Bald der bestbezahlte Spieler in der NFL: Russell Wilson - Bildquelle: Getty/ran.deBald der bestbezahlte Spieler in der NFL: Russell Wilson © Getty/ran.de

München/Seattle - Das Hin und Her hat endlich ein Ende. Die Seattle Seahawks und Quarterback Russell Wilson haben sich auf einen neuen Vertrag verständigt. Doch die Zahlen haben es in sich: 140 Millionen Dollar für vier Jahre, 107 Millionen davon garantiert, allein für die Unterschrift soll Wilson laut NFL-Insider Ian Rapoport einen Bonus von unglaublichen 65 Millionen Dollar erhalten.

Eine ganze Menge Geld, die den Seahawks womöglich an anderer Stelle fehlt. Die Rekordverdiener der NFL hatten in den vergangenen Jahren nur selten großen Erfolg. Ist der Monster-Deal auf lange Sicht also wirklich das Beste für das Team? ran.de liefert Gründe dafür und dagegen.

PRO: Bezahlt den Mann, er hat es verdient!

Russell Wilson ist jetzt bereits einer der besten Spieler der Seahawks-Geschichte - vielleicht ist er sogar schon die Nummer 1. Der ehemalige Drittrundenpick führte die Hawks zu ihrer einzigen Vince-Lombardi-Trophy. Überhaupt stand Seattle nur dreimal im Super Bowl - zweimal war Wilson der Quarterback. Er hält den Franchise-Rekord für Touchdown-Pässe (196) und führte das Team in sechs seiner sieben NFL-Saisons in die Playoffs. In den ersten sieben Jahren seiner NFL-Karriere hat kein Spieler mehr Partien gewonnen als Wilson.

Früh in seiner Karriere behaupteten seine Zweifler, die "Legion of Boom" sei für seine Erfolge hauptverantwortlich. Jetzt ist die legendäre Secondary Geschichte, vor der Saison sahen nur wenige Beobachter die Seahawks als Playoff-Team an. Am Ende stand eine Bilanz von 10-6 und der erneute Einzug in die Postseason - und das lag vor allem an Russell Wilson. Der Quarterback warf 35 Touchdowns, nur Patrick Mahomes und Andrew Luck schafften mehr. Wilson unterliefen dabei nur sieben Interceptions, fünf weniger als Mahomes und acht weniger als Luck. Solange Wilson die Zügel in der Hand hat, sind die Seahawks konkurrenzfähig.

Wilson verpasst kein Spiel

Zudem hat sich Wilson in seiner bisherigen NFL-Karriere als ein echter Ironman erwiesen. Der 30-Jährige hat in seinen sieben Jahren in der NFL noch kein einziges Spiel verpasst. Und das, obwohl er häufig hinter einer wackeligen Offensive Line um sein Leben rennen musste. Der Spielmacher ist der unangefochtene Leader des Teams und das Gesicht der Franchise.

Die Verantwortlichen könnten sich keinen besseren Repräsentanten für ihr Team wünschen. Russell sorgt abseits des Feldes nie für negative Schlagzeilen. Bei seinen öffentlichen Auftritten präsentiert er sich eloquent und charismatisch. Außerdem fühlt er sich in Seattle pudelwohl. Auf die Gerüchte um einen Wechsel zu den Giants angesprochen, erwiderte Wilson in der "Tonight Show": "Ich liebe Seattle. Das ist ein ganz besonderer Ort für mich."

Seattle ist Wilsons Zuhause 

Sein Agent Mark Rodgers bekräftigte nach der Einigung noch einmal, dass Wilson unbedingt bei der Franchise bleiben wollte, die ihn gedraftet hat: "Das Wichtigste für Russell war, dass er in Seattle bleibt. Mein Job war es, das sicherzustellen und dabei den besten Deal auszuhandeln", so Rodgers gegenüber Ian Rapoport.

Des Weiteren muss man auch die langfristige wirtschaftliche Entwicklung der Liga beachten. In den vergangenen sechs Jahren ist der Salary Cap pro Jahr jeweils um mindestens zehn Millionen Dollar gestiegen. Gerade Quarterbacks stellen mit ihren Verträgen jedes Jahr neue Rekorde auf. 2016 war Luck mit 24,6 Millionen Dollar der Top-Verdiener in der NFL. Vier Jahre später bekommt Wilson als Krösus der Liga schon knapp 10 Million Dollar mehr. Gut möglich, dass er schon vor der Saison 2020 als Top-Verdiener abgelöst wird.

CONTRA: Ein Rekordvertrag führt nur selten zum Erfolg  

Vergangene Saison waren Aaron Rodgers, Matt Ryan und Kirk Cousins die Top-Verdiener bei den Quarterbacks. Was haben alle drei gemeinsam? Sie alle haben mit ihren Teams die Playoffs verpasst. Tatsächlich haben 2018 die sechs bestbezahlten Spielmacher allesamt die Postseason verpasst. Ohne Franchise-Quarterback kannst du in der NFL nicht gewinnen - trotzdem ist ein Top-Quarterback allein nicht genug, um die begehrte Vince-Lombardi-Trophy zu holen. Er muss auch die notwendige Unterstützung bekommen.

Von den zwölf Quarterbacks, die den Sprung in die Playoffs geschafft haben, spielten sechs noch unter ihrem Rookie-Vertrag, Nick Foles war nur ein Backup. Als Wilson 2013 den Super Bowl gewann, verdiente er selbst eine halbe Million Dollar. Teams, die Unsummen für ihre Quarterbacks ausgeben, fehlt häufig an anderer Stelle das Geld. Dann müssen die Franchises andere Leistungsträger ziehen lassen, da der Cap Space fehlt.

Auch die Seahawks haben noch einige Baustellen in ihrem Kader. Die Offensive Line hat sich im vergangenen Jahr extrem verbessert. Dass sie gegen die Top-Defenses in den Playoffs bestehen kann, muss sie erst noch beweisen. In der Wild-Card-Round neutralisierten die Cowboys das Laufspiel der Seahawks komplett. Es fehlt an Receiving-Optionen. Top-Pass-Rusher Frank Clark wurde mit dem Franchise Tag belegt, will aber nur mit einem langfristigen Vertrag spielen. Bobby Wagners Arbeitspapier läuft nach der nächsten Saison aus. Kann sich das Team alle drei Stars leisten?

Die Verletzungsanfälligkeit steigt mit dem Alter

Wilson blieb bisher von größeren Verletzungen verschont, doch die unzähligen Hits, die ein NFL-Spieler immer wieder einstecken muss, hinterlassen Spuren. Und mit dem Alter steigt in der Regel auch die Verletzungsanfälligkeit. Wilson musste in den vergangenen Jahren häufig selbst mit dem Ball laufen und außerhalb der Pocket agieren, weil seine O-Line ihm nicht genug Zeit geben konnte. Das macht ihn angreifbar - er muss mehr Hits einstecken, als die meisten anderen.

Worst-Case-Szenario: Weil Wilsons Vertrag zu teuer ist, können die Seahawks keine vernünftige O-Line zusammenhalten. Wilson muss wieder um sein Leben rennen und verletzt sich dabei schwer. Selbst wenn Wilson von Verletzungen verschont bleibt - der Druck auf ihn steigt.

Er ist jetzt der bestbezahlte Spieler der NFL. Wenn eine Franchise so viel Geld investiert, dann nicht, um in den Playoffs dabei zu sein - sondern um den nächsten Championship Ring zu holen.

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