Fumbles, wie hier im vergangenen Jahr gegen die Los Angeles Rams, charakteri... - Bildquelle: imago images/ZUMA WireFumbles, wie hier im vergangenen Jahr gegen die Los Angeles Rams, charakterisieren die Karriere von Daniel Jones. © imago images/ZUMA Wire

New York/München - Es sind noch 2:58 Minuten im dritten Quarter zu spielen, die New York Giants stehen an der 22-Yard-Linie der Denver Broncos. Die Gäste aus Colorado klammern sich an eine 17:7-Führung, die "G-Men" können die nächsten Punkte schon riechen.

Quarterback Daniel Jones täuscht die Ballabgabe zu Running Back Saquon Barkley an, liest die Defense der Broncos und entkommt dem Druck des Pass Rushes durch eine kleine Lücke in der Pocket. 

Die First-Down-Markierung ist zum Greifen nah, Jones wirft sich mit dem Kopf voran zwei Verteidigern entgegen und - verliert das Ei aus seinen Händen. Ein Raunen geht durch das vollbesetzte "Metlife Stadium". 

Während eine Jubeltraube aus weißen Trikots den Turnover bejubelt, verlässt Jones mit hängendem Kopf das Feld.

 

Turnover als Anfang vom Ende

Spielzüge dieser Art sind für die Fans der New York Giants keine Überraschung mehr. Fumbles, dazu meist noch in ungünstigen Situationen, charakterisieren die noch junge Karriere des 24 Jahre alten Signal Callers.

Gegen die Broncos fabrizierte Jones seinen dreißigsten Ballverlust im 28 Spiel - ein rekordverdächtiger Wert: Seitdem Quarterback-Fumbles offiziell als Statistik gewertet werden (1994), verzeichnete nur Tony Banks mehr verloren gegangene Bälle in diesem Zeitraum (34) als der Erstrundenpick aus dem Jahr 2019.

Der Turnover markierte am Sonntag in Week 1 den Anfang vom Ende des Giants-Auftakts in die neue Saison: Während die Broncos noch zehn Punkte nachlegen konnten, brauchte die Offensive um Jones bis zur letzten Sekunde, um ihren zweiten Touchdown zu erzielen. 

Besserung ja - aber wann?

"Es geht hier nicht um einen Spieler", verdeutlichte Head Coach Joe Judge nach der 14:27-Niederlage gegenüber den Pressevertretern und stellte sich so schützend vor seinen jungen Star. "Wir haben buchstäblich noch eine ganze Saison vor uns."

"Ich muss einfach den Ball besser schützen und ihn enger bei mir halten. Es ist natürlich ein Bereich, in dem ich mich verbessern muss", gestand Jones nach dem Spiel. 

Gerade Jones' Aussagen dürften für Stirnrunzeln bei den Anhängern der Giants sorgen.

In seiner dritten Saison ist die Ball-Protection noch immer das große Thema bei dem 24-Jährigen - wann soll sich das noch bessern?

Sacks bringen Jones aus dem Rhythmus  

Gleiches gilt für die Pocket Awareness des Spielmachers, also seine Fähigkeit, Druck in der schützenden "Tasche" (hier geht's zum ran NFL-Lexikon) zu erkennen und in der Folge die richtige Entscheidung zu treffen. 

Immer wieder fällt auf, dass Jones vom gegnerischen Pass Rush geradezu überrascht wird oder fast schon auf einen entsprechenden Sack "wartet".

Die mitunter sehr durchwachsenen Leistungen seiner O-Line tragen ihren Teil zu dieser Handlung bei. Oftmals sind es gerade diese Sacks, die für einen Großteil der Fumbles verantwortlich sind. 

Glaubt man dem Statistik-Portal "ProFootballReference" kassierte der 24-Jährige in seinen 28 Spielen bereits 85 Sacks und damit drei pro Partie. Die fehlende Sicherheit in der Pocket, die für einen fast reinen Passgeber wie Jones von immenser Bedeutung ist, dürfte zu den chaotischen Auftritten im Trikot der Giants beitragen.

Diese Tatsache spiegelt sich auch in seiner ernüchternden Bilanz wieder: In 27 Spielen als Starting-Quarterback konnte "Danny Dimes" nur acht Siege einfahren.

Keine Ausreden mehr

Diese "Schönheitsfehler" sind in der dritten Saison ein eklatantes Problem. Klammert man die Fumbles und Sacks aus, müsste Jones spätestens in diesem Jahr den Schritt zum Franchise-Quarterback - inklusive Playoff-Teilnahme - vollziehen.

Mit Star-Receiver Kenny Golladay, der Rückkehr von Running-Back-Ass Saquon Barkley und Pro-Bowl-Tight-End Evan Engram steht dem 24-Jährigen ein beeindruckendes Offensiv-Arsenal zur Seite, das nur darauf wartet, von ihm gefüttert zu werden.

254 Passing Yards verbuchte Jones gegen die Broncos, dazu einen Touchdown durch die Luft und am Boden. Die Ansätze zum Erfolg sind da, nur an der Umsetzung happert es derzeit noch.

Fans sehnen sich nach Erfolg

Andere Jungstars auf der Quarterback-Position, wie Kyler Murray und Justin Herbert, konnten mit einem ähnlichen Kader ihr Potenzial bereits entfalten und vermitteln derzeit ein vielversprechenderen Eindruck als Daniel Jones. 

 

Bills-Quarterback Josh Allen etablierte sich auch erst in seiner dritten Spielzeit als Top-Spielmacher, führte Buffalo im Jahr zuvor allerdings in die Playoffs. Ein solcher Quantensprung würde die Bedenken mit einem Mal zunichte machen. 

Als Nachfolger des legendären Patriots-Bezwingers Eli Manning lastet zudem ein enormer Druck auf dem großgewachsenen Passgeber. Seit 2016 warten die Anhänger der Giants auf eine Rückkehr in die Playoffs - und dort ist ja bekanntlich alles möglich. 

Gerade in einem nervösen Medienmarkt wie New York tickt die Uhr deshalb schnell - ein Blick zum grünen Stadtrivalen aus der AFC-East dürfte das klar machen.

Wiedergutmachung gegen Washington?

Gegen das Washington Football Team eröffnen die Giants in der Nacht zu Freitag (die Highlights des Thursday Night Games am Freitagmorgen auf ran.de) den 2. Spieltag der laufenden Saison.

Die Partie gegen den Divisionsrivalen ist bei weitem noch kein "Jetzt-oder-nie"-Spiel, dennoch könnte es schon einen richtungsweisenden Charakter haben.

 

Die Abwehrreihen des Football Teams zählten schon in der abgelaufenen Saison zu den Besseren in der NFL und könnte Jones durchaus vor Probleme stellen.

Nach dem enttäuschenden Auftritt gegen Denver wird der 24-Jährige alles daran setzen, seine Status als Gesicht der Giants zu unterstreichen. Das kleine Ei aus Leder soll ihm diesmal nicht von der Seite weichen.

Tom Offinger

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