwölf Jahren sogar ein Autogramm von ihm.

Vom Skandal-Profi zum Familienvater: Die Wandlung von Jameis Winston

Möglicherweise hilft ihm auch seine persönliche Entwicklung: Produzierte Winson in früheren Jahren einige negative Schlagzeilen (Vorwurf der Vergewaltigung, Ladendiebstahl, sexuelle Belästigung einer Uber-Fahrerin), scheint er nun privat angekommen zu sein.

Winston heiratete in der Offseason seine langjährige Freundin Breion Allen und hat einen einjährigen Sohn. "Ich habe zu meinem Glauben gefunden", sagt der Christ über seinen Lebenswandel. Zudem ließ er sich die Augen lasern, um schärfer sehen zu können.

Und was muss er nun tun, um sich in New Orleans zu etablieren? "Ich muss ein großartiger Teamkollege sein, der Mannschaft dienen und jeden Tag an mir arbeiten", antwortet er.

Winston freut sich auf die Zusammenarbeit im Quarterback-Room. "Ich bin gespannt, wie der Raum funktioniert", sagt er. "Wie geht Coach Payton Woche für Woche vor? Wie arbeitet Drew? Und wie agiert Taysom in diesem Raum?"

Sicher ist nur eines: In diesem Raum sorgen drei völlig unterschiedliche Spielmacher für eine herrlich verrückte Quarterback-Situation. 

Oliver Jensen

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