Will Grier: Auf der Draft-Überholspur? - Bildquelle: 2019 Getty ImagesWill Grier: Auf der Draft-Überholspur? © 2019 Getty Images

München – Der Grad zwischen selbstbewusst und arrogant ist schmal. Sehr schmal. 

Da kann es schnell falsch rüberkommen, wenn ein Quarterback-Talent beim Combine mal eben tönt, er sei der beste Signal Caller im Draft (ab dem 25. April live auf ProSieben MAXX und ran.de)

Will Grier hatte genau das betont. Mehrmals.

Für viele ist es eine Eigenschaft, die ein Spielmacher benötigt, um sich durchzusetzen. Gegen die anderen Talente, im Team, im Huddle. Authentisch sein, selbstbewusst, selbstsicher, souverän. Es kommt eben auch darauf an, wie man es sagt.

"Du musst davon überzeugt sein, dass du der Beste auf der Position bist. Wenn du einen Mangel an Selbstvertrauen hast, wirkt sich das negativ auf dein Spiel aus", sagte Grier.

Bei ihm ist ein Mangel schwer vorstellbar. Denn er steht jeden Morgen auf mit dem Glauben an sich und seine Stärke. Grier stellt klar: "Ich glaube wirklich, dass ich der Beste bin. Das ist ein Motivator. Ich bin motiviert, zu beweisen, dass ich der Beste bin."

Grier weiß, was er will

Er weiß, was er will. Verzichtete im Dezember auf das Bowl Game gegen Syracuse, um sich auf den Draft einzustimmen. Ende 2017 hatte er sich entschieden, sein Senior-Jahr auf der West Virginia University zu absolvieren, um noch besser vorbereitet zu sein. 

Die Bilanz seiner beiden College-Jahre mit den Mountaineers: Er brachte 65,7 Prozent seiner Pässe an den Mann für 7.354 Yards mit 71 Touchdowns und 20 Interceptions.

Fakt ist: Der 23-Jährige hat zuletzt mit seinen Aussagen und seinem Auftreten, vor allem beim Pro Day der West Virginia, dafür gesorgt, dass seine Aktien bei der Talenteschau steigen. Er hat "eine Show hingelegt", berichtet "ESPN" mit Verweis auf einen nicht genannten Scout.

Alle 32 NFL-Teams waren dabei, um sich von den Qualitäten Griers zu überzeugen. Als "Aufsteiger" wird er bezeichnet, je näher der Draft rückt, da im Vorfeld vor allem Quarterback-Kollegen wie Kyler Murray, Dwayne Haskins oder Drew Lock genannt wurden. Grier verkam dabei ein bisschen zu einem vergessenen Talent.

Grier fand sich in den zahlreichen Mock Drafts irgendwo zwischen der späten ersten und der dritten Runde wieder, die Analysten von "NFL.com" stufen ihn als potenziellen Backup ein. 

Ein aggressiver Passer, aber ohne einen großen Wurfarm und mit fehlender Antrittsschnelligkeit. Ein akkurater Werfer, ein unglaublicher Passer, mit einer guten Fußarbeit, so seine Fürsprecher.

Heikle Vergangenheit 

Die Tendenz ist steigend, auch weil die Quarterback-Konkurrenz möglicherweise wie Murray und Haskins sehr früh gezogen wird. So oder so: Grier ist eine spannende Personalie. Denn er hat eine – sagen wir – für den Draft recht interessante Vergangenheit. Grier wurde im Oktober 2015 mit verbotenen, leistungsfördernden Substanzen erwischt. Ligandrol, ein Mittel zum Muskelaufbau. Er verteidigte sich, sagte, er habe nicht gewusst, dass das Mittel verboten sei. Er wurde aus dem Verkehr gezogen, wechselte von Florida nach West Virginia und setzte den Rest 2015 und die komplette Saison 2016 aus.

Doch das ist Vergangenheit, denn mit mindestens zehn NFL-Teams soll er sich in den nächsten Tagen treffen, darunter die Giants, Panthers, Chargers, Patriots, Saints und Redskins.

Den Coaches wird er dasselbe erzählen, die Sache mit dem Selbstbewusstsein. Sein Vorteil: Seine Ex-Teamkollegen bestätigen das, sie machen seine Rolle als Anführer, als selbstbewusster Leistungsträger glaubwürdiger. "Ich bin der Anführer, ich will den Druck auf meinen Schultern, und liefern, wenn es zählt", sagt er.

Große Worte, doch Grier ist es egal, was die Leute denken. "Die Leute können sich ihre Meinung dazu bilden, so wie sie das zu jedem Aspekt meines Spiels tun können", sagte er: "Es dreht sich alles darum, das Passende zu finden. So bin ich. Ich hatte dort, wo ich zuletzt war, Erfolg damit, auch im Locker Room."

Er weiß: "Manche werden meine Art mögen, manche nicht."

Er wird nach dem Draft wissen, wer ihn mag. Und ob er nun zurecht selbstbewusst war. Oder doch arrogant.

Andreas Reiners

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