Bucs-Linebacker Devin White fing in der Divisional Round die spielentscheide... - Bildquelle: Getty ImagesBucs-Linebacker Devin White fing in der Divisional Round die spielentscheidende Interception. © Getty Images

München/Tampa – Tom Brady hier, Drew Brees da. Am Sonntag waren in der Divisional Round alle Blicke auf die beiden Quarterback-Legenden gerichtet. Verständlich – beim vermutlich letzten Duell der Football-Giganten, die die NFL in ihrer Ära mit insgesamt 159.562 Yards und 1.152 Touchdowns verzaubert haben.

Ein Erfolgsgarant, der die Tampa Bay Buccaneers mitentscheidend zum 30:20-Sieg über die New Orleans Saints führte, ging in dem ganzen Trubel jedoch unter.

Matchwinner Devin White

Denn Bucs-Linebacker Devin White avancierte mit einer Fumble Recovery und einer Interception im vierten Quarter zum Matchwinner. Bei noch 7:14 Minuten auf der Uhr fing er den dritten und entscheidenden Pick von Saints-Quarterback Drew Brees, der den Bucs zum entscheidenden Touchdown und letztendlich zum Sieg verhalf.

 

Es war mit Sicherheit das bisherige Karriere-Highlight in der noch jungen NFL-Laufbahn des Devin White. Dennoch war sein Gala-Auftritt in der Divisional Round kein "One-Match-Wonder": In der Regular Season kam der 22-jährige Erstrundenpick vom 2019-Draft auf neun Sacks und einen Forced Fumble.

Mit 97 Solo Tackles steht der Youngster sogar auf dem dritten Platz im NFL-Ranking. "Devin ist ein Energiebündel. Seine Power überträgt sich auf das gesamte Team", sagte Teamkollege Sean Murphy-Bunting nach dem Erfolg über New Orleans.

White avanciert bereits in jungen Jahren zum Chef der Defense. Er verkörpert alle Eigenschaften, die ein Linebacker mitbringen muss: Er ist physisch stark, sportlich geschickt und bringt dazu die nötigen Kilos (108) auf die Waage. Durch seine Brutalität ist er für jeden Quarterback ein unangenehmer und harter Gegner, bleibt dabei aber im Rahmen des Erlaubten.

Schwieriger Charakter

Neben dem Platz hielt er sich aber nicht immer an die Regeln – im Gegenteil. White galt vor allem in seiner Highschool-Zeit als schwieriger Charakter, lieferte sich immer wieder Auseinandersetzungen mit der Polizei. So wurde er im November 2015 verhaftet, nachdem er Sex mit einer 14-Jährigen hatte. Einen Monat später fuhr der Linebacker einem Offizier davon – ohne Fahrerlaubnis. Wieder wurde White verhaftet. Es folgte der Ausschluss vom High School All-Star-Game.

Dennoch konnte er sich an der Louisiana State University einschreiben und dort im Football-Team auf sich aufmerksam machen. In seinem ersten Jahr landete White im All-Freshman-Team der Southeastern Conference, in der zweiten Saison führte er die SEC als Tackle-Leader an.

So beschloss er, auf seine letzte College Saison zu verzichten und sich für den NFL-Draft 2019 anzumelden. Die Buccaneers schlugen in der ersten Runde mit dem fünften Pick zu. White wurde dadurch zum höchst gewählten LSU-Tiger seit Patrick Peterson im Jahr 2011.

Starkes Rookie Year

In Tampa Bay brachte White die Defense bereits in seinem Rookie Year auf ein neues Level. In der 2019er Saison kam White auf drei Forced Fumbles und vier Fumble Recoveries mit zwei daraus resultierenden Touchdowns. Daneben stehen zweieinhalb Sacks und eine Interception.

Generell erlebt die Defensive der Buccaneers seit den Verpflichtungen von Defensive Coordinator Todd Bowles und dem jungen White einen zweiten Frühling: In der 2018-Saison wurde die Verteidigung noch belächelt, befand sich im ligaweiten Ranking auf dem drittletzten Platz. Innerhalb eines Jahres machte die Defense 25 Ränge gut und landete auf dem fünften Platz. Inzwischen gehört sie sogar zu den Top-4 der Liga. 

In der Rush-Verteidigung sind sie statistisch gesehen sogar die stärkste Franchise. Eine Entwicklung, die auch Drew Brees und die Saints spüren mussten. "Wir nahmen ihn mit unserem hohen Druck aus dem Spiel", erklärte White, der die Quarterback-Legende in Schutz nahm: "Es war nicht Brees' Schuld, sondern die starke Leistung unserer Defense."

MVP-Favorit Rodgers wartet

An diese Leistungen müssen die Buccaneers im NFC Championship Game gegen die Green Bay Packers (Sonntag, ab 20.45 Uhr live auf ProSieben und ran.de, #ranNFLsüchtig - das Magazin bereits ab 20:15 Uhr auf ProSieben MAXX und auf ran.de) anknüpfen.

Denn da gilt es für White und die Defense, erneut über sich hinauszuwachsen, den MVP-Favoriten Aaron Rodgers zu stoppen und Geschichte zu schreiben: Setzt sich Tampa Bay durch, würden sie als erste Franchise der NFL-Historie im eigenen Stadion den Super Bowl ausspielen. Wie man Green Bay schlagen kann, zeigten die Bucs bereits in der Regular Season. Damals überrollten sie die Packers im Lambeau mit 38:10.

Eines steht ohnehin fest: White geht doppelt motiviert in die nächste Runde, nachdem er trotz der überragenden Saison nicht für den Pro Bowl nominiert wurde und zwei wichtige Spiele aufgrund einer Covid-19-Infektion verpasste: "Das hat mich schon geärgert. Aber Brady half mir, eine andere Sichtweise einzunehmen", sagt er. "Es gibt da einen größeren Bowl. Und den werden wir als Team jagen."

Nico Ditter

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