Großer Streitpunkt: Eric Reid tackelt Ben Roethlisberger - nur wie schlimm? - Bildquelle: gettyGroßer Streitpunkt: Eric Reid tackelt Ben Roethlisberger - nur wie schlimm? © getty

München - Ron Rivera windet sich ein wenig. "Ja, wir wollen unsere Quarterback beschützen", sagt der Coach der Carolina Panthers, "aber da habe ich schon ganz andere Hits gesehen, bei denen nichts passiert ist."

Der Trainer der mit 21:52 unterlegenen Panthers bezieht sich auf ein Tackle von Safety Eric Reid, Ende des dritten Viertels. Reid, erst vor Kurzem bei in Carolina unterschrieben, geht auf den mit den Beinen voranrutschenden Ben Roethlisberger. Auf den Fernsehbildern ist nicht einmal klar, dass der Verteidiger Big Ben überhaupt trifft.

"Das war doch keine Hinausstellung. Er hat ihn nicht wirklich hart getroffen", sagt Riveira. Und Reid legt nach: "Ich wusste nicht einmal, dass man für so etwas hinausgestellt werden kann", sagt der Safety. Alles, was ich gemacht habe, war mein Job. Ja, die Liga will Quarterbacks beschützen, aber in dem Fall ist er gelaufen. Er war also wie ein Running Back unterwegs."

Roethlisberger spielt das Ganze mit einem Lacher herunter. Auf die Frage, ob Reid seinen Helm denn getroffen hätte, sagt er: "Ich kann mich nicht mehr erinnern."

Zwischen Grauzone und Hinausstellung

Es ist weiterhin ein schwieriges Thema. Roughing the Passer, Helmet Rule, Catch Rule. Die Spieler fühlen sich des Öfteren in einer Grauzone. Mal gibt es eine Strafe, wie jetzt bei Reid, mal nicht. Gerade in der Preseason war der Aufschrei groß, als die NFL Revolutionäres im Gepäck hatte, um dem Spiel regeltechnisch eine neue Note zu verleihen.

Doch welche Auswirkungen hatten die Regeln tatsächlich? ran.de mit einem Überblick.

Helmet Rule: Vor dieser Regel hatten vor der Saison alle Angst. Die Sorge: Wie geht man denn jetzt in ein Tackle? Muss ich meine Spielweise komplett umstellen? Denn: Mit der neuen Regel ist es verboten, den Kopf zu senken und mit dem Helm voraus den Kontakt zum Gegner zu suchen. Bei einem Verstoß gibt es eine 15-Yard-Strafe, möglich ist auch ein Spielausschluss. Eine fundamentale Änderung.

 

Doch unter dem Strich entpuppte sich die ganze Aufregung in der Saison als laues Lüftchen - vorerst. Denn die NFL hat den Ansatz der weichen Einführung gewählt. Neun Flags gab es für einen Verstoß in der ersten Saisonhälfte in allen Spielen - die letzte jetzt bei Reid. Umgerechnet sind die Vergehen pro Spiel also im Promillebereich. Ein überraschend starker Einbruch, nachdem es in der Preseason noch 51 Fouls in 33 Spielen gab.

Der Grund: Wie ESPN berichtet, werden nur die deutlichsten Verstöße auf dem Feld geahndet. Stattdessen spricht die NFL Warnungen aus und verschickt diese per Brief inklusive eindringlicher Worte an die Übeltäter plus einer Video-Erklärung. Eine Übergangsregelung, die Liga will die Spieler damit sensibilisieren, bevor in Zukunft härter durchgegriffen wird.

Roughing the Passer: Sie sprang für die Helmregel ein, was die Diskussionen betrifft. Denn die Regel sorgte vor allem zu Saisonbeginn für kontroverse Entscheidungen. Und Ärger. Im Kern soll sie den Quarterback mehr schützen.

An den ersten drei Spieltagen gab es 34 Flags für das Vergehen, ehe eine Regelklärung etwas Tempo und Schärfe aus der Sache nahm. 30 Flags gab es an den sechs weiteren Spieltagen. Negativ-Höhepunkt war fraglos der Kreuzbandriss von Miamis William Hayes, als er versuchte zu verhindern, beim Tackle gegen Derek Carr auf dem Raiders-Quarterback zu landen.  

 

Keine Frage: Die Regel hat das Spiel verändert. Es gibt Spieler, die auf einen fast sicheren Sack verzichten, um eine Strafe zu vermeiden. Andere überlegen zweimal vor einem Angriff, andere wählen andere Ansätze, konzentrieren sich auf den Football anstatt auf denjenigen, der ihn wirft.

Kickoff: Der Kickoff wurde modifiziert. Die Regeländerung soll vor allem verhindern, dass Spieler in höchstem Tempo aufeinanderprallen. Untersuchungen hatten ergeben, dass die Gefahr für eine Gehirnerschütterung weitaus größer ist als im normalen Spiel.

Zahlen liegen aktuell nur für die Preseason vor, und da gab es tatsächlich keine Gehirnerschütterung. 

Dafür war im Vergleich zur Vorsaison die Return Rate niedriger (33,4 Prozent), die Touchback Rate stieg hingegen auf 64,6 Prozent. 2017 lagen die Zahlen bei 40,6 und 56,6 Prozent. Unter dem Strich sind die Änderungen für den Fan kaum wahrnehmbar. Ob sie tatsächlich zu mehr Sicherheit führen, muss sich noch zeigen.

Catch-Regel: Es war eine neue Definition einer der Grundsatzregeln des Spiels: Wann ist ein Catch ein Catch?

Für einen Completed Catch genügen ab dieser Saison die Kontrolle über den Ball, zwei Füße oder ein anderes Körperteil innerhalb des Feldes auf dem Boden sowie ein sogenannter Football Move -  also ein dritter Schritt oder ein Strecken des Balles in Richtung des neuen Downs. Nach dieser Bewegung muss der Spieler keine Kontrolle mehr über das Ei haben.

Es ist unklar, ob es eine direkte Konsequenz aus der Regel ist, aber 2018 gibt es mehr Fumbles. 297 sind es, im Vorjahr waren es zum gleichen Zeitpunkt 279. Es ist zudem die höchste Anzahl seit 2012 (307).

Flagrant Fouls: Nichts bleibt im Verborgenen: Begeht ein Spieler außerhalb des Blickfeldes des Schiedsrichters eine Tätlichkeit, werden die von einem Ligaoffiziellen darauf hingewiesen. NFL-Vizepräsident Al Riveron sitzt dafür vor einem Bildschirm. 

Der sofortige Ausschluss des Spielers ist möglich. Acht Mal wurden Spieler in dieser Saison ausgeschlossen, einmal griff Riveron bislang tatsächlich ein. In Week 5 flog Defensive Lineman Chris Jones von den Kansas City Chiefs vom Platz, nachdem er bei einem Extra-Punkt-Versuch einen Gegenspieler der Jaguars schlug. Ursprünglich hatte er für die Aktionen eine 15-Yard-Strafe wegen unnötiger Härte erhalten.

Illegal Contact: Die Referees sollten bei einem Illegal Contact härter durchgreifen als in der Vergangenheit. Was sie auch taten: Bis jetzt wurde das Vergehen 42 Mal geahndet, öfter als in der kompletten vergangenen Saison (38).

Dabei wurde zu Saisonbeginn mit 31 Ahndungen in den ersten fünf Wochen deutlich gezeigt, wie der Hase läuft. Immerhin: Es werden mehr Punkte erzielt, 24 sind es pro Spiel, 2017 waren es 21,7.

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