Melvin Gordon will langfristig bei den Los Angeles Chargers bleiben. - Bildquelle: Getty Images / ImagoMelvin Gordon will langfristig bei den Los Angeles Chargers bleiben. © Getty Images / Imago

München/Los Angeles - Running Back Melvin Gordon geht in das letzte Jahr seines Rookie-Deals bei den Los Angeles Chargers. Das bringt ihm in der kommenden Saison 5,6 Millionen Dollar ein.

Wenn er denn spielt. Denn noch ist dies nicht klar bzw. sogar durchaus fraglich. Denn der Erstrunden-Pick des Jahrgangs 2015 kündigte bereits sein Fernbleiben beim anstehenden Training Camp an, um Druck auf den Klub hinsichtlich einer Vertragsverlängerung auszuüben.

Die Chargers hingegen evaluieren derzeit, ob sie Gordon seinen Zahltag gewähren und ihn langfristig binden wollen. Für den Betreffenden selbst gibt es keine zwei Meinungen. "Du kannst gute Running Backs einfach ersetzen, aber nicht großartige", erklärte Gordon gegenüber "ProFootballTalk".

Obwohl keine genauen Zahlen zum geforderten Salär kursieren, liegen Klub und Spieler derzeit noch weit auseinander: "Wenn wir ein ordentliches Angebot erhalten hätten, wären wir nicht hier. Melvin empfindet sich nicht entsprechend respektiert und meint es verdammt ernst", erklärte Gordons Agent Damarius Bilbo gegenüber "NFL.com".

Wiederholt sich der Fall Le'Veon Bell?

Laut "NFL-Network" besteht derzeit eine "große Wahrscheinlichkeit", dass Gordon die gesamte Regular Season aussetzen werde, sollten seine Forderungen nicht erfüllt werden. Und dieses Vorhaben ist keine Kurzschlussreaktion.

Gordon machte vergangenen Herbst angesprochen auf den Holdout vom damaligen Star der Pittsburgh Steelers Le'Veon Bell, klar, dass er in der Situation das Gleiche machen würde. Seine Aussage damals: Warum sollte Bell mit dem Risiko in die Saison gehen, sich zu verletzen und damit den großen Zahltag zu verpassen? Ein Szenario, dass sich nach derzeitigem Stand nun bei Gordon wiederholen könnte.

Werden Running Backs zu wenig honoriert?

Gordon verfolgt aber nicht nur seine eigenen Ziele. Ihm mangelt es grundsätzlich an der Wertschätzung für die vielseitigen Leistungen der Running Backs, besonders verglichen mit denen der Wide Receivern: "Wir blocken. Wir müssen mit dem Ball laufen und den Ball fangen. Wir machen auch, was Receiver tun".

Und weiter: "Ich erzähle den Leuten immer wieder: Die härteste Position abseits des Quarterbacks - der die einzige Position ist, die noch schwieriger ist, weil man so viel wissen muss - ist die des Running Backs und sollte auch dementsprechend bezahlt werden."

Damit spricht Gordon ein altbekanntes Thema in der NFL an. Das Verletzungsrisiko der Running Backs ist ungleich höher mit anderen Skill-Positionen und die Hochzeit eines Running Backs ist in der Regel auf eine Handvoll Jahre begrenzt. Dementsprechend sind die betroffenen Spieler zur eigenen Absicherung möglichst auf langfristige Verträge aus. Die Klubs hingegen zögern, teure Langzeitverträge an ihre Top-Runner zu vergeben.

Die Verletzungsanfälligkeit ist auch Gordons großes Manko. In seinen bisherigen vier NFL-Jahren konnte der 26-Jährige nur 2017 alle 16 Spiele der Regular Season bestreiten. In der vergangenen Saison, die bis dato beste seiner Karriere, verpasste er allein vier Spiele und knüpfte auch daher in der heißen Phase der Saison nicht mehr an seine starken Leistungen der ersten Saisonhälfte an.

Zählt Gordon zu den Top-Running-Backs der Liga?

Auf den ersten Blick legte Gordon mit 4.372 Scrimmage Yards und 38 Touchdowns in den vergangenen drei Jahren gute bis sehr gute Zahlen auf. Um den Wert des 26-Jährigen zu quantifizieren und ihn in Relation zu den Todd Gurleys, Saquon Barkleys und Bells der Liga zu setzen, lohnt sich aber eine tiefer gehende Analyse.

"ESPN" stellte kürzlich eine Statistik auf, die Running Backs mit mindestens 150 Carries in jeder ihrer letzten vier Spielzeiten in der Liga verglich. Dabei wurden sie aufgrund der erzielten Yards pro Lauf und der prozentualen Erfolgsrate, wie sich die Chance eines Teams, Punkte zu erzielen, durch Carries ihres Running Backs erhöht.

Dabei rangiert Gordon im Durchschnitt der vier Saisons mit 4,0 Yards per Carry nur auf Platz elf und mit 38,5 Prozent auf Platz acht bei der Punkt-Erfolgsrate. Erwähnenswert ist dabei, dass Gordons letzte Saison die Werte der Spielzeiten 2015-17 deutlich nach oben gezogen hat.

In den ersten drei Jahren seiner NFL-Karriere zählte er in den beiden angeführten Kategorien sogar nur maximal zum Durchschnitt der Liga.

Es lässt sich also festhalten: Die hohen Touchdown-Werte kaschieren die grundsätzliche Effizienz Gordons als Workhorse außerhalb der Red Zone. Zählt Gordon dennoch zu den Top-Running-Backs der Liga und ist damit einen langfristigen Deal in der Riege der Topverdiener wert? Er sagt ja - die Verletzungshistorie und die angeführten Statistiken nein.

Daniel Kugler

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