Moritz Böhringer will es bei den Cincinnati Bengals in den finalen 53-Mann-K... - Bildquelle: ImagoMoritz Böhringer will es bei den Cincinnati Bengals in den finalen 53-Mann-Kader schaffen © Imago

Cincinnati – Es war nicht unbedingt ein Spielzug, der die Massen begeisterte. Die meisten Zuschauer dürften den Vier-Yard-Catch von Moritz Böhringer im Preseason-Spiel gegen die Dallas Cowboys bereits nach wenigen Augenblicken vergessen haben. Nicht aber Böhringer selbst: Für den deutschen Tight End war es der erste und bislang einzige gefangene Ball im Dienste der Cincinnati Bengals. Vor allem aber war es ein kleiner Hoffnungsschimmer, vielleicht doch noch den Sprung in den endgültigen Kader zu schaffen. 

Böhringer: Ich muss jeden Ball fangen

Ein Catch alleine ist allerdings noch kein Empfehlungsschreiben. Soll es mit dem Traum von der ersten regulären NFL-Saison wirklich klappen, müsste der 24-Jährige im nächsten Preseason-Game am Sonntag gegen die Buffalo Bills (ProSieben Maxx übertragt am Sonntag live ab 21:35 Uhr) noch eine Schippe drauflegen. Jeder Block, jeder Catch, vielleicht sogar jeder Laufweg könnte über seine Zukunft entscheiden.

"Ich muss einfach jeden Ball fangen, der in meine Richtung kommt. Mit guter Technik überzeugen, die richtigen Spielzüge machen, darauf kommt es an", sagt Böhringer im Interview mit der Zeitung "Die Rheinpfalz".

Von der GFL in die NFL

Dass Böhringer überhaupt in der NFL gelandet ist, grenzt an ein kleines Wunder. Im Gegensatz zu vielen anderen deutschen Profis wie Kasim Edebali oder Mark Nzeocha ging er nicht den Weg über ein amerikanisches College. Er hatte lediglich eine Saison in der deutschen GFL für die Schwäbisch Hall Unicorns gespielt, als er im Jahre 2016 von den Minnesota Vikings in der 6. Runde gedraftet wurde. Sein Mix aus Größe, Stärke und Geschwindigkeit hatte die Aufmerksamkeit der NFL-Scouts auf ihn gelenkt. "Die größte Herausforderung bestand darin, mit Spielern auf dem Platz zu stehen, die in dem amerikanischen Football-System groß geworden sind und in Ruhe lernen konnten, was es bedeutet, ein NFL-Profi zu sein. Ich musste alles viel schneller lernen", erzählt er.

Böhringer trainierte im Practice Squad der Vikings, bis am 1. September 2017 die Entlassung erfolgte. Plötzlich hing der Traum vom Profifootball am seidenen Faden. Er war zum Probetraining bei den Detroit Lions und den Cincinnati Bengals, um sich für ein neues Engagement zu empfehlen - zunächst ohne Erfolg.

"Das Problem ist, dass die Teams während der Saison einen Spieler entlassen müssen, bevor sie einen neuen einstellen können. Und damit ein Platz im Team frei wird, muss sich ein Spieler verletzen - oder die Trainer sind mit einem überhaupt nicht zufrieden", erklärt Böhringer in dem Zeitungsinterview. "Aber durch Probetrainings kommt man rein in das System, ist in den Karteien der Teams. Zur neuen Saison schauen sie sich nach neuen Spielern um und überlegen, wen sie noch gebrauchen könnten." 

Das International Pathway Program

Das "International Pathway Program" spielte Böhringer in die Karten. Seit dem Jahre 2017 fördert die NFL internationale Athleten, um diesen den Sprung in die NFL zu ermöglichen. Der Deutsche bezeichnet dies als seine zweite Chance. "Wir waren bei IMG in Florida", verriet Böhringer gegenüber ran.de "Da waren auch viele College-Spieler dabei. Wir haben täglich Speed-, Kraft- und Football-Training gehabt. Uns wurden Positions-Coaches zur Seite gestellt, die uns auf den Pro Day vorbereitet haben."

Zudem erfolgte eine Umschulung vom Wide Receiver zum Tight End. Die Veränderungen sind klar erkennbar: Böhringer hat ordentlich an Muskelmasse zugelegt, wiegt nun über zehn Kilo mehr als vorher. "Ich sehe mich aber nach wie vor als Receiving Tight End und nicht ausschließlich als Blocking Tight End", verrät er.

Ob er so den Sprung in den endgültigen Kader schaffen wird? Neun Tight Ends befinden sich aktuell im Roster der Bengals, drei dürfen schlussendlich wohl bleiben. Da Tyler Eifert und Tyler Kroft ihre Plätze sicher haben, dürfte es letztendlich wohl nur noch um einen Spot gehen. 

Erschwerend kommt hinzu, dass Böhringer wohl nicht das uneingeschränkte Vertrauen von Head Coach Marvin Lewis genießt. Dieser zeigte sich zwar von seiner sympathischen Seite, als er extra das deutsche Wort "Glückwunsch" nachgeschlagen hatte, um Böhringer am Telefon in dessen Sprache zu seinem Job bei den Bengals zu gratulieren. 

Es folgte allerdings die Ernüchterung, als der Trainer eine Woche später im Bezug auf Böhringer sagte: "Die NFL ist nicht für Jedermann. Es dauert einfach seine Zeit, wenn man von einer Position auf eine andere wechselt. Aber wir werden nichts überstürzen." 

Im Trainingslager ist der ganze Tagesablauf auf den Sport ausgerichtet. Um 7 Uhr morgens kommt Böhringer in die Facility, dann gibt es Frühstück, Meetings und Trainingseinheiten. Nach der Mittagspause geht alles noch einmal von vorne los, bis Böhringer um 21 Uhr nach Hause kommt und das Playbook mit den Spielzügen lernt, um auch am nächsten Tag einen guten Eindruck bei den Trainern zu hinterlassen.

Böhringer und sein Zwei-Jahres-Plan

Der Vorteil für Böhringer: Sollte er es nicht in den endgültigen Kader schaffen, wäre ihm dank des "International Pathway Program" zumindest ein Platz im Practice Squad sicher. So könnte er die komplette Saison über mit der Mannschaft trainieren und sich weiterentwickeln. 

Der Passempfänger hat sich daher einen Zwei-Jahres-Plan zurechtgelegt: "Wenn es dieses Jahr schon klappt, in die Mannschaft zu kommen, ist es natürlich perfekt. Und wenn nicht, sehe ich es als verlängerte Vorbereitung für das nächste Jahr."

Spätestens dann heißt es wohl: Entweder den Durchbruch in der NFL schaffen oder in die Heimat zurückkehren. 

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