Markus Kuhn beschreibt uns seinen Alltag als NFL-Profi - Bildquelle: imagoMarkus Kuhn beschreibt uns seinen Alltag als NFL-Profi © imago

Hi Football-Fans,

wie ich letzte Woche schon vermutet hatte, hat mich mein Knie dazu gezwungen, in unserem zweiten Saisonspiel gegen die Atlanta Falcons eine Pause einzulegen. Da sitzt man am Spielfeldrand und wird wirklich fast wahnsinnig, weil man am liebsten losrennen würde, um gemeinsam mit den anderen Jungs auf dem Feld zu stehen. Mir blieb aber leider nur, hilflos dabei zuzuschauen, wie die Atlanta Falcons trotz konstant gutem Spiel von uns mit zwischendurch zehn Punkten Führung am Ende das Spiel für sich entscheiden konnten.

Zum Glück wartete nach dem Spiel ein privates Trostpflaster auf mich - mein Vater ist seit ein paar Tagen in New York zu Besuch und es tut immer wahnsinnig gut, jemanden aus meiner Familie um mich zu haben. Der war als großer Football-Fan natürlich besonders enttäuscht, mich nicht spielen zu sehen, aber auch da kann man nur sagen: Die Gesundheit geht vor.

Ausfall gegen die Redskins

Und das gilt leider auch für das Spiel gegen die Washington Redskins. Meinem Knie geht es zwar deutlich besser, aber mir wurde von allen Seiten empfohlen, noch eine weitere Woche zu pausieren. Somit werde ich erst gegen die Buffalo Bills wieder ins Geschehen eingreifen können – und wohl auch erst in der kommenden Woche wieder voll ins Training einsteigen.

Ich hatte letzte Woche schon angekündigt, euch mal ein bisschen genauer in meinen Trainingstag einzuweihen. Einige von euch werden überrascht sein, wie viel Theorie von Nöten ist, um gemeinsam als Team ganz oben mitzuspielen.

Das ist mein Trainingstag

An einem gewöhnlichen Trainingstag klingelt der Wecker um 6 Uhr morgens und dann geht‘s direkt zum Trainingsgelände in New Jersey. Dort angekommen heißt es ab in die Sportklamotten und direkt weiter in unsere Cafeteria. Ich habe mir angewöhnt, meinen Tag mit zwei großen Bechern veganer Proteinshakes zu beginnen.

Nächste Station ist der Defensive-Line-Meeting-Raum, wo wir uns gemeinsam Filme über den Gegner anschauen, jeder sich Notizen macht und so auf den Trainingstag vorbereitet. Jeder Mannschaftsteil – egal ob Quarterbacks, Offensive-Line, Defensive-Line, Special-Teams etc. – hat bei uns einen eigenen Meeting-Raum und kann sich so bestmöglich auf seinen eigenen Bereich konzentrieren.

Um 8 Uhr ist das erste offizielle Teammeeting, bei dem dann wirklich alle zusammen kommen. Dort spricht unser Headcoach Tom Coughlin. Er gibt einen Überblick, was uns an dem jeweiligen Tag erwartet und geht schon ein Stück weit in die Analyse über den nächsten Gegner.

Um 8:30 Uhr steht dann das Meeting mit unserem Defensive-Coordinator an, bevor es gegen 9:30 Uhr zurück in unseren eigenen Defensive-Line-Meeting-Raum geht. Dort sitzen wir mit unseren Coaches etwa zwei Stunden zusammen und machen eine ausführliche Videoanalyse – natürlich auf unsere Positionen in der Defensive zugeschnitten.

So gegen 11:30 Uhr dürfen wir endlich auf den Rasen. Dort werden Spielzüge und verschiedene Taktiken einstudiert. Unsere Trainingseinheiten sind während der Saison übrigens unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Unsere Fans dürfen nur im Trainingslager vor der Saison bei bestimmten Einheiten dabei sein und uns zuschauen. Während der Saison wäre das aber zu gefährlich, weil sich Verantwortliche von anderen Teams bei uns einschleichen und all unsere Spielzüge ausspionieren könnten …

Um 14:30 Uhr ist das Training auf dem Rasen beendet und wir gehen alle in die Kabine. Dort wartet dann schon die lokale Presse auf uns, die uns 20 Minuten lang mit Fragen löchern darf. Die Presse läuft dann von Spieler zu Spieler und holt sich Statements ein – längere Interviews werden natürlich im Vorfeld angemeldet.

Gegen 14:50 Uhr steht das nächste Meeting auf dem Programm – die Analyse des gerade erst zu Ende gegangenen Trainings. Wir schauen uns zusammen JEDEN Spielzug aus zwei verschiedenen Perspektiven nochmal an und JEDER bekommt sofort ein Feedback – positiv, aber auch negativ. Da kommt keiner ungeschoren davon …

 
Gegen 16 Uhr endet der Trainingstag offiziell. Manche gehen anschließend noch ins Eisbad, um die müden Muskeln zu entspannen oder aber wir treffen uns noch in der Cafeteria und essen gemeinsam. Da sitzt man dann ganz selbstverständlich mit Eli Manning, Victor Cruz oder anderen Spielern zusammen. Bei uns mischt sich das immer ganz gut. Mit Mark Herzlich habe ich während meiner Rookie-Zeit beispielsweise mal zusammengewohnt – da wusste ich damals ja noch nicht, wo die Reise für mich hingehen wird.

Unterwegs mit Odell Beckham jr.

Aber ich unternehme in meiner freien Zeit auch gerne mal was mit Jon Beason, J. T. Thomas, Victor Cruz oder Odell Beckham jr. Es ist richtig cool zu sehen, wie gut wir uns auch außerhalb des Spielfeldes verstehen. Am Ende sind wir ja auch nur Jungs, mehr oder weniger im gleichen Alter, die Sport lieben und sich gemeinsam jeden Tag zum Ziel gemacht haben, die bestmögliche gemeinsame Leistung für unser Team zu erzielen.

Einen Ruhetag nach den Spielen am Sonntag haben wir übrigens meistens dienstags. Dann heißt es einfach mal die Beine hochlegen, Freunde treffen die nichts mit dem Sport zu tun haben oder - wenn man gar nicht genug kriegen kann - eine Runde Madden auf der Playstation zocken.

So, jetzt werde ich mir aber mal wieder mein iPad schnappen und mir ein paar Spielszenen anschauen. Wir lesen uns in der kommenden Woche wieder! Dann bin ich auch hoffentlich wieder topfit …
 
Bis dahin,
 
Euer Markus

Die Kolumnen von Markus Kuhn zum Nachlesen:

Kolumne 1:   "Bin bereit, Vollgas zu geben!"

Kolumne 2:   "Als ob mir einer das Herz rausreißt"

Kolumne 3:   "So läuft der Tag als NFL-Profi ab"

Kolumne 4:   "So läuft ein Spieltag als NFL-Profi ab"

Kolumne 5:   "Esse seit zwei Jahren kein Fleisch mehr"

Kolumne 6:   "Der Sieg gegen die Dallas Cowboys ist so gut wie geritzt"

Kolumne 7:   "So kam ich zum American Football"

Kolumne 8:   "So kam ich in die NFL"

Kolumne 9:   "So können wir die Patriots schlagen"

Kolumne 10:   "Der Kampf um die Playoffs"

Kolumne 11:   "Verlieren muss wehtun"

Kolumne 12:  So ticken Manning und Beckham jr.

Kolumne 13:  "Irgendwie soll es dieses Jahr nicht sein" 

Kolumne 14:  "Ab jetzt geht es für uns um unsere Jobs"

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