Hayden Hurst hat schwere Zeiten hinter sich. - Bildquelle: imago images/Icon SMIHayden Hurst hat schwere Zeiten hinter sich. © imago images/Icon SMI

Atlanta/München – Ein abgedunkelter Raum, nur Hayden Hurst, Tight End der Atlanta Falcons, ist zu sehen und seine Erzählung lässt wohl jedem Zuschauer den Atem stocken oder gar die Tränen über das Gesicht laufen.

Mit tränenerstickter Stimme sagt Hurst zu Beginn der Aufnahmen, die die Falcons veröffentlichten: "Ich kann es nicht erklären, es ist sehr hart." Sichtlich bewegt von seinen Worten fasst sich Hurst ein Herz und erzählt seine berührende Lebensgeschichte.

Der Sport habe für den heutigen NFL-Profi schon als Kind die Hauptrolle gespielt, erzählen Eltern, Schwester und er unisono. Baseball und Football waren seine Lieblingssportarten und er besaß viel Talent, da er kaum trainieren musste, um Fortschritte zu erzielen.

Schließlich entschied er sich für Baseball und wurde im MLB-Draft 2012 von den Pittsburgh Pirates ausgewählt. Doch, wie im Baseball üblich, wurde er zuerst bei einem unterklassigen Team ausgebildet, nahe seiner Heimat Jacksonville/Florida. Auch nach seinem Auszug von zu Hause hatte Hurst ein enges Verhältnis zu seinen Eltern und bat in den Telefongesprächen mit seinem Vater darum, dass dieser ihn doch besuchen möge.

Hurst verliert die Leichtigkeit und versinkt im Alkoholkonsum

Denn das junge Talent hatte plötzlich die Leichtigkeit im Sport verloren. "Meine Hände waren schweißnass. Ich fühlte mich nicht wie ich mich zuvor immer fühlte", berichtete Hurst rückblickend aus dieser Zeit. Auch seine zuvor so starken Leistungen gingen zurück, schließlich warf er unabsichtlich ein Kind, das seinem Team zuschaute, den Baseball an den Kopf. Daraufhin verlor es das Bewusstsein und für Hurst begann die Abwärtsspirale in seiner Gedankenwelt immer rasanter an Fahrt aufzunehmen. Er erzählt, dass er seine Wohnräume auch tagsüber abdunkelte und den Ball kaum noch werfen konnte. Gleichzeitig startete er mit exzessivem Alkoholkonsum und konsumierte zudem Tabletten.

Hurst litt an Depressionen und wollte mit einem Wechsel zum Football alles hinter sich lassen. An der University of South Carolina wollte er den Neustart. "Aber ich trank immer noch und nahm Pillen."

Seine Gefühlslage zum damaligen Zeitpunkt beschrieb der heutige NFL-Star so: " Du fühlst dich als ob niemand da ist, obwohl meine Familie so nah bei mir war. Aber wenn du an diesem dunklen Ort bist, bist du einfach alleine. Darum griff ich zum Alkohol und zu den Pillen und auch Kokain um das Gefühl von Scham aus meinem Kopf zu kriegen."

Immer tiefer versank das junge Talent in den negativen Gedanken und sah schließlich nur noch einen Ausweg. Hurst wollte sich das Leben nehmen. "Ich habe so lange dagegen angekämpft, aber ich wollte einfach nur noch, dass es vorbei ist. Aber aus irgendeinem Grund erhielt ich eine zweite Chance."

Hurst: "Wollte das Beste aus dieser Möglichkeit machen"

Nach diesem furchtbaren Vorfall öffnete sich Hurst gegenüber seiner Familie und schaffte es neuen Lebensmut zu erlangen. "Als ich im Krankenhaus war, habe ich mir geschworen, dass ich das kein zweites Mal machen werde. Ich wollte das Beste aus dieser Möglichkeit machen", schilderte Hurst.

Der Tight End trainierte noch härter als zuvor, mehrere Male am Tag und wurde dafür belohnt. 2018 drafteten ihn die Baltimore Ravens an 25. Stelle in der ersten Runde. Als sein Name von NFL-Boss Roger Goodell verkündet wurde, versammelte Hurst seine Eltern und seine Schwester um sich und dankte ihnen für die Unterstützung in seinen dunkelsten Tagen. Zudem bat er seine Eltern, dass sie ihre Jobs kündigen sollten, da er eine Stiftung zur Prävention von Selbstmorden gründen wolle und seine Eltern diese leiten sollten.

Inzwischen hat Hurst seine Stiftung gegründet und macht dabei gemeinsame Sache mit anderen NFL-Stars wie Dak Prescott, der in der Vergangenheit ebenfalls schon von mentalen Problemen berichtete.

Auch sportlich läuft es für Hurst, der vor der laufenden Saison zu den Falcons getradet wurde. Mit bislang bereits 41 Receptions für 459 Yards spielt der 27-Jährige aktuell die beste NFL-Spielzeit seiner Karriere.

Aber noch wichtiger ist seine mentale Gesundheit, die für den Tight End nicht immer selbstverständlich war.

Markus Bosch

Anmerkung der Redaktion: Wenn Sie sich selbst von Depressionen und Suizidgedanken betroffen fühlen, kontaktieren Sie bitte umgehend die Telefonseelsorge (http://www.telefonseelsorge.de). Unter der kostenlosen Hotline 0800-1110111 oder 0800-1110222 erhalten Sie Hilfe von Beratern, die schon in zahlreichen Fällen Auswege aus schwierigen Situationen aufzeigen konnten.

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