Trevor Siemian geht als Starting Quarterback in die nächsten Wochen bei den ... - Bildquelle: imagoTrevor Siemian geht als Starting Quarterback in die nächsten Wochen bei den New York Jets. © imago

New York/München - Nachdem Sam Darnold wohl mehrere Wochen mit Pfeifferschem Drüsenfieber verpassen wird, bekommt Trevor Siemian abermals die Möglichkeit, sich als Starting-Quarterback in der NFL zu empfehlen.

Ob Siemian selbst geglaubt hat, eine zweite Chance als NFL-Starter zu bekommen? Sehr fraglich. Denn der Quarterback der New York Jets glaubte nicht einmal bei seiner Anmeldung zum NFL Draft 2015 an seine damals erste Chance.

Siemians Plan B lag schon bereit

Eigentlich hatte der in Orlando/Florida geborene Siemian seinen Traum von der NFL schon fast begraben: Parallel zum Draft hatte sich der 1,91-Meter-Mann schon für Jobs als Immobilienkaufmann in Chicago beworben.

Grund dafür: Am Northwestern College war der Student der Kommunikationswissenschaften in vier Jahren nur in 14 Partien Starter des College-Teams. Seine Zahlen (59 Prozent Passquote, 27 Touchdowns, 24 Interceptions) waren im Vergleich zu den Top-Prospects nicht gut genug.

So wurde Siemian von allen Quarterbacks des Draft-Jahrgangs 2015 von "NFLDraftScout.com" nur auf Position 22 gerankt. Nicht zuletzt, weil ihn ein Kreuzbandriss Ende 2014 bei vielen NFL-Teams vom Radar verschwinden ließ.

Aber nicht bei den Denver Broncos: Letztlich schaffte es Siemian als 250. von insgesamt 256 Picks und letzter gedrafteter Quarterback doch noch in die NFL.

Nachfolger von Peyton Manning

In Denver blieb Siemian in seinem Rookie-Jahr für die Öffentlichkeit dann jedoch größtenteils unsichtbar: Nur in sechs Spielen stand er im Broncos-Kader. Im Videospiel Madden NFL 16 hatte er nicht einmal ein eigenes Spielerbild.

Hinter Manning und Backup Brock Osweiler war er die klare Nummer drei. Für den damaligen Nobody galt es, das Playbook der Broncos zu wälzen und im Training die kommenden Gegner zu mimen. So auch vor dem Super Bowl, als er den lauffreudigen Panthers-Quarterback Cam Newton imitieren musste - auch wenn Siemian schon am College kein überragender Runner war. "Ich bin nicht einmal ansatzweise so ein Athlet wie Cam", erinnerte er sich. Immerhin: Am Ende bekam auch Siemian seinen Super-Bowl-Ring.

 

In der 2016er Offseason entwickelte sich für Siemian die Situation schlagartig zum Positiven: Nach Mannings Rücktritt und Osweilers Abgang zu den Houston Texans hatte der Siebtrunden-Pick plötzlich die Möglichkeit, sich den Starting-Job zu erkämpfen. Nach Defiziten beim damaligen Rookie Paxton Lynch und ansehnlichen Leistungen in der Preseason gelang Siemian genau dies.

Schaufenster New York Jets

Doch der Druck auf den jungen Quarterback war zu groß. Denn trotz der starken Defense der Broncos gelang es Siemian nicht, Denver in die Playoffs zu führen. In seiner zweiten und vorerst letzten Saison als Starter machten sich die Limitierungen des 27-Jährigen deutlich bemerkbar. Siemian hatte 2017 mehr Interceptions (14) als Touchdowns (12) auf dem Konto und bestritt sein letztes Spiel für die Broncos gegen die Indianapolis Colts, bei dem er sich eine Schulterverletzung zuzog und damit den Rest der Saison verpasste.

Nach einem einjährigen Zwischenstopp bei den Minnesota Vikings unterschrieb Siemian 2019 einen Vertrag bei den Jets. Früher als er es sich wohl erträumt hätte, bekommt Siemian jetzt also eine erneute Chance sich zu beweisen. Siemian wird intelligent genug sein, um zu wissen, dass Sam Darnold das Gesicht der Franchise ist.

Dennoch bekommt der 27-Jährige zweifelsohne die große Gelegenheit zu zeigen, dass in ihm mehr als nur ein Backup-Quarterback steckt. Siemian wird im kommenden Jahr Free Agent und kann somit richtig absahnen, sollte er seine Qualitäten in den nächsten Wochen unter Beweis stellen. Sein Head Coach Adam Gase macht sich um die Qualitäten von Siemian keine Gedanken. "Trevor wird von der ganzen Mannschaft respektiert. Das ist der Grund, warum wir ihn geholt haben. Er lässt sich nicht so einfach aus der Ruhe bringen", so Gase.

Für seinen ersten Start seit Dezember 2017 bekommt Siemian sofort die größtmögliche Bühne geboten: Die Jets empfangen im prestigeträchtigen Monday Night Game die Cleveland Browns im heimischen MetLife Stadium. Nur eine Woche später warten die New England Patriots auf Siemian und Co.

Sicherlich sind das keine leichten Aufgaben. Eine gute Chance, sich selbst ins Schaufenster zu stellen, ist es aber in jedem Fall.

Emmanuel Sanders: Siemian wie Aaron Rodgers

Doch was zeichnet Siemian eigentlich aus? Neben dem Platz kommt ihm seine umgängliche, entspannte Art zugute. Sein einstiger College-Coach Pat Fitzgerald lobte Siemians "unglaublichen Humor".

Der ehemalige Teamkollege C.J. Anderson beschrieb es wie folgt: "Du schaust ihn an und denkst dir: 'Der Junge hat das gewisse Etwas, das dich auf seine Seite zieht.'" Auch Wide Receiver Emmanuel Sanders hat eine hohe Meinung von Siemian. "Als ich ihn zum ersten Mal erlebt habe, sagte ich zu ihm: 'Du erinnerst mich an Aaron Rodgers und seine Art, mit Dingen umzugehen'", verglich er den unerfahrenen Spielmacher mit dem fünfmaligen Pro-Bowler und Packers-Quarterback.

Aber Siemian zeigte in seiner Zeit in Denver auch in sportlicher Hinsicht, dass er das Zeug für die NFL hat: "Er wirft sehr gut fangbare Pässe", lobte ihn Sanders. Mit 3401 Yards und 18 Touchdowns bei nur zehn Interceptions deutete Siemian bereits an, dass er zumindest das Potenzial eines Game Managers besitzt.

Nutzt Siemian seine Chance?

Doch der letzte Start liegt eben fast 21 Monate zurück. Was hat Siemian noch im Tank? Kann er sein Team gegen starke Gegner im Spiel halten und eine Siegchance bringen?

"Ich muss nur meinen Job erledigen und den Ball in die Endzone bringen. Es ist eigentlich ganz einfach", gibt sich der Quarterback vor dem Spiel gegen die Browns gelassen. Fakt ist: Siemian hat nichts zu verlieren. Die Erwartungen an den einstigen Siebtrunden-Pick sind gering.

Es ist in jedem Fall eine unerwartete zweite Chance für Siemian. Eine zweite Chance, obwohl er nicht mal an seine erste geglaubt hatte.

Raman Rooprail/Martin Jahns

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