Philip Rivers hört nach 17 Jahren in der NFL auf. - Bildquelle: gettyPhilip Rivers hört nach 17 Jahren in der NFL auf. © getty

Indianapolis/München - 17 lange Jahre war Quarterback Philip Rivers eines der Gesichter in der NFL. Nun beendet der 39-Jährige seine aktive Karriere.

"Es ist der richtige Zeitpunkt, und es fühlt sich gut an. Ich danke dem Herrn, dass ich meinen Traum von einer NFL-Laufbahn leben durfte", erklärte Rivers in seinem Abschiedsstatement. Vor knapp zwei Wochen hatte er sein letztes NFL-Spiel bestritten und war mit den Indianapolis Colts knapp an den Buffalo Bills (24:27) gescheitert.

Der gläubige Christ wählte den 20. Januar als Datum seines Rücktritts wohl ganz bewusst aus. Schließlich gehört dieser Tag in der katholischen Kirche dem Heiligen Sebastian, Schutzpatron der Sportler. Abseits dieser besonderen Symbolik hat Rivers schlichtweg eine fulminante NFL-Karriere hingelegt.

Rivers bei Passing Yards und Touchdown-Pässen auf Rang fünf

In den ewigen Quarterback-Ranglisten der Liga liegt er mit 63.440 Passing Yards und 421 Touchdown-Pässen jeweils auf Platz fünf. Nur Tom Brady, Drew Brees, Peyton Manning und Brett Favre stehen in beiden Kategorien besser da. In allen weiteren relevanten Kategorien für Signal Caller liegt er in den Top 10 der NFL-Geschichte, darunter auf dem achten Platz für 134 Siege in der Regular Season.

Acht Mal schaffte es Rivers in seiner langen Laufbahn, die ihn 16 Jahre bei den Los Angeles beziehungsweise San Diego Chargers auflaufen ließ und zuletzt noch eine Saison bei den Indianapolis Colts, in den Pro Bowl. In 16 Jahren bei den San Diego und später Los Angeles Chargers hatte er mehr als 30 Franchise-Rekorde aufgestellt.

Trotz seines fortgeschrittenen Alters gelang ihm auch im Colts-Dress noch etwas ganz Besonderes. Rivers warf mit 68 Prozent die zweitbeste Completion Rate aller Quarterbacks in der Colts-Historie. Nur ein gewisser Peyton Manning erzielte dort einen noch besseren Wert.

Eine Meisterschaft blieb dem neunfachen Vater verwehrt. Auch der Einzug in den Super Bowl gelang Rivers weder mit den Chargers noch mit den Colts.

 

Rivers: "100 Prozent im Frieden" mit Rücktritt

Und dennoch blickt Rivers voller Dankbarkeit auf seine Laufbahn zurück. "Es war unglaublich. Ein kleiner Junge aus Nord-Alabama wuchs auf mit dem Ziel Football-Profi zu werden. Ich musste es einfach machen", sagte er der "Union Tribune".

Er betont auch, dass er zu "100 Prozent im Frieden" mit sich und der Entscheidung zum Rücktritt sei. Ein überraschendes Comeback wird man vom 39-Jährigen also höchstwahrscheinlich nicht sehen. Und trotzdem fehle ihm die Kameradschaft in der Kabine und im Huddle und insbesondere der "Trashtalk", so Rivers.

Gerade letzteres beherrschte der Quarterback exzellent, aber auf seine ganz eigene Art und Weise. "Rivers könnte der lustigste 'Trashtalker' aller Zeiten sein", meinte Tyran Mathieu, Safety der Kansas City Chiefs unlängst.

Sein ehemaliger Teamkollege Antonio Cromartie sagte: "Er ist schon so seit ich ihn kenne. Im Training ist es noch schlimmer."

Rivers bedankt sich für "Trashtalk"

Mit seinem ganz eigenen Humor nutzte Rivers so manche Spielpause um Gegnern und Mitspielern noch einen Spruch reinzudrücken, war dabei aber so gut wie nie respektlos. Stattdessen wollte er damit, neben seinen Pässen, einfach die Freude am Football zum Ausdruck bringen. So mancher NFL-Fan bedauert in den sozialen Medien daher auch das Karriereende eines "Hall-of-Fame-Trash-Talkers".

So verwundert es auch nicht, dass Rivers sich bei den Schiedsrichtern, seinen Coaches, allen Fans, Mitspielern und sämtlichen Gegnern - sogar für den üblichen "Trashtalk" auf dem Feld – bedankte.

Doch in seiner neuen Aufgabe muss er mit dem "Trashtalk" wohl oder übel aufhören. Denn Rivers wird Head Coach an der St. Michael Catholic High School in seiner Heimat in Alabama. Dies wurde bereits im Mai des vergangenen Jahres verkündet. Dort wurde Rivers einst selbst von seinem Vater Steve trainiert und wird nun dort auf seinen ältesten Sohn Gunner treffen, der dort die siebte Klasse besucht.

Die Liebe für Football wird also in der Familie weiter getragen, aber der NFL wird in der kommenden Spielzeit eines ihrer Gesichter fehlen – und auch der "Trashtalk" wird sicherlich nicht mehr der selbe sein.

Markus Bosch

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