In den Playoffs verließ Drew Brees und seine New Orleans Saints oftmals das ... - Bildquelle: imago images/ZUMA PressIn den Playoffs verließ Drew Brees und seine New Orleans Saints oftmals das Glück © imago images/ZUMA Press

München/New Orleans - Drew Brees spielt seit dem Jahr 2001 in der NFL, ist seit 2006 das Gesicht der New Orleans Saints und warf die meisten Touchdown-Pässe in der Geschichte der NFL. Eigentlich müsste der 40-Jährige sofort mit genannt werden, wenn über den besten Quarterback der Geschichte diskutiert wird.

Stattdessen aber sind Tom Brady, Joe Montana oder Peyton Manning bei solchen Diskussionen die üblichen Verdächtigen. Brees wird oft vergessen, weil er gegenüber den anderen großen Spielmachern ein Manko hat: Er gewann "nur" einen Super Bowl. Und das ist bereits zehn Jahre her.

 

Warum nicht mehr Trophäen zustande kamen? Ganz einfach: Weil die New Orleans Saints seitdem unter einem eigenartigen Playoff-Fluch leiden. K.O.-Spiele gehen Jahr für Jahr sehr knapp und oftmals auf kuriose Art verloren.

In den vergangenen beiden Spielzeiten scheiterten die Saints in der allerletzten Sekunde an ihrem jeweiligen Gegner. Doch der Playoff-Fluch existiert schon länger: Die letzten fünf verlorenen Playoff-Spiele, die sich seit Januar 2011 ereigneten, waren allesamt sogenannte One-Score-Games.

Das bedeutet: Die Saints unterlagen stets mit acht Punkten oder weniger. Ein Touchdown, notfalls in Verbund mit einer Two Point Conversion, hätte genügt, um das Spiel zu drehen oder sich zumindest in die Overtime zu retten.

Der No Call gegen die Saints

Das unglücklichste (oder besser gesagt ungerechteste) Playoff-Aus ereignete sich vergangene Saison im NFC Championship Game gegen die Los Angeles Rams. Die Unparteiischen übersahen in der Schlussphase ein klar ersichtliches Pass Interference von Rams-Verteidiger Nickell Robey-Coleman an Tommylee Lewis.

Hätten die Schiedsrichter den Regelverstoß erkannt, hätten die Saints ein weiteres First Down bekommen und das Spiel vermutlich gewonnen. Stattdessen ging es in die Overtime, wo Brees eine Interception warf und die Rams per Field Goal gewannen.

 

Der Schock in New Orleans war groß. "We were robbed" (Wir sind beklaut worden, Anm.d.Red) zeigte eine elektronische Stautafel auf einem Highway im Großraum New Orleans an - und sprach damit allen Saints-Fans aus der Seele.

Der berühmte "No Call" ging als Skandal in die NFL-Geschichte ein. Die Folge war unter anderem eine Regeländerung. Diese Saison wäre die Pass Interference in der Schlussphase noch einmal per Video überprüft worden.

Das "Minnesota Miracle" gegen die Vikings

Regelkonform, aber ähnlich kurios, verlief das Playoff-Aus der New Orleans Saints eine Saison zuvor. Es war der 14. Januar 2018, als die "Heiligen" bei den Minnesota Vikings in der Divisional Round antraten.

 

Die Mannschaft von Head Coach Sean Payton ging 25 Sekunden vor Spielende per Touchdown mit 24:23 in Führung. Doch auch damals hatte New Orleans das Pech gepachtet: Zehn Sekunden waren noch auf der Uhr, als der damalige Vikings-Quarterback Case Keenum an der eigenen 39-Yard-Linie den Ball entgegennahm. Er schleuderte den Football auf die rechte Spielfeldseite in die Arme von Wide Receiver Stefon Diggs. Saints-Safety Marcus Williams verpasste auf tölpelhafte Art das Tackling, sodass Diggs bei ablaufender Spieluhr in die Endzone lief.

Auch dieses Spiel bekam einen Namen: das "Minnesota Miracle".

Mit gesenkten Köpfen schlichen die Spieler der Saints vom Spielfeld. Dann ereignete sich der Gipfel der Demütigung: Sie wurden darauf aufmerksam gemacht, noch einmal auf das Feld zu müssen, sodass die Vikings ihren (völlig bedeutungslosen) Extra-Punkt ausführen können.

Auch dies führte zu einer Regeländerung: Der Extra-Punkt nach einem Game-Winning Touchdown wurde abgeschafft.

Die vorherigen Playoff-Niederlagen waren zwar nicht ganz so kurios, trotzdem aber sehr knapp. Zweimal scheiterten die Saints an den Seattle Seahawks – in der Saison 2010 mit 36:41, in der Saison 2013 mit 15:23 – einmal in der Saison 2011 mit 32:36 an den San Francisco 49ers.

Revanche gegen die Vikings am Sonntag?

Im erneuten Aufeinandertreffen mit den Minnesota Vikings (ProSieben MAXX und ran.de übertragen am Sonntag live ab 18 Uhr) wäre für Brees und die Saints der richtige Zeitpunkt gekommen, um den Playoff-Fluch zu durchbrechen.

Denn eines ist klar: Allzu häufig wird Brees nicht mehr die Möglichkeit haben, in den Super Bowl einzuziehen und sich mit einem zweiten Titelgewinn unter den Legenden des Sports einzureihen. Vielleicht ist es nun sogar die letzte Chance. Der Spielmacher wird am 15. Januar 41 Jahre alt. Bereits nach dieser Saison könnte er aus dem Vertrag aussteigen und seine Karriere beenden.

Kürzlich verriet Brees, dass ihm im Jahre 2017 erstmals richtig bewusst wurde, dass sich sein Karriereende nähert. Seitdem würde er nur noch von Jahr zu Jahr denken: "Ich spiele seitdem immer so, als ob die Saison meine letzte wäre. Ich bleibe in dem jeweiligen Moment und genieße jeden einzelnen davon."

Brees über Playoff-Fluch: "Gott hat einen Plan"

Die Playoff-Niederlagen aus den vergangenen beiden Spielzeiten seien für Brees zwar schmerzhaft gewesen. "Aber ich glaube auch, dass Gott einen Plan hat. Und dieser bringt uns alle zusammen, macht uns stärker und bringt uns dazu, das zu tun, was wir in Zukunft eben tun werden", fügt er hinzu.

Trotz seines Alters und seiner zwischenzeitlichen Handverletzung legt Brees eine überragende Saison hin. Um genau zu sein: Von seinem Quarterback-Rating (116,3) her spielt er die beste Saison seiner Karriere.

Der Benjamin Button der NFL

In den USA hat er bereits den Spitznamen Benjamin Button, weil er ähnlich wie Brad Pitt in dem besagten Hollywood-Film von Jahr zu Jahr jünger (oder zumindest besser) zu werden scheint.

Brees erklärte, dass er mit seinen 40 Jahren nicht versuchen würde, nur "irgendwie durchzuhalten". Stattdessen arbeitet er daran, sich von Jahr zu Jahr "weiter zu verbessern." Der Plan scheint aufzugehen.  

Gedanken darüber, seine Karriere Anfang Februar mit dem zweiten Super-Bowl-Sieg zu beenden, macht er sich angeblich nicht. "Ich bleibe bei meiner Grundhaltung: Jede Woche ist das wichtigste Spiel der Saison", sagt er.

Zumal jede Woche die Möglichkeit besteht, den Playoff-Fluch zu durchbrechen.

Oliver Jensen

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