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München - 17.Spieltag: Die Carolina Panthers empfangen die New Orleans Saints zum letzten Heimspiel der Saison. Zu diesem Zeitpunkt ging es für das Team von Besitzer David Tepper um nichts mehr, die Playoffs waren außer Reichweite. Trotzdem hallte es "Luuuuuuuuuuke" durch das Bank of America Stadium.

Luke Kuechly vereitelte wenige Sekunden zuvor einen Passversuch von Drew Brees auf Tight End Josh Hill. Das dies sein letztes "Big Play" war, konnte keiner ahnen. Denn der Linebacker beendet überraschend mit 28 Jahren seine Karriere. 

"Weiß nicht, ob ich das noch schaffe"

In einem emotionalen Video-Statement äußerte er sich zu seiner Entscheidung: "Ich denke, jetzt ist die richtige Chance, diesen Weg zu gehen. Es macht mich traurig, denn ich spiele diesen Sport, seitdem ich ein Kind bin. Für mich gab es immer nur eine Spielweise: Schnell, tough und physisch - und ich weiß nicht, ob ich das noch schaffe."

In seiner Laufbahn verdiente er laut NFL-Insider Tom Pelissero rund 63 Millionen Dollar und da sein Kontrakt noch zwei Jahre gelaufen wäre, verzichtet er in der kommenden Spielzeit auf 10,8 Millionen Dollar.

Kuechly blickt auf acht erfolgreiche Spielzeiten zurück, es scheint aber, als würde er auf seinen Körper hören und nach mehreren Gehirnerschütterungen (2016,2017) seine langfristige Gesundheit dem Sport vorziehen.

Die Panthers wählten den Star der Defensive an neunter Stelle im NFL-Draft 2012. Seit seiner Ankunft bei den Panthers zählte er zu den besten Linebackern der Liga, in seinem ersten Jahr gewann er den "Defensive-Rookie-of-the-Year-Award", in der Saison darauf wurde er zum "Defensive-Player-of-the-Year" gewählt. 

Siebenfacher Pro-Bowler

Sieben seiner acht Saisons beendete er im Kader des Pro Bowls. Die Tackle-Maschine sammelte in seiner Karriere 1092 Tackles, 12,5 Sacks und 18 Interceptions. Spieler und Coaches bezeichneten ihn als den "Quarterback der Defensive" oder "Kopf der Defensive", da Kuechly die Abwehrreihen koordinierte. 

Sobald er das Feld betrete, war er laut NFL-Spielern ein "unaufhaltsames Energiebündel", ein "Verrückter", der jeden wegtackelt, der sich ihm in den Weg stellt. Kuechly galt als "kompletter Spieler". Seine tagelangen Video-Analysen ermöglichten es ihm, Spielzüge des Gegners schnell zu erkennen.

"Ich erinnere mich, als wir gegen ihn gespielt haben und er knapp die Hälfte unserer Spielzüge vorher rumgeschrien und die Defensive angepasst hat", erzählte Left-Tackle-Routinier Andrew Whitworth von den Los Angeles Rams. 

Die Spielintelligenz gepaart mit seiner Athletik und unbändigem Willen machten ihn zu einem der besten Linebacker des vergangenen Jahrzehnts.

Kein Social Media

Während er auf dem Spielfeld als Tackle-Maschine gegnerischen Spielern regelmäßig den Tag vermieste, genoss er abseits des Platzes den Ruf als ruhiger und zurückhaltender Zeitgenosse.

Auf Social-Media-Plattformen war er kaum aktiv, seinem Instagram-Account folgen knapp 150.000 Fans, obwohl er noch nie einen Beitrag gepostet hat, weil er "sein Passwort nicht mehr weiß und es ihm ohnehin egal ist", wie er in einem Interview mit Panthers-Insiderin Caroline Cann verriet.

In seiner Freizeit unterstützt Kuechly gemeinnützige Aktionen und Organisationen, wie zum Beispiel die Essensausgabe an Obdachlose. "Mich freut es, den Tag der Leute etwas zu verbessern", begründete Kuechly sein Engagement. 

Angler- und Lederhosen-Fan

Sein Privatleben schützt Kuechly ansonsten, so gut es geht. Bekannt ist aber, dass er leidenschaftlich gerne angelt - und damit ausnahmsweise auch hausieren geht. "Nach meinem großen Fang, einem 25-Pfund-Lachs, bin ich jetzt der beste Angler der Familie", verriet er 2015 in einem "IMG"-Interview.    

Bei aller Kompromisslosigkeit auf dem Football-Feld kann Kuechly auch über sich lachen. Auf einer Halloween-Party tauchte er einmal mit Lederhose und übergroßem Trachtenhut auf. Eine kleine Hommage an seine deutschen Vorfahren.

Panthers müssen umplanen

Mit seinem überraschenden Abgang verlieren die Panthers das Herzstück der Defensive. Denn für das Team war Kuechly mehr als nur der Star-Linebacker.

Jüngere Mitspieler, wie Superstar Christian McCaffrey oder Linebacker-Kollege Jermaine Carter schwärmten von seiner Vorbildfunktion. "Es war eine Ehre mit dir zu spielen, du warst nicht nur der beste Spieler, den ich je gesehen habe, sondern auch der beste Mensch. Danke für alles", schrieb McCaffrey auf Instagram.

Wie es bei den Panthers auf der Linebacker-Position weitergeht, werden die kommende Monate zeigen. Mit dem neuen Head Coach Matt Rhule befindet sich das Team im Umbruch und muss nun ohne eine der wichtigsten Säulen planen - nämlich ohne den Kopf der Defense, ohne einen der besten Linebacker der Liga, ohne den Mentor für jüngere Spieler: Ohne Luke Kuechly.

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