Führte die New Orleans Saints zum ersten Saisonsieg: Jameis Winston. - Bildquelle: gettyFührte die New Orleans Saints zum ersten Saisonsieg: Jameis Winston. © getty

München - Wenn vor der Partie zwischen den New Orleans Saints und den Green Bay Packers die Frage aufgekommen wäre, welcher der beiden Quarterbacks am Ende bei fünf Passing Touchdowns steht, hätte wohl ein Großteil der NFL-Fans auf den amtierenden MVP Aaron Rodgers getippt.

Doch es kam alles anders. Rodgers erwischte einen Horror-Abend, die Packers-Offense im Allgemeinen implodierte. Dass die Packers auch auf der anderen Seite des Balles einmal komplett durch den Fleischwolf gedreht wurden, lag größtenteils an einem Mann: Jameis Winston. 

Winston zerlegt hilflose Packers-Defense

Nach dem Karriereende von Franchise-Legende Drew Brees bekam Jameis Winston das Vertrauen als neuer Signal Caller bei den New Orleans Saints ausgesprochen. Schon in der Preseason deutete der ehemalige Nummer-Eins-Pick an, dass er ein Mehrwert für die Saints-Offensive sein kann. 

Beim 38:3-Auftaktsieg über Green Bay fügte sich Winston schließlich perfekt ins Offensivspiel der Saints ein und stellte seine Fähigkeiten als spektakulärer Spielgestalter unter Beweis. Aufgrund der unterdurchschnittlichen Packers Defense sowie einem starken Run-Game kam Winston gerade einmal auf 14 Würfe - doch das reichte, um vollends zu überzeugen.

 

Am Ende stand der 27-Jährige bei 148 Passing Yards und fünf (!) geworfenen Touchdowns - ein Wert, den Winston erstmals seit seiner Rookie-Saison 2015 erreichte. Auch seine läuferischen Qualitäten halfen in der ein oder andren brenzligen Situation. Bei sechs Versuchen erreichte er 37 Rushing Yards. 

Die größten Ausrufezeichen setzte Winston jedoch durch die Luft. Seine Fähigkeit, das Feld vertikal mit langen Pässen attackieren zu können, verlieh dem Offensiv-Spiel in New Orleans eine ganz neue Note - und brachte Winston das größtmögliche Lob ein.

Brees mit Ritterschlag: "Das hat den Saints gefehlt"

Dass die Saints 2020 im letzten Jahr von Drew Brees keinen Super Bowl gewinnen konnte, lag letztlich auch an der fehlenden Armstärke des alternden Quarterbacks. Der heutige TV-Experte war nur selten in der Lage, die gegnerischen Secondarys mit langen Pässen vor Probleme zu stellen.

Ganz anders präsentierte sich hier Winston. Er gilt als echter "Gunslinger", der das Risiko nicht scheut und seine Receiver in Eins-gegen-Eins-Situationen sucht. Im Spiel gegen die Packers setzte Winston mit einem Touchdown-Pass über 55 Yards auf Deonte Harris den Schlusspunkt und deutete an, worauf sich die Fans in Zukunft freuen können. 

Sogar Brees gestand nach dem Spiel ein: "Ich schätze, dass dieses Element den Saints bislang gefehlt hat", sagte der 42-Jährige im Rahmen seiner Tätigkeit bei "NBC": "Also Feuer frei", fügte er noch hinzu. 

Winston gab in der Vergangenheit öfters an, dass Brees eine große Rolle in dessen Entwicklung in der vergangenen Saison gespielt hat. Nach einem Jahr als Backup scheint Winston nun endgültig bereit zu sein, in die Fußstapfen seines Idols zu treten. 

Mann der Stunde drückt auf Euphorie-Bremse

Trotz des überschwänglichen Lobs von allen Seiten will sich Winston nicht auf dem ersten Teilerfolg ausruhen: "Wir müssen immer besser werden. Ich werde mich später damit befassen, was im Moment passiert", sagte er nach dem Spiel über seine lange Reise zurück zum Starter.

Nachdem er von den Tampa Bay Buccaneers als Nummer-Eins-Pick 2015 gedraftet wurde, entwickelte sich der Quarterback auch aufgrund kurioser Aussagen abseits des Platzes zu einer lebenden Karikatur. In seiner letzten Saison als Starter 2019 erzielte in einer Saison neben 30 Touchdowns auch 30 Interceptions und musste die Buccaneers verlassen. 

Bei den Saints heuerte er schließlich als Backup an und versuchte seine angeknackste Karriere wieder in die richtige Bahn zu bekommen. Auch eine Augenoperation sollte helfen: "Ich kann wieder Straßenschilder lesen", sagte er damals. Mit einer Passsicherheit von 70% zeigte er sich gegen die Packers auch in Sachen Präzision deutlich reifer und verbessert. 

"Ich bin sehr dankbar, bei diesem Team zu sein", stapelte er nach dem Spiel tief: "Es ist die beste Mannschaft, in der ich je gespielt habe, das hilft enorm", sagte er zu "Sport Illustrated". Die Saints haben eine der besten Offensive Lines der Liga, die Winston auch gegen die Packers viel Zeit verschaffen konnten. 

Wo geht die Reise hin für Winston?

Sollte es letztlich tatsächlich soweit kommen, dass ausgerechnet Jameis Winston die Saints zurück ins Titelrennen bringt? Der Sieg über die Packers ist freilich kein direktes Ticket in die Playoffs, doch er deutete an, wohin die Reise für Winston und die Saints gehen könnte. 

So schaffte es der Quarterback trotz unterdurchschnittlichen Receiving-Corps, einer viel kritisierten Offensive neues Leben einzuhauchen. Personell kann es hier ohnehin nur besser werden. Im Laufe der Saison bekommt Winston mit Michael Thomas wohl einen der besten Wide Receiver der NFL nach überstandener Verletzung zurück. 

Sind die Saints im Playoff-Rennen, scheint auch ein Trade für einen wechselwilligen Routinier rund um die Trade-Deadline im Bereich des Möglichen. Winston hat jedoch auch so gezeigt, dass er mit wenig Material in einem eingespielten System funktionieren kann. 

Macht er so weiter, stehen die Chancen gut, dass er seine langfristige sportliche Heimat endlich gefunden hat. Auch für die Saints dürfte der Gedanke beruhigend sein, dass sie ihren Quarterback der Zukunft womöglich schon in den eigenen Reihen haben. 

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