Sieht sein Ex-Team, die Indianapolis Colts, auf einem richtig guten Weg: ran... - Bildquelle: ImagoSieht sein Ex-Team, die Indianapolis Colts, auf einem richtig guten Weg: ranNFL-Experte und Kolumnist Björn Werner © Imago

Hi Football-Fans,

ich muss sagen, dass es mir im Moment richtig viel Spaß macht, die Spiele meines Ex-Teams Indianapolis Colts anzuschauen. Mit Adam Vinatieri, T.Y. Hilton, Jack Doyle und Anthony Castonzo stehen zwar nur noch vier Spieler im Roster, mit denen ich damals noch zusammengespielt habe, aber natürlich drückt man der Franchise, die einem den Traum von der NFL ermöglichst hat, nach wie vor fest die Daumen. Vollkommen egal, wie man sich damals dort verabschiedet hat oder aber verabschiedet wurde. Die Colts werden immer in meinem Herzen sein.

 

Erst psychisches Loch, dann "Jetzt-erst-recht"-Einstellung

Das ist aktuell ja auch eine Mega-Story: Mit Andrew Luck beendet einer der Top-Fünf-Quarterback der gesamten NFL kurz vor dem Saisonstart seine Karriere und alle Spieler, Coaches und Fans fallen direkt in ein psychisches Loch, glauben, dass die anstehende Spielzeit schon gelaufen ist, bevor sie überhaupt angefangen hat. Aber schon nach kurzer Zeit haben sich die Jungs geschüttelt, sich zusammengesetzt und beschlossen: "Wir lassen diese negativen Gedanken nicht zu. Im Gegenteil: Wir werden es allen zeigen."

Natürlich haben die Verantwortlichen immer schon an Jacoby Brissett geglaubt, immerhin hat er Luck schon einmal sehr würdig vertreten. Aber erst jetzt zeigt der Signal Caller, was wirklich in ihm steckt. Denn spätestens seit den Siegen bei den Kansas City Chiefs und gegen die Houston Texans wissen nun alle, dass Brissett nicht nur ein "Game-Manager" ist, sondern ein Quarterback, der Spiele auch entscheiden kann. Er geht momentan so voran, wie man es sich von einem Führungsspieler auch erwartet. Wirklich stark. Es zeigt zudem, dass offensichtlich noch einiges an Potenzial in Brissett steckt.

Colts erinnern an die Eagles vor zwei Jahren

Insgesamt erinnern mich die Colts ein bisschen an die Philadelphia Eagles in der Saison, als sie am Ende vollkommen überraschend den Super Bowl gewonnen haben. Dort musste damals auch Nick Foles für den eigentlichen, dann aber schwer verletzten Starting-Quarterback Carson Wentz übernehmen – und führte die großen "Underdogs" bis zum ganz großen Erfolg. Genau diese "Underdog"-Schiene fährt Indianapolis jetzt auch. Und ich bin überzeugt davon, dass sie bis zum Schluss ganz vorne mitspielen werden. Die Playoffs sollten jedenfalls gar kein Problem sein.

 

Warum? Weil sie eine brutale Mentalität haben. Sie präsentieren sich als Team, als eingeschworene Gemeinschaft. Das ist in der NFL nicht selbstverständlich. Von 53 Spielern im Roster werden jedes Jahr mindestens die Hälfte ausgetauscht – die große Aufgabe besteht dann darin, daraus im wahrsten Sinne des Wortes eine Mannschaft zu formen. Die New England Patriots schaffen das zum Beispiel seit Jahren in absoluter Perfektion. Sie haben nicht immer die besten Spieler, sind aber jedes Jahr eines der besten Teams mit dem besten Coaching und was noch so alles dazugehört.

Indiana hat nichts zu verlieren

Die Colts haben in dieser Saison nichts zu verlieren, waren nach dem Luck-Abgang schon komplett abgeschrieben, keiner hat mehr mit ihnen gerechnet. Jetzt können sie mit ihrer jungen und hungrigen Defense und dem überaus talentierten Quarterback fröhlich drauf los spielen. Spätestens mit den beiden aufeinanderfolgenden Siegen gegen die Chiefs und den direkten Division-Konkurrenten Houston Texans haben sie gezeigt, dass mit ihnen zu rechnen ist. Sie stehen bei 4:2-Siegen und führen die AFC South an.

Allerdings birgt genau das auch Risiken. Denn die anderen Teams bekommen ja auch mit, dass die Colts immer stärker werden – und somit werden sie in Zukunft oftmals nicht mehr als Außenseiter, sondern Favorit in die Partien gehen. Es geht jetzt vor allem darum, sich von den Medien und der generellen Öffentlichkeit nicht verrückt machen zu lassen. Es heißt ja im Locker Room nicht umsonst immer wieder: "Ignore the noise."

Ganz Indianapolis ist glücklich und steht hinter den Colts

Hier ist auch Head Coach Frank Reich gefordert, der die Jungs alle auf dem Boden halten muss. Jetzt kann er zeigen, dass er nicht nur ein "Coordinator", sondern eben auch ein guter Head Coach ist, der Verantwortung übernehmen und vorangehen kann. Was ich allerdings so über ihn aus Indianapolis höre, lässt mich glauben, dass er diese Fähigkeiten besitzt. Denn die Leute lieben ihn dort alle. An Unterstützung der Fans und der gesamten Stadt wird es jedenfalls nicht scheitern. Ich habe in den vergangenen Wochen sehr viele Nachrichten von ehemaligen Nachbarn und Freunden bekommen, die mir alle bestätigt haben, wie unglaublich glücklich ganz Indianapolis ist.

 

Football ist einfach alles in dieser – für US-amerikanische Verhältnisse – kleinen Großstadt. Wenn die Colts schlecht spielen, ist die komplette Stadt depressiv. Das wird aus meiner Sicht aber so schnell nicht mehr passieren. Ob es allerdings für den ganz großen Wurf, also den Einzug in den Super Bowl, reichen wird, bezweifle ich. Denn für mich führt in der AFC leider kein Weg an den New England Patriots vorbei. Ich sehe kein Team, dass Tom Brady und Co. richtig gefährlich werden kann – auch die Colts nicht.

Wobei: Die Eagles haben es vor eineinhalb Jahren ja vorgemacht, wie man die Patriots schlagen kann.

Warten wir es einfach mal ab, die kommenden Wochen werden zeigen, wohin der Weg der Colts wirklich führen wird – für mich auf jeden Fall in die Playoffs. Alles Weitere wird man sehen.

Bis dahin,

Euer Björn

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