Quarterback Eli Manning fällt für die Giants-Offensive zu wenig ein - Bildquelle: Getty ImagesQuarterback Eli Manning fällt für die Giants-Offensive zu wenig ein © Getty Images

München/New York – Die Hoffnung auf einen Neustart währte bei den New York Giants nur kurz: Nach dem verbesserten Auftritt bei der 31:33-Niederlage gegen die Carolina Panthers regierte gegen die Philadelphia Eagles wieder das Chaos. Im eigenen Stadion gingen die Giants mit 13:35 unter. Mit einem Sieg und fünf Niederlagen steht die schlechteste Bilanz der NFL zu Buche. 

Auffälligster Akteur in den Zeiten der Krise ist Odell Beckham Jr. - allerdings selten auf dem Feld. Gegen die Eagles sorgte er wenige Sekunden vor dem Ende der ersten Halbzeit für einen der Aufreger: Beim Stand von 6:24 verschwand er vorzeitig in Richtung Kabinengang. Die Giants kamen noch zu einer Offensivaktion ohne ihren besten Wide Receiver.

 

"Die Halbzeit ist in Wahrheit nur fünf oder zehn Minuten lang. Ich habe nur ein paar Sekunden gutgemacht, um eine Infusion zu bekommen. Mehr ist da nicht dran", erklärte der 25-Jährige seinen verfrühten Abgang. Head Coach Pat Shurmur bestätigte den Vorgang, blickte auf der Pressekonferenz bei der Antwort aber stur auf sein Pult und wirkte etwas angefasst.

Beckham Jr. attackiert Manning

Es war nicht die einzige Aktion von Beckham Jr., die zuletzt für Schlagzeilen sorgte. Während des Spiels schlug er seinen Kopf an einen Ventilator am Spielfeldrand. "Ich kenne keine andere Möglichkeit, mich selbst anzutreiben", sagte Beckham Jr. dazu. Der Wide Receiver ist durchaus dafür bekannt, gerne einen theatralischen Auftritt hinzulegen. Seinen Frust ließ er schon unter der Woche vor der Partie gegen die Panthers freien Lauf. In einem Interview mit "ESPN" griff er seinen Quarterback Eli Manning an. 

"Ich bekomme keine 20 Targets wie andere Receiver", beschwerte er sich. Sein Vorwurf: Manning setzt ihn zu selten in Szene. Allerdings hat sein Vorwurf nach dem Spiel gegen Philly kein Fundament. Denn OBJ ist der Receiver mit den meisten Targets in der NFL (69). Antonio Brown und Adam Thielen stehen jeweils bei 66, DeAndre Hopkins bei 57 und Julio Jones wurde bislang "nur" 55 Mal angeworfen. 

 

Zahlen belegen Kritik an Manning 

Der Top-Spieler der New York Giants kommt mit 45 Receptions (Platz vier in der NFL) auf 506 Yards, damit steht er auf Platz fünf in der Liga. Warum also ist der 25-Jährige so frustriert? Zwar könne Manning den Ball immer noch werfen, erklärte Beckham Jr. bei seinem Rundumschlag, allerdings sei der Quarterback zuletzt zu sehr "auf Sicherheit und auf flache Routen" bedacht gewesen. Beckham forderte damit mehr Pässe ins offene Feld von Manning.

Diesmal gibt ihm die Statistik Recht: Bei den Receptions über mehr als 40 Yards liegen 55 Wide Receiver vor Beckham Jr., bei den Receptions über mehr als 20 Yards sind 14 Spieler besser. Das ist nicht der Anspruch von Beckham Jr. an seinen Mitspieler und auch nicht an sich selbst. Die Giants können damit nicht zufrieden sein, dass ihr bester Spieler zu selten in die richtigen Positionen gebracht wird. 

Beckham Jr. schiebt zudem Frust, weil er sich "auch ein paar einfache Touchdowns" wünscht. Einmal erst hatte er in dieser Saison den Ball in der Endzone zwischen den Händen. Im Vergleich mit seinen Konkurrenten ist er mit diesem Wert weit abgeschlagen - 47 Wide Receiver waren schon besser. Diese Gemengelage trägt dazu bei, dass Beckham Jr. auch nicht davor stoppte, seinen Quarterback indirekt anzuzählen. "Ist das Problem nicht eine Frage der Zeit?", äußerte Beckham Jr. sich vielsagend über den 37-jährigen Manning.  

Giants-Coach Shurmur ist unzufrieden

Die Leistungen des Quarterbacks frustrieren zuletzt auch Head Coach Shurmur. Gegen die Eagles fing eine Kamera von "Fox" ein, wie er seinen Quarterback anraunzte: "Wirf den Ball." Die Ansage kam, nachdem Manning beim zweiten Versuch und 20 Yards zu gehen sich für einen kurzen Pass entschieden hatte. "Ich bin mir sicher, die Kameras hätten mich ein paar Mal filmen können, als ich wütend war", sagte der Giants-Coach später. Allerdings stärkte er Manning auch den Rücken: "Ich sorge mich nicht um Eli."

In New York fragt sich aber nicht nur Beckham Jr., ob die Zeit des ewigen Mannings, der mit 210 Start-Einsätzen in Folge immer noch den NFL-Rekord hält, bald vorbei ist. Der zweimalige Super-Bowl-Sieger ist nicht so gut gealtert wie ein Tom Brady oder Drew Brees, was ihm nicht zum Vorwurf gemacht werden kann. Doch Mannings Leistungen in dieser Saison sind bisher ernüchternd.

Manning will nach Lösungen suchen

Die Buhrufe im MetLife Stadium nach der Niederlage gegen die Eagles galten vor allem dem Quarterback. "Das ist etwas, das mich nicht beschäftigt", sagte Manning zu der Reaktion der Anhänger und gab sich kämpferisch: "Hey, wir müssen besser Football spielen, das verstehe ich. Wir müssen Lösungen finden, um besser in Situationen zu reagieren und explosiver in der Offensive zu sein." Die Lösung im Angriff zu finden, gehört in Mannings Arbeitsbereich. Zuletzt fand der Quarterback aber immer seltener die richtigen Antworten. Gegen die Eagles reichte es nur für Passer Rating von 66,1. 

 

In der gesamten Spielzeit liegt sein Wert bei 90,9 (Platz 21 unter allen eingesetzten Quarterbacks), doch diese Statistik wird auch durch die Leistungen von Running Back Saquon Barkley aufgewertet. Der Rookie ist zurzeit der einzige Lichtblick in einer desolaten Giants-Offensive und macht pro Spiel durchschnittlich 73 Yards. Damit gehört er zu den zehn besten Running Backs der Liga. Im Draft 2018 wählten die Giants ihn an zweiter Stelle. Allerdings wird diese Entscheidung von manchen hinterfragt. Denn an dritter Stelle wurde in diesem Jahr Sam Darnold von den New York Jets gedraftet. Er ist Quarterback und wäre in der Krise vielleicht eine Alternative zu Eli Manning.

Tim Brack

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