Die Defensive Line der Clemson University sorgte am College für ordentlich F... - Bildquelle: imagoDie Defensive Line der Clemson University sorgte am College für ordentlich Furore. Gleich vier von deren Spielern könnten in der ersten Runde gedraftet werden. © imago

München/Clemson - Es gab reichlich NFL-Teams, die bereits im Hinblick auf den Draft 2018 ein Auge auf die starke Defensive Line der Clemson University Fighting Tigers geworfen hatte. Deren starke Formation: In der Mitte die Defensive Tackles Christian Wilkins und Dexter Lawrence, daneben die Defensive Ends Clelin Ferrell sowie Austin Bryant.

Alle vier wurden am College mit Auszeichnungen überhäuft und hatten 2017 die Meisterschaft gewonnen. Bei Wilkins, Ferrell und Bryant wäre 2018 der logische Zeitpunkt gewesen, um in die NFL zu wechseln.

Sie hätten zu den Top-Talenten im Draft 2018 gezählt, wären womöglich alle in der 1. Runde ausgewählt worden – wenn sie sich denn zur Auswahl gestellt hätten. Zur Überraschung der gesamten Football-Nation taten sie das allerdings nicht.

Sie verzichteten auf ihren ersten Millionen-Vertrag und kehrten an die Clemson University zurück, um 2018 gemeinsam mit Lawrence (der ein Jahr später auf das College kam) noch eine weitere Meisterschaft zu gewinnen.

"Das hat gezeigt, dass sie gerne zusammen und nicht selbstsüchtig sind", sagte Woody McCorvey, Clemsons Sportdirektor für den Bereich Football, gegenüber ESPN: "Sie haben zielorientiert darauf hingearbeitet, eine weitere nationale Meisterschaft zu gewinnen."

Diese Mission erfüllten die "Quarterback-Jäger" mit Bravour: Die Tigers legten eine Saison ohne Niederlage hin und gewannen schlussendlich das National Championship Game gegen die Alabama Crimson Tide.

Die fünf Power Rangers

Mindestens genauso wichtig: Sie konnten noch ein weiteres Jahr gemeinsam auf dem Campus erleben. Die Defensive Liner, zu denen auch der ebenfalls im Draft zur Auswahl stehende Albert Huggins zählt, gelten als unzertrennlich und waren für jeden Spaß zu haben. Noch immer denken sie gerne daran zurück, wie sie sich als die fünf "Power Rangers" verkleideten oder in das Clemson Memorial Stadium einbrachen.

"Schon bevor wir erstmals das Footballfeld betraten, waren wir Freunde", sagte Ferrell der "Sports Illustrated": "Es ist ein Segen, dass wir uns gegenseitig so gerne haben. Wenn wir nicht Football spielen würden, wären wir trotzdem die besten Freunde. Das hilft uns wirklich."

Mit dem Wechsel in die NFL beginnt nun zwar das Geldverdienen, aber auch der Ernst des Lebens. Sie werden auf verschiedene Standorte verteilt, verlieren sich möglicherweise aus den Augen. Ein gemeinsames Ziel haben sie allerdings noch: Sie wollen Draft-Geschichte schreiben.

Die vier Defensive Liner gelten nämlich als potentielle Erstkunden-Kandidaten. Es wäre das erste Mal in der Geschichte der NFL, dass vier Defensive Liner einer Universität in der ersten Runde ausgewählt werden.

Den aktuellen Rekord hält North Carolina State, die im Jahre 2006 drei Defensive Liner (Mario Williams, John McCargo und den später zum Linebacker umgeschulte Manny Lawson) in der ersten Runde unter bekamen. "Wir wollen die Größten aller Zeiten sein", sagte Lawrence. "Im College haben wir jeden Tag daran gearbeitet. Wir glauben nicht, dass uns das jemand jetzt noch nehmen kann."

Wilkins ergänzt: "Unser Motto lautete: Wir können eine der besten Draft-Klassen sein, die Clemson je durchlaufen hat. Wir wussten, dass wir die Chance haben, etwas Besonderes zu tun, etwas Großartiges, etwas, das noch nie zuvor erreicht wurde."

Das Ausnahmetalent Clelin Ferrell

Defensive End Ferrell könnte laut vieler Experten der früheste Pick aus der starken Defensive Line sein. Der 1,96 Meter große und 117 Kilogramm schwere Pass Rusher ist schnell und athletisch, kam alleine in der vergangenen Saison auf 11,5 Sacks. Der 22-Jährige wurde zwei Mal in das First-All-American-Team gewählt, gilt als vielseitig und ist sowohl in der Lauf- wie auch in der Passverteidigung stark.

Lawrence wird von Experten als zweithöchster Pick eingeschätzt. Der 22-jährige Defensive Tackle bringt vor allem eines mit: richtig viel Masse. Bei 1,93 Metern Körpergröße bringt er rund 154 Kilogramm auf die Waage.

Er ist zwar kein großer Pass-Rusher, kam in den letzten beiden Spielzeiten lediglich auf 3,5 Sacks. Dafür aber hat er die Fähigkeit, Laufspiele früh zu antizipieren und mit seiner physischen Power zu stoppen. Am College konnte er selbst per Doppeldeckung kaum daran gehindert werden, schnell zum Running Back durchzudringen.   

Defensive Tackle Wilkins ist genauso groß wie Lawrence, mit 136 Kilogramm allerdings etwas leichter. Der 23-Jährige gilt als Mentalitätsmonster, ist extrem fleißig und in der Kabine ein echter Anführer. Zudem bringt er eine herausragende Athletik mit, kann daher auch als Defensive End eingesetzt werden. In der vergangenen Saison kam er auf 5,5 Sacks.

Rekord hängt von Bryant ab

Ob die Defensive Liner von Clemson nun wirklich einen Rekord aufstellen, dürfte letztendlich von Austin Bryant abhängen. Der 22-Jährige befindet sich laut Einschätzung vieler Experten an der Schwelle zwischen der späten 1. und der frühen 2. Runde.

Der Defensive End kam in den vergangenen beiden Spielzeiten zwar auf jeweils 8,5 Sacks. Allerdings wird dem 1,96 Meter großen und 120 Kilogramm schweren Athleten etwas weniger Talent bescheinigt als den genannten drei Nebenmännern.

Defensive Tackle Albert Huggins hingegen, der als fünfter D-Liner viel rotieren musste, gilt eher als Kandidat für den zweiten oder dritten Draft-Tag. Er wird zum Rekord also wohl nichts beitragen, könnte aufgrund seiner starken Physis aber dennoch für einige NFL-Teams ein Gewinn sein.

Insgesamt gilt im Draft 2019 also das Motto: Mit einem Defensive Liner von Clemson macht niemand etwas verkehrt.

Oliver Jensen

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