Muss sein Team wieder in die Bahn bekommen: Giants-Coach Joe Judge (l.). - Bildquelle: gettyMuss sein Team wieder in die Bahn bekommen: Giants-Coach Joe Judge (l.). © getty

München - Es hätte ein schöner Abend für die Giants-Fans werden können. Knapp sechs Minuten vor dem Ende feuerte Quarterback Daniel Jones einen langen Ball auf den völlig freistehenden Darius Slayton in die Endzone. 

Doch anstatt eines Touchdowns und einer Zehn-Punkte-Führung rutschte dem Wide Receiver der Ball durch die Hände. Kicker Graham Gano verwandelte wenig später das Field Goal und erhöhte auf 26:20 aus Sicht der Giants. Dies ermöglichte dem durchaus schlagbaren Football Team den Weg zurück ins Spiel - und leitete den Einbruch der Giants ein. 

New York Giants: Ängstliches Playcalling von Judge und Co.

Nach der verpatzten Szene drehte die Washington-Offensive kurzerhand auf und ging nach einem Touchdown von Ricky Seals-Jones mit 27:26 in Führung. Doch dank einer Interception von Giants-Cornerback James Bradberry kurz vor der Two-Minute-Warning hatten die Giants plötzlich den Sieg in der eigenen Hand. 

An der 25-Yard-Linie von Washington kam Daniel Jones zurück aufs Feld. Bis dato legte der Spielmacher 249 Passing Yards mit einem geworfenen Touchdown sowie 97 Rushing Yards und einem Rushing Touchdown überragende Zahlen auf - und hätte einen Game Winning Drive verdient gehabt.  

Doch hier versagte das Playcalling von Head Coach Joe Judge und Offensive Coordinator Jason Garrett komplett. Anstatt Jones das Zepter zu überlassen, wählten sie einen konservativen Ansatz und ließen den glücklosen Running Back Saquon Barkley Zwei Mal in die Defensive Line des Football Teams donnern. 

 

Beim dritten Versuch war dann Jones gefragt, doch die Secondary von Washington stellte den anvisierten Sterling Shepard zu. Erneut kickten die Giants das Field Goal und überließen Heinicke und Co. zwei Minuten vor dem Ende den Ball. Letztlich ging das Spiel nach einem umstrittenen Field Goal verloren - und die Kritik am einstigen Hoffnungsträger Judge wächst. 

"Let Danny Dimes Cook"

Auch wenn Daniel Jones öfter zurecht in der Kritik steht, ist diese Niederlage dem 24-Jährigen mit Sicherheit nicht anzukreiden. Trotz wackeliger Offensive Line und der schweren Verletzung von Starting Center Nick Gates sorgte der Signal Caller immer wieder für Big Plays. 

Sowohl durch die Luft als auch im Laufspiel war der Erstrunden-Pick von 2019 fast nicht zu stoppen. Lange Zeit wussten auch die Giants-Coaches ihren Spielmacher sinnvoll einzusetzen. Mit Run-Option-Plays hebelten sie die Washington-Defense mehrfach aus und verhalfen Jones zu langen Läufen. In der Crunch Time verlor das Trainerteam dann aus unerklärlichen Gründen das Vertrauen in Jones.

 

Nach dem Spiel sorgte der Head Coach zudem mit irritierenden Aussagen für Aufsehen: "Es geht nicht darum, dass wir Daniel Jones nicht vertrauen. Sondern wir haben auch großes Vertrauen in unser Laufspiel und in die Offensive Line", sagte Judge nach dem Spiel. Das Problem: Beides funktionierte an diesem Abend nur stark begrenzt. Star-Running-Back Barkley wirkte nach seiner schweren Verletzung im Vorjahr weiterhin nicht wie der Alte und legte mit 57 Rushing Yards bei 13 Versuchen maximal passable Zahlen auf. 

Bei acht First Downs brachte es die Rushing Offense der Giants insgesamt gerade einmal zu einem Yard Raumgewinn. Zum Vergleich: Bei 19 Passversuchen bei einem First Down brachte es Daniel Jones auf 123 Yards. Hätten die Giants also in der entscheidenden Phase auf ihren Quarterback vertraut, anstatt das glücklose Laufspiel zu forcieren, wären ihre Chancen auf den ersten Saisonsieg deutlich höher gewesen. 

Krise wird öffentlich: Golladay und Co. machen Stunk

Die eigentlich hochkarätig besetzte Offensive der Giants kommt auch am zweiten Spieltag - abgesehen von Jones - noch nicht wirklich ins Laufen. Mit Kenny Golladay verpflichtete General Manager Dave Gettleman einen echten Star-Receiver und stattete diesen mit einem 72-Millionen-Dollar-Vertrag über die kommenden vier Jahre aus.

Nach der Euphorie um die Verpflichtung folgt nun Ernüchterung. Gegen das WFT brachte es der 27-Jährige gerade einmal auf drei Receptions und 38 Receiving Yards. An der Seitenlinie platze dem Receiver schließlich der Kragen und er feuerte einige aufgebrachte Worte in Richtung seines Quarterbacks. 

"Er war einfach frustriert mit der Situation, ich glaube aber nicht, dass es speziell gegen mich ging", erklärte Jones nach dem Spiel. Es ehrt den jungen Quarterback, dass er die Schuld auf sich nimmt: "Ich muss ihn einfach öfter finden und einen besseren Job machen", sagte er weiter. Doch auch hier ist es eher den Coaches anzukreiden, dass sie ihren Star-Neuzugang nicht oft genug ins Rampenlicht bekommen. 

Auch Erstrunden-Pick Kadarius Toney schlug in eine ähnliche Kerbe: "Ich bin nicht sauer, aber es kommt nur sehr wenig in meine Richtung", schrieb der junge Speedster per "Instagram". Wollen die Giants in den kommenden Spielen erfolgreich sein, müssen sie ihre durchaus vorhandenen PS auf die Straße bekommen.

Judge und Co. auf dem "Hot Seat"? 

Angesichts der bevorstehenden Aufgaben droht den Giants nun ein absoluter Horrorstart. Nach der Partie gegen die ebenfalls wackelnden Atlanta Falcons in Woche 3 folgen mit den New Orleans Saints, den Dallas Cowboys und den Los Angeles Rams drei Schwergewichte. Läuft es weiter so holprig, scheint eine Bilanz von 1-5 nach sechs Spieltagen nicht unrealistisch. 

Bereits in Woche 1 leistete sich Coach Judge mit einer fehlerhaft geworfenen Challenge-Flagge einen Patzer. Dass sich die Giants aber tatsächlich in den kommenden Wochen von ihrem Trainer den trennen, scheint unrealistisch. Zuvor müssten wohl GM Gettleman oder Offensive Coordinator Jason Garrett die Koffer packen. 

Die Augen der Verantwortlichen dürften sich nach dem verpatzten Start dennoch kritischer auf den ehemaligen Special Teams Coordinator der New England Patriots richten. Bekommt er den Trümmerhaufen in New York nicht unter Kontrolle, könnte es auch für den jungen Head Coach ungemütlich werden.

Für Joe Judge und Co. hat der Wettlauf gegen die Krise begonnen.

Sebastian Kratzer 

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